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Von Christina Rothfuß
29. November 2022

Vor den heutigen Inflationsdaten für Deutschland kommt es am Dienstag erst mal zu Gewinnmitnahmen. Der QIX Deutschland liegt demnach am Nachmittag mit 0,4 % im Minus bei 13.835 Punkten. Brenntag bestätigt Übernahmegespräche mit Univar und hatte erst kürzlich sein jährliches Zukaufs-Budget um 400 bis 500 Mio. Euro erhöht. BMW-Chef sieht im nächsten Jahr trotz Herausforderungen für den Autobauer einen robusten Geschäftsverlauf, zudem wurden die Investitionen in ungarisches E-Autowerk um 1 Mrd. Euro aufgestockt.

 

Am Montag war die Brenntag-Aktie im Qualitäts-Index mit deutlichen Abschlägen einer der größten Verlierer. Nach der heutigen Handelseröffnung liegt sie allerdings wieder leicht im Minus bei 61,50 Euro. Die Papiere des Chemikalien-Vertriebsspezialisten waren gestern unter Druck geraten, da die Unternehmensführung am Freitagabend bestätigte, an einer Übernahme des US-Wettbewerbers Univar Solutions interessiert zu sein. Für Brenntag wäre dies zwar ein Meilenstein, da die Gesellschaft in der Vergangenheit bislang nur kleinere Zukäufe getätigt hat. Ob es allerdings zu einer Transaktion kommt, ist gegenwärtig noch offen. Basierend auf dem Schlusskurs von Freitag kommt der deutsche Vertriebshändler aber auf eine Marktkapitalisierung von 10,6 Mrd. Euro. Das im US-Bundestaat Illinois beheimatete Unternehmen Univar wurde an der Börse vor den Übernahmeplänen mit gut 5 Mrd. USD bewertet. Dabei gilt Brenntag als Marktführer im weltweiten Chemievertriebsgeschäft mit einem Umsatz im vergangenen Jahr von 14,4 Mrd. Euro. Der US-Rivale folgt aber auf Platz 2 mit Jahreserlösen von 9,5 Mrd. USD (9,1 Mrd. Euro). Ein Zusammenschluss würde also erhebliche Wettbewerbsvorteile, vor allem gegenüber regionalen Anbietern bringen. Und dies in einer Zeit, in der die Industrie vor einer sich beschleunigenden Transformation steht. Bei den Erwägungen von Brenntag waren aber nicht alle Analysten positiv gestimmt. So zeigte sich die Großbank Barclays zunächst skeptisch. Eine Übernahme von Univar würde strategisch gesehen eine Kehrtwende bedeuten bei den Prioritäten des Chemikalienhändlers, welche sie als unerwünschte Ablenkung betrachten in einer ansonsten überzeugenden Anlagestory, schrieben die Experten. Aus finanziellem Blickwinkel könnte ein Deal aber sinnvoll sein.

Positiv auf die Brenntag-Pläne reagierte dagegen das Analysehaus Jefferies, deren Analysten  eine Übernahme logisch nannten. Käme es dazu, würden sich die beiden weltgrößten Chemikalienhändler zusammenschließen, die zusammen auf einen Marktanteil von rund 8 % kämen. Brenntag selbst hatte erst Mitte November neue Wachstumspläne für die Zeit bis zum Jahr 2026 vorgestellt. Neben einer Verbesserung des operativen Gewinns hatte das Management dabei auch angekündigt, zukünftig für Übernahmen jährlich 400 bis 500 Mio. Euro mehr ausgeben zu wollen, was doppelt so viel wäre wie bisher. Strategisch zukaufen will der Händler von Industrie- und Spezialchemikalien vor allem, um seine Marktstellung zu verbessern und seine Position in Schwellenländern weiter auszubauen. Brenntags` Finanzchefin sagte zuletzt in einem Interview der "Börsen-Zeitung" zum Thema Akquisitionen, dass nicht alles passt und nicht alles finanziell sinnvoll wäre. Daher gelte es trotz des höheren Budgets für Übernahmen, dass wir weiterhin sehr diszipliniert vorgehen. Zuletzt erwirtschaftete Brenntag jedenfalls eine starke Eigenkapitalrendite von 12 %. Und fundamental ist die Aktie mit dem 17-fachen KGV auch nicht zu teuer. Letztlich notiert sie damit auch zu Recht im deutschen Qualitätsaktien-Index (QIX). Der QIX Deutschland ist ein Aktien-Index, der aus den besten 25 deutschen Aktien gebildet. Die 25 Aktien werden nach einem festgelegten und erfolgsbewährtem Regelwerk ausgewählt.

Solide Kursgewinne von 1,2 % auf aktuell 84,45 Euro verzeichnet im Qualitäts-Index heute dagegen die Aktie von BMW. Unterstützung bekommt sie dabei von den gestrigen Aussagen des Vorstandschefs, der bei dem Autobauer im kommenden Jahr erneut ein stabiles Geschäft erwartet. Sorge machten ihm die Lockdowns im größten Automarkt China, sagte der BMW-Manager am Montag vor Journalisten in München. In Deutschland dürfe es diesen Winter genug Gas geben, aber die Autoindustrie und ihre Zulieferer brauchten eine sichere Energieversorgung zu wettbewerbsfähigen Preisen. Dem Vorstand zufolge gibt es in den verschiedenen Weltmärkten unterschiedliche Herausforderungen und Chancen. Insgesamt dürfte sich das aber letztlich ausgleichen, sodass der Manager für BMW im nächsten Jahr alles in allem mit einem stabilen Geschäftsverlauf rechnet. Zudem investiert der deutsche Premiumhersteller deutlich mehr in sein geplantes neues Elektroautowerk im ungarischen Debrecen. Bis 2025 sollen mehr als 2 Mrd. Euro in den Werksneubau gesteckt werden, teilte eine Sprecherin des Unternehmens am Freitag mit. Bisher war von einer Summe von mehr als 1 Mrd. Euro die Rede gewesen. Zur ohnehin geplanten Fabrik für die von BMW für Mitte des Jahrzehnts angekündigte neue E-Autoreihe "Neue Klasse" soll nun zusätzlich noch ein Montagebereich für Hochvolt-Batterien entstehen.

Demnach sind seitens des Unternehmens rund 1,5 Mrd. Euro für die Autofertigung vorgesehen, und gut 500 Mio. für den geplanten Batteriepark. Das Werk in Debrecen soll dann als erste Autofabrik der Welt ausschließlich mit erneuerbarer Energie und komplett CO₂-frei produzieren. Mit der dort gefertigten vollelektrischen "Neuen Klasse" will BMW jedenfalls eine neue Ära einläuten und den Hochlauf der E-Antriebe mit einer neuen Modellarchitektur deutlich beschleunigen. Dabei sollen in der eigentlichen Autofertigung in Debrecen rund 1.000 Beschäftigte bis zu 150.000 vollelektrische Autos im Jahr herstellen. Die Grundsteinlegung für das neue BMW-Fahrzeugwerk war bereits im Sommer, die Bauarbeiten für den Batterie-Montagebereich wurden vor Kurzem gestartet.

 

Wenn Sie den QIX nachbilden wollen, bietet sich ein Index-Tracker der UBS an.

Hinweis: Da der QIX Deutschland von finanzen.net und der Traderfox GmbH, einer Tochtergesellschaft der finanzen.net GmbH, entwickelt wurde, partizipieren die finanzen.net GmbH und die TraderFox GmbH indirekt oder direkt an der Vermarktung des QIX Deutschland. Dies betrifft u.a. Lizenzeinnahmen von Emissionsbanken und KVGs.

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