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Von Christina Rothfuß
22. April 2022

Die Furcht vor noch aggressiveren Zinsschritten der US-Notenbank drückt am Freitag den QIX Deutschland wieder ins Minus. Dementsprechend gibt der Index am Nachmittag gut 1,5 % auf 14.980 Punkte nach. Pharmazulieferer Sartorius vermeldet für das Startquartal weiterhin dynamisches Wachstum und will mit seinen Basislaborgeschäften in diesem Jahr rund 19 % wachsen. SAP steigert seinen Umsatz in Q1 um 11 % auf knapp 7,1 Mrd. Euro, die Cloud-Erlöse ziehen dabei erneut um über 30 % an.

Ein starkes Zahlenwerk hatte schon am Donnerstag im Qualitäts-Index die Aktie von Sartorius deutlich beflügelt. Am heutigen Freitag liegt sie aber erst mal wieder kräftiger im Minus bei aktuell 383,50 Euro. Für den Labor- und Prozesstechnologieanbieter lief es auch zum Jahresstart trotz abflachender Pandemie prächtig. Der Umsatz knackte dabei erstmals die Milliardenmarke, zudem wurden viele Aufträge hereingeholt. Das Orderniveau war jedoch etwas weniger als während des Corona-bedingten Booms ein Jahr zuvor. Und um im laufenden Jahr neben den Erlösen auch den Gewinn zu steigern, verhandelt Sartorius derzeit mit seinen Kunden über weitere Preiserhöhungen. Vor allem aber das anhaltend hohe Wachstum des Pharma- und Laborausrüsters begeisterte gestern Investoren und Analysten zugleich. Allein im 1. Quartal kletterte der Umsatz auf gut 1 Mrd. Euro und lag damit fast 30 % über dem Vorjahresniveau. Unter dem Strich blieb in den Monaten Januar bis März ein Gewinn von knapp 206 Mio. Euro übrig, und damit mehr als doppelt so viel wie ein Jahr zuvor. Darüber hinaus sicherte sich Sartorius weitere Aufträge für rund 1,1 Mrd. Euro, was allerdings 2 % niedriger war als im Startquartal 2021. Damals hatten vor allem Kunden der Biotechnologie-Sparte wegen der Pandemie außergewöhnlich früh und viel bestellt. Das boomende Biotechnologie-Geschäft des Unternehmens läuft aber größtenteils unter dem Dach der französischen Tochter Sartorius Stedim Biotech, an der die Göttinger rund 74 % halten.

Aber auch der Sartorius-Bereich mit Einweg-Materialien wie Bioreaktoren und Membranbeuteln ist schon seit einigen Jahren weltweit gefragt. Insbesondere weil in der Medizin biologisch hergestellte Medikamente und neue Behandlungsmethoden wie Gen- und Zelltherapien auf dem Vormarsch sind. Dazu liefert die kleinere Laborsparte des Unternehmens unter anderem Pipetten für Coronatests. Die Nachfrage nach unseren Produkten ist in allen Segmenten hoch, sagte gestern der Vorstand. Und trotz gestiegener Kosten für Logistik und Material habe Sartorius seine Ertragsmarge nochmals gesteigert. Jedoch haben sich die Lieferzeiten für Vorprodukte wie Kunststoffgranulate und Silikone verlängert, und auch die Preise sind gestiegen. Allerdings zeigte sich der Manager zuversichtlich, die höheren Kosten über Preiserhöhungen weitergeben zu können. Folglich peilt Sartorius für 2022 weiterhin eine Umsatzsteigerung von 15 bis 19 % an. Vom Erlös sollen etwa 34 % als operative Marge hängen bleiben, nach 34,1 % in Q1. Der Laborausrüster, der zuletzt auch auf eine Eigenkapitalrendite von 18 % kam, erfüllt damit letztlich wichtige Aufnahmekriterien für eine Notierung im deutschen Qualitätsaktien-Index (QIX). Der QIX Deutschland ist ein Aktien-Index, der aus den besten 25 deutschen Aktien gebildet wird. Die 25 Aktien werden nach einem festgelegten und erfolgsbewährtem Regelwerk ausgewählt.

Deutlicher im Minus bei aktuell 95,20 Euro befindet sich im Qualitäts-Index am Freitag auch die SAP-Aktie. Dabei hat der Software- und Datenbank-Spezialist heute ebenfalls respektable Zahlen für das 1. Quartal vorgelegt, und zugleich die angepeilte Expansion der Cloud-Sparte vorangetrieben. Allerdings haben die jüngsten Investitionen in den Ausbau des Cloud-Geschäfts und der Rückzug aus Russland das Ergebnis zum Jahresstart belastet. Der Umsatz bei SAP zog in den ersten 3 Monaten schließlich um beachtliche 11 % auf knapp 7,1 Mrd. Euro an, die Erlöse in der Cloud legten dabei dynamisch um 31 % auf 2,8 Mrd. Euro zu. Jedoch gab die Marge gemessen am Betriebsergebnis um 3,7 % auf 23,7 % nach, was einigen Analysten missfiel. Dabei hatte der Konzernchef schon im Herbst 2020 angekündigt, Wachstum erst einmal über eine höhere Profitabilität bei SAP stellen zu wollen und damit auch die hohen Margenambitionen seines Vorgängers kassiert. Erst 2023 soll bei den Walldorfern das operative Ergebnis wieder zulegen. Der Umsatz mit Cloud-Software soll aber in diesem Jahr um 23 bis 26 % zulegen. Besonders wichtig ist dabei offensichtlich das Tempo bei der Cloud-Version der SAP-Kernsoftware S/4 Hana, denn hier verspricht sich der Vorstand den größten Hebel, um die Geschäfte weiter nach vorn zu bringen.

Im Auftaktquartal belasteten SAP aber nicht nur die gemachten Investitionen in den Ausbau des Cloud-Geschäfts, sondern auch der Rückzug aus dem Geschäft in Russland, nachdem das Land die Ukraine angegriffen hat. Unter dem Strich brach der Gewinn deshalb um 41 % auf 632 Mio. Euro ein. Denn der Software- und IT-Dienstleister hatte Anfang März alle neuen Verkäufe in Belarus und Russland gestoppt. Außerdem wurde damit begonnen, den Cloudbetrieb in Russland einzustellen. Die Belastung für das Betriebsergebnis im abgelaufenen Quartal bezifferte das Management auf 70 Mio. Euro. Beim Produktumsatz aus Lizenzprogrammen, Wartungsverträgen und Cloud-Software rechnet SAP in diesem Jahr aber dennoch mit einem Plus von 4 bis 6 % auf 25 Mrd. bis zu 25,5 Mrd. Euro.

 

Wenn Sie den QIX nachbilden wollen, bietet sich ein Index-Tracker der UBS an.

Hinweis: Da der QIX Deutschland von finanzen.net und der Traderfox GmbH, einer Tochtergesellschaft der finanzen.net GmbH, entwickelt wurde, partizipieren die finanzen.net GmbH und die TraderFox GmbH indirekt oder direkt an der Vermarktung des QIX Deutschland. Dies betrifft u.a. Lizenzeinnahmen von Emissionsbanken und KVGs.

 

 

 

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