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Von Liridona Preniqi
10. April 2024

Die heutigen US-Inflationsdaten drücken am Mittwoch den QIX Deutschland am Nachmittag um 0,7 % ins Minus auf 16.600 Punkte. SAP bestätigt beim KI-getriebenen Konzernumbau weltweit bis zu 8.000 Stellen streichen zu wollen, zugleich sollen bis 2025 rund 2,0 Mrd. Euro an Investitionen das KI-Geschäft beflügeln. Chiphersteller Infineon und Fertigungspartner Amkor wollen ihre Halbleiter-Packaging und -Tests in Europa mit einer engeren Zusammenarbeit forcieren.

Am Mittwoch notiert im Qualitäts-Index nach der jüngsten Rekordrallye die Aktie von SAP leicht im Minus bei 170,70 Euro. Dabei hatte der Softwareentwickler am Wochenende, den im Zuge des laufenden Großumbaus geplanten Stellenabbau bestätigt. In einem Bericht des "Handelsblatts" hieß es diesbezüglich, dass voraussichtlich 2.600 Stellen allein in Deutschland gestrichen werden könnten. Ein Sprecher des Unternehmens äußerte sich am Samstag zwar nicht zu der von der Zeitung genannten Zahl. SAP hatte allerdings im Januar mitgeteilt, das weltweit insgesamt 8.000 Stellen von der laufenden Umstrukturierung betroffen sein dürften. Das Management des Software- und Cloud-Spezialisten ließ aber damals zugleich eine regelrechte KI-Bombe “platzten“. Demnach sollten die Geschäfte von SAP künftig mit Künstlicher Intelligenz (KI) im Rahmen eines Konzernumbaus “gepusht“ werden. SAP hat im Januar ein Restrukturierungsprogramm für das ganze Unternehmen gestartet, um sich auf strategische Wachstumsfelder wie “Business AI“ zu konzentrieren, teilte der Sprecher allerdings am Samstag mit. Diese Restrukturierung betrifft 8.000 Arbeitsplätze. Das Handelsblatt bezog sich in seinem Bericht aber auf eine interne E-Mail des europäischen Betriebsrats von SAP. Darin kritisierte das Gremium den geplanten Großumbau als Maßnahme, die in erster Linie zur Kostensenkung gedacht sei. In der E-Mail hieß es weiter, dass das Management von SAP die geschäftliche Logik nicht ausreichend begründet und keine präzisen Informationen über Ineffizienzen vorgelegt habe. Der Programmname “Next Level Transformation“ sei jedenfalls eine beschönigende Umschreibung für Personalabbau. Für SAP spricht allerdings, dass von Unternehmensseite dabei unter anderem interne Stellenalternativen oder Freiwilligenprogramme anboten werden sollen.



Außerdem sind enge Kooperationen mit den Sozialpartnern in den jeweiligen Regionen geplant. Laut Handelsblatt sollen in den europäischen Ländern, in denen die Walldorfer mit ihren Software-Dienstleistungen aktiv sind, bis zu 4.100 Stellen gekürzt werden. Wie der Sprecher außerdem mitteilte, plant SAP den gesamten Restrukturierungsprozess bis Ende des 1. Quartals 2025 weltweit abzuschließen. Bei der gegenwärtigen Umstellung nimmt SAP offenbar auch rund 2,0 Mrd. Euro in die Hand, um den KI-Bereich deutlich zu stärken. Letztlich sollen die Investitionen in KI und andere Neuerungen bei dem Unternehmen künftig vor allem den Cloudversionen der Software vorbehalten sein. Der Hype um KI hat in der Softwarebranche im vorvergangenen Jahr nach der Veröffentlichung des Chatbots “ChatGPT“, das künstliche Intelligenz einsetzt, einen Boom ausgelöst. Seitdem setzt SAP auf diese technologische Neuentwicklung und steckt dabei viel Geld in den Ausbau unter anderem in den eigenen KI-Assistenten “Joule“. Und mit der nach immer hohen Nettomarge von 17,0 % erfüllt das IT-Unternehmen auch weiterhin wichtige Kriterien für eine Notierung im deutschen Qualitätsaktien-Index (QIX). Der QIX Deutschland ist ein Aktien-Index, der aus den besten 25 deutschen Aktien gebildet wird. Die 25 Aktien werden nach einem festgelegten und erfolgsbewährtem Regelwerk ausgewählt.



Einer der heutigen Tagesgewinner im Qualitäts-Index ist mit 0,5 % die Aktie von Infineon, die damit auf aktuell 33,80 Euro ansteigt. Erst Anfang der Woche hatte der Automobilchipzulieferer bekannt gegeben, die Zusammenarbeit mit dem US-Halbleiterunternehmen Amkor Technology ausweiten zu wollen. Der künftige Partner von Infineon, Amkor, gilt dabei schon länger als führender Anbieter von Halbleiter-Packaging- und Testdienstleistungen. Damit wollen die Münchner zunächst ihre Backend-Fertigung in Europa unterstützen. Betrieben werden soll demnach ein gemeinsames Packaging- und Testzentrum am Standort von Amkor in Porto, Portugal. Laut Infineon werden die Amerikaner dazu ihre Produktionsstätte in Porto ausbauen und den Betrieb der dortigen Produktionslinien verantworten. Der Beginn der Fertigung ist demnach für die 1. Hälfte des Jahres 2025 vorgesehen. Mit dieser langfristigen Vereinbarung vertiefen Infineon und Amkor ihre Partnerschaft und erweitern sie über das klassische “OSAT“ (Outsourced Semiconductor Assembly and Test)-Geschäftsmodell hinaus, teilten beide Unternehmen hierzu mit. Die Zusammenarbeit soll die europäische Halbleiter-Lieferkette stärken und zu mehr Resilienz beitragen, insbesondere für Kunden aus der Automobilindustrie, hieß es außerdem. Vor allem aber kann Infineon mit diesem Schritt seine Produktionsstruktur weiter diversifizieren, die auf eigenen und externen Fertigungskapazitäten basiert. Und in Porto betreibt der deutsche Chiphersteller schon seit 20 Jahren ein großes Service-Center mit mehr als 600 Mitarbeitern.



Anfang März hatte Infineon bereits seine weltweiten Vertriebswege mit den neu geschaffenen Vertriebsbereichen “Automotive“, “Industrial & Infrastructure“ und “Consumer, Computing & Communication“ umstrukturiert. Mit der neuen Struktur will der Industriezulieferer künftig vor allem das Potenzial des eigenen Produktportfolios noch besser ausschöpfen. Die neue Kooperationserweiterung zwischen Infineon und Amkor passt dabei gut ins Bild. Wir freuen uns, unsere Partnerschaft mit Amkor zu vertiefen, und werden unser Know-how im Bereich Technik und Entwicklung einbringen, sagte Anfang der Woche der Infineon-Vorstand, verantwortlich für die weltweiten Backend-Aktivitäten. Dabei ist Amkor Technology ein strategischer Fertigungspartner für zahlreiche Halbleiterunternehmen, Fabriken und Elektronik-OEMs, und bereits seit 1968 am Markt aktiv. Bei Infineon dagegen sind die strukturellen Wachstumstreiber neben dem Automobilsektor auch weiterhin intakt, auch wenn die globale Chip-Nachfrage erst in der 2. Hälfte des laufenden Geschäftsjahres 2023/24 wieder stärker anziehen dürfte.



Wenn Sie den QIX nachbilden wollen, bietet sich ein Index-Tracker der UBS an.

Hinweis: Da der QIX Deutschland von finanzen.net und der Traderfox GmbH, einer Tochtergesellschaft der finanzen.net GmbH, entwickelt wurde, partizipieren die finanzen.net GmbH und die TraderFox GmbH indirekt oder direkt an der Vermarktung des QIX Deutschland. Dies betrifft u.a. Lizenzeinnahmen von Emissionsbanken und KVGs.

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