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Von Liridona Preniqi
22. Juli 2021

Angesichts der mit Spannung erwarteten Entscheidungen der EZB kann sich der QIX Deutschland am Donnerstag stabil in der Gewinnzone behaupten. Am Nachmittag notiert der Index folglich leicht im Plus bei 16.725 Punkten. SAP verzeichnet in Q2 ein starkes Wachstum bei Verträgen des neuen Cloud-Angebots "Rise with SAP", und kündigt weitere EBIT-belastende Investitionen an. Juli-Überschwemmungen im Westen Deutschlands könnten Schätzungen zufolge für die Hannover Rück über den Kosten des August-Hochwassers im Jahr 2002 liegen.

Am heutigen Donnerstag gibt die SAP-Aktie im Qualitäts-Index trotz guten Nachrichten zum Cloud-Geschäft erneut nach, und steht damit bei aktuell 117,80 Euro. Dabei hatte das Management des Software- und IT-Dienstleisters am Mittwoch berichtet, angesichts eines unerwartet robusten 2.Quartals für das Gesamtjahr etwas optimistischer zu sein. Die Erlöse mit Software zur Nutzung über das Netz (Cloud) zogen hierbei erneut kräftig an, und mit den herkömmlichen Softwarelizenzen ging es nicht ganz so stark bergab wie von Analysten gedacht. SAP kämen die Investitionen der Kunden im IT-Bereich und der sich fortsetzende Trend zur Digitalisierung zugute, war beispielsweise vom Frankfurter Börsenpaket zu hören. Verschiedene Experten waren aber mit dem Zahlenwerk auch nicht vollends zufrieden. So sagten Analysten der Investmentbank Barclays etwa, dass die Erwartungen an das Cloud-Geschäft vor der Bekanntgabe der Zahlen bereits gestiegen seien. Dies wiederum könnte aber die jüngsten Kursverluste bei der Aktie erklären. Nach einem ordentlichen Lauf in den ersten 6 Monaten stehen für SAP aber auch weitere Investitionen in Technik und Produkte an, weswegen der Vorstand die Ergebnisprognose nur wohldosiert anhob. Beim 2021er EBIT geht der Softwareanbieter jetzt folglich von einem währungsbereinigten Rückgang um bis zu 4% aus - im besten Fall dürfte es stagnieren. Bisher wurde von Unternehmensseite mit einem Minus von 1 bis 6% gerechnet. Auch bei den Geschäften rund um die Cloud und mit den Produkten insgesamt sind die Walldorfer für das Gesamtjahr etwas besser gestimmt. Die Cloud-Sparte dürfte um 15 bis 18% zulegen, statt wie bisher prognostiziert um 14 bis 18%, gab SAP gestern bekannt.

Da zudem auch die Lizenzen jüngst besser abschnitten als befürchtet, dürfte es bei dem gesamten Produktumsatz jetzt ein Wachstum von 2 bis 3%t geben, ein Prozentpunkt mehr als bisher veranschlagt. Letztlich lagen aber in der Zeit von April bis Juni die Gesamterlöse mit 6,7 Mrd. Euro gut 1% unter dem Vorjahreswert. Ohne Wechselkurseinwirkung hätte der Umsatz aber um 3% zugelegt. Besonders stark wuchsen bei SAP dem Management zufolge zuletzt die Buchungen für die Kernsoftware S4 Hana zur Unternehmenssteuerung. Auch wurde auf das starke Wachstum bei Verträgen des neuen Cloud-Angebots "Rise with SAP" vor allem in den USA hingewiesen. Dank der jetzigen Korrektur liegt das KGV der Aktie jedenfalls wieder bei moderaten 20. Mit einer Eigenkapitalquote von 51% ist das IT-Unternehmen nicht nur finanziell bestens ausgestattet, die solide Eigenkapitalrendite von 17% kann ebenfalls überzeugen. Damit entspricht SAP letztlich auch wichtigen Aufnahmekriterien für eine Notierung im deutschen Qualitätsaktien-Index (QIX). Der QIX Deutschland ist ein Aktien-Index, der aus den besten 25 deutschen Aktien gebildet wird. Die 25 Aktien werden nach einem festgelegten und erfolgsbewährtem Regelwerk ausgewählt.



Auch die Aktie der Hannover Rück kann im Qualitäts-Index am Donnerstag einen Teil seiner Vortagesverluste aufholen, und notiert dabei leicht im Plus bei 142,90 Euro. An dem Unternehmen, das weltweit in sämtlichen Bereichen der Schaden- und Personen-Rückversicherung präsent ist, dürften die zuletzt im Westen Deutschlands entstandenen Versicherungsschäden durch die Flutkatastrophe nicht spurlos vorbeigehen. Immerhin liegen die ersten Schätzungen, was die Schadenshöhe betrifft, dem Branchenverband zufolge bei 4 bis 5 Mrd. Euro. Die Schäden dürften sogar noch über denen des August-Hochwassers im Jahr 2002 von 4,65 Mrd. Euro liegen, sagte der Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) am Mittwoch. Dabei seien die jüngsten Überschwemmungen in Bayern und Sachsen in der Rechnung noch nicht enthalten. Für die Hannover Rück, die weltweit als viertgrößter Rückversicherer vor allem die Risiken von Erstversicherungsgesellschaften absichert, zeichnet sich für Deutschland damit möglicherweise das schadensträchtigste Jahr seit 2002 ab. Dabei könnten auf das Unternehmen zudem auch noch die in diesem Jahr sehr früh und heftig gestartete Hurrikan-Saison bald an anderer Stelle ebenfalls hohe Schadensforderungen zukommen. Zuletzt traf jedenfalls der Tropensturm “Elsa“ mit 120 Stundenkilometern auf die Küste von Florida. Dazu kommen noch die aktuellen Waldbrände durch die Hitzewelle in Kanada, die sich voraussichtlich im 3.Quartal in den Zahlen des Rückversicherers niederschlagen dürften.



Dabei hatte die Hannover Rück erst kürzlich die Belastungen aus der Corona-Pandemie überwunden. Über Lebensversicherungen war das Unternehmen operativ unter anderem von der hohen Sterblichkeit in den USA betroffen. Im vergangenen Jahr war der Gewinn des Versicherers auch um fast ein Drittel auf 883 Mio. Euro eingebrochen. Deshalb hatte sich das Management für das vergangene Jahr auch gegen eine Sonderdividende in Höhe von 1,50 Euro entschieden. Für 2021 könnte sie aber wieder gezahlt werden. Immerhin rechnet der Vorstand der Hannover Rück weiterhin damit, die ambitionierten Ziele im laufenden Geschäftsjahr erreichen zu können. Wenn das Jahr erwartungsgemäß verlaufe und die Kapitalsituation es zulasse, gebe es keinen Grund, warum wir nicht wieder eine Sonderausschüttung zahlen sollten, betonte jüngst der Manager. Zumal bei den Neuverhandlungen der Verträge zum 1.April unerwartete Preiserhöhungen von im Schnitt 5,0% durchgesetzt wurden, das neuverhandelte Prämienvolumen stieg sogar um beachtliche 7,4%. Folglich geht die Hannover Rück für 2021 von einem Anstieg der Bruttobeiträge um bis zu 9% aus.

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