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Von Christina Rothfuß
26. Oktober 2022

Vor dem für Donnerstag erwarteten Zinsentscheid der EZB zeigt der QIX Deutschland am Mittwoch nur leichte Gewinne auf aktuell 13.020 Punkte. SAP verbucht dank Euro-Schwäche und anhaltendem Cloudwachstum einen Umsatzsprung im 3. Quartal von 15 %, und kündigt zudem Rekordwerte für das Schlussquartal an. Hannover Rück erwartet angesichts vieler Großschäden und hoher Inflation in Deutschland ab 2023 bei Kfz- und Gebäudeversicherern Prämienanstiege von 10 bis 15 %.

 

Am Dienstag war im Qualitäts-Index die SAP-Aktie mit einem Plus von über 6 % der absolute Überflieger. Heute werden die Gewinne allerdings konsolidiert, dabei gibt das Papier leicht auf gegenwärtig 96,60 Euro nach. Der Softwarespezialist hat gestützt vom schwachen Euro und dem brummenden Wachstumsgeschäft mit der Cloud das schwierige 3. Quartal überraschend gut überstanden. Wie das Unternehmen gestern bekannt gab, war der Umsatz von Juli bis September gruppenweit um 15 % auf unerwartet hohe 7,84 Mrd. Euro gestiegen. Jedoch kamen zwei Drittel des Zuwachses aus positiven Währungseffekten. Dafür konnte die Cloud-Sparte von SAP, getrieben von der Cloudversion der Kernsoftware S/4 Hana, mit 3,29 Mrd. Euro erneut ein Quartalswachstum von dynamischen 38 % vorweisen. Die einst so einträglichen Softwarelizenzen schnitten dagegen wieder einmal schwächer als erwartet ab. Mit einem Anteil an wiederkehrenden Umsätzen von mehr als 80 % ist klar, dass wir mit unserer Transformation einen wichtigen Wendepunkt erreicht haben, der uns den Weg für weiteres Wachstum in der Zukunft ebnet, sagte gestern der SAP-Chef. Das bislang schon starke Wachstum des Cloud-Geschäfts will der Vorstand in den kommenden Jahren sogar noch weiter ankurbeln. Vor allem auch, um im Markt für Unternehmenssoftware von US-Rivalen wie Salesforce, Oracle und ServiceNow nicht weiter abgehängt zu werden. Mit den Investitionen in Marketing, Produkte und Technik rund um die eigene Cloud-Software hatte SAP zeitweilige Belastungen der Gewinne in Kauf genommen, um später schneller zu wachsen.

2023 soll das operative Ergebnis prozentual wieder zweistellig zulegen, und auch das laufende 4. Quartal dürfte besser aussehen als die bisherigen Zahlen, betonte der Manager und kündigte zugleich in einigen SAP-Bereichen Rekordwerte für das Schlussquartal an. Dem Software- und Cloudanbieter machen derzeit zwar die anziehenden US-Zinsen und der mögliche Wirtschaftsabschwung in Europa zu schaffen. An den Umsatz- und Ergebnisprognosen für 2022 hält SAP aber dennoch fest. Auch die Kosten durch die Geschäftsaufgabe in Russland wegen des Ukraine-Kriegs fielen im jüngsten Quartal mit rund 20 Mio. Euro deutlich geringer aus. Vor 3 Monaten hatte das Management noch 50 Mio. Euro mehr einkalkuliert. Allerdings wird sich der russische Ausstieg von SAP wegen rechtlicher Anforderungen gegenüber Kunden und Beschäftigten noch weiter hinziehen und nicht wie geplant bis Jahresende vollzogen sein. Das aktuelle KGV der Aktie liegt jedenfalls weiter bei moderaten 18. Und mit der Eigenkapitalquote von 51 % entspricht der IT-Dienstleister zudem auch wichtigen Kriterien für eine Notierung im deutschen Qualitätsaktien-Index (QIX). Der QIX Deutschland ist ein Aktien-Index, der aus den besten 25 deutschen Aktien gebildet wird. Die 25 Aktien werden nach einem festgelegten und erfolgsbewährtem Regelwerk ausgewählt.

In den vergangenen Monaten präsentierte sich im Qualitäts-Index die Aktie der Hannover Rück ziemlich robust. Am Mittwoch zieht sie auch erneut um 1,4 % auf 162,90 Euro an. Der Rückversicherer hatte Anfang der Woche angekündigt, wegen zahlreicher Großschäden und der hohen Inflation in Deutschland deutlich an der Preisschraube drehen zu wollen. Dies dürften vor allem Autofahrer, Hauseigentümer und Mieter ab dem Jahreswechsel zu spüren bekommen. So müssten die deutschen Kfz-Versicherer ihre Prämien wegen zunehmender Schadensfälle und immer teurerer Reparaturen im Schnitt um mindestens 10 % anheben, sagte der Chef der Hannover Rück-Tochter E+S Rück am Montag beim Branchentreffen in Baden-Baden. Ansonsten drohten der Branche rote Zahlen. In der privaten Gebäudeversicherung geht der Deutschlandchef des Versicherers sogar von Erhöhungen von etwa 15 % aus. In der Hausratversicherung habe er bei einzelnen Erstversicherern sogar Erhöhungen von bis zu 25 % gesehen, so der Manager. Dabei gilt die Tochter der Hannover Rück, die E+S Rück, als größter Kfz-Rückversicherer in Deutschland, und hat deshalb auch einen besonders guten Einblick in die Tarifgestaltung von Erstversicherern wie Huk Coburg und Allianz. Ohne kräftige Tarifanpassungen dürften die Aufwendungen für Schäden, Verwaltung und Vertrieb die Prämieneinnahmen der Branche im Kfz-Geschäft im kommenden Jahr deutlich übersteigen, schätzte am Montag der Vorstand der Hannover Rück.

Während die Zahl der Schäden von Januar bis August im Vergleich zum Vorjahr um 1,8 % gewachsen sei, hätten die Schadenzahlungen insgesamt um 8,8 % zugelegt. Im kommenden Jahr dürften die durchschnittlichen Schäden in der Kfz-Haftpflicht noch einmal um mindestens 5 % höher werden, prognostizierte der Hannover Rück-Manager. Dass Kfz-Schäden für die Versicherer teurer werden, liegt aber nicht nur an deutlich gestiegenen Preisen für Ersatzteile und Reparaturen, sondern auch an den weiter angespannten Lieferketten in der Autobranche. Auch die Naturkatastrophen der vergangenen anderthalb Jahre werden nach Ansicht der Hannover Rück Folgen für die Versicherungstarife in Deutschland haben, etwa in der Wohngebäudeversicherung. So zeigten die Stürme, Dürren und Waldbrände in diesem Jahr, dass Naturkatastrophen in Europa zunehmen, sagte der Deutschlandchef des Rückversicherers. Auch die allgemeinen Baukosten seien deutlich gestiegen. All dies würde weitere Preiserhöhungen sowohl in der Erst- als auch in der Rückversicherung unverzichtbar machen.

 

Wenn Sie den QIX nachbilden wollen, bietet sich ein Index-Tracker der UBS an.

Hinweis: Da der QIX Deutschland von finanzen.net und der Traderfox GmbH, einer Tochtergesellschaft der finanzen.net GmbH, entwickelt wurde, partizipieren die finanzen.net GmbH und die TraderFox GmbH indirekt oder direkt an der Vermarktung des QIX Deutschland. Dies betrifft u.a. Lizenzeinnahmen von Emissionsbanken und KVGs.

 

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