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Von Christina Rothfuß
25. Januar 2024

Die heutige Zinsentscheidung der EZB bremst am Donnerstag den QIX Deutschland aus. Demnach steht er am Nachmittag mit 0,2 % im Minus bei 16.140 Punkten. SAP will mit Großumbau und 2,0 Mrd. Euro an Investitionen das KI-Geschäft vor allem bei Cloudangeboten bis 2025 anschieben, was die Aktie auf Rekordstand treibt. IT-Berater Bechtle verspricht sich durch die Bündelung von 4 auf “Product Lifecycle Management“ spezialisierten Töchtern eine deutliche Wachstumsbeschleunigung.

Die am Mittwoch veröffentlichten Jahreszahlen und die Umstrukturierungspläne haben die SAP-Aktie im Qualitäts-Index gestern mit über 6,0 % Plus deutlich beflügeln können. Am Donnerstag liegt sie auch wieder leicht im Plus bei 161,70 Euro. Dabei der Softwareentwickler gestern angekündigt, die Geschäfte mit Künstlicher Intelligenz (KI) im Rahmen eines Großumbaus pushen zu wollen. Zudem konnte auch der Finanzbericht für 2023 überzeugen, was Investoren ebenfalls in die Aktie trieb. Schließlich steigerte SAP seine Jahreseinnahmen um solide 6,0 % auf 31,2 Mrd. Euro. Im Schlussquartal half dabei gerade auch das lukrative Lizenzgeschäft, das deutlich weniger abfiel als erwartet. Der Gewinn des IT-Unternehmens stieg in den letzten 12 Monaten mit 5,9 Mrd. Euro sogar um mehr als das Dreifache. Allerdings war bei SAP vor allem der milliardenschwere Sonderertrag aus dem Verkauf der ehemaligen US-Marktforschungstochter Qualtrics dafür verantwortlich. Das SAP-Management ließ gestern aber eine regelrechte KI-Bombe “platzten“. Zwar hatte der Software- und Cloudspezialist im vergangenen Jahr bereits eigene Produkte wie den KI-Assistenten “Joule“ vorgestellt, der typische Aufgaben in Unternehmen erleichtern soll. Nun nimmt der Chef aber offenbar noch einmal rund 2,0 Mrd. Euro in die Hand, um bei SAP den Bereich mit KI deutlich zu stärken. Letztlich sollen die Investitionen in KI und andere Neuerungen bei dem Unternehmen künftig den Cloudversionen der Software vorbehalten sein. Die Wartung von bestimmten Lizenz-Produkten fest installierter Software läuft dagegen bei SAP in den nächsten Jahren aus. So will der Vorstand den Kunden die Cloudangebote des IT-Dienstleisters schmackhaft machen. Bis 2025 will er mit dem Bereich mehr als 21,5 Mrd. Euro an Umsatz erreichen. Vergangenes Jahr erzielte die Sparte auch erneut ein Plus von beachtlichen 20,0 % auf 13,7 Mrd. Euro.

Mit dem geplanten Transformationsprogramm verlagern wir verstärkt Investitionen in strategische Wachstumsbereiche, in erster Linie in KI, kommentierte der Manager von SAP gestern die Pläne. Teil des Umbauprogramms sei auch ein Umbau der Struktur des Konzerns. SAP will bei den meisten der rund 8.000 betroffenen Stellenstreichungen zunächst Freiwilligen-Programme und interne Umschulungen nutzen. Die geplante Umstellung sorgt bei dem Software- und Datenbankentwickler auch für ein niedrigeres operatives 2025er-Ergebnis, das sich jetzt auf rund 10,0 Mrd. Euro beläuft, nach zuvor 11,5 Mrd. Euro. Bei SAP bleiben aber vor allem die Cloudprodukte die wichtigsten Wachstumsträger. Sie gelten als ertragreicher, weil die Kunden mit der Laufzeit mehr zahlen als mit dem früher üblichen Paket aus Lizenzsoftware gegen eine hohe Einmalgebühr. In der Cloud-Sparte sollen die hereingeholten Abonnements SAP künftig mehr Schub liefern. Gestern hat der Vorstand jedenfalls den Vertriebsteams für den Bereich auch ein Erlösplus für 2024 von 24,0 bis 27,0 % als Ziellatte vorgegeben. Und mit der Nettomarge von zuletzt 17,0 % erfüllt die SAP-Aktie auch weiterhin wichtige Kriterien für eine Notierung im deutschen Qualitätsaktien-Index (QIX). Der QIX Deutschland ist ein Aktien-Index, der aus den besten 25 deutschen Aktien gebildet wird. Die 25 Aktien werden nach einem festgelegten und erfolgsbewährtem Regelwerk ausgewählt.

Ebenfalls deutliche Kurszuwächse konnte in den letzten Wochen im Qualitäts-Index die Aktie von Bechtle hinlegen. Am Donnerstag liegt sie aber erst mal leicht im Minus bei 48,50 Euro. Zuletzt hatte der IT-Systemberater sein europaweites “Product Lifecycle Management“-Geschäft mit einer Neugründung gestärkt. Dabei wurden von dem Unternehmen die Kompetenzen von bisher 4 auf Product Lifecycle Management (PLM) spezialisierten Gesellschaften zum 1. Januar unter der gemeinsamen Marke “Bechtle“ gebündelt. Damit wurde aus den Einzelfirmen Coffee, DPS Software, Solidline und Solidpro die Bechtle PLM Deutschland GmbH gegründet. Bechtle verspricht sich von den hieraus entstehenden Synergien eine deutliche Wachstumsbeschleunigung. Bisher umfasste das Portfolio rund um PLM-Lösungen und -Dienstleistungen die Komponenten CAD/CAM und Produktdatenmanagement sowie Digitaler Zwilling und Smart Factory. Dazu kommen noch die Bereiche rund um Augmented und Virtual Reality, Digitale Fertigung, Industrial Internet of Things sowie 3D-Druck. Die schon länger zur Bechtle Gruppe gehörenden 4 PLM-Töchter betreuten zuletzt mit über 600 Mitarbeitern an mehr als 40 deutschen Standorten rund 25.000 Kunden, überwiegend aus der Fertigungsindustrie. Damit zählen sie zu den größten Spezialisten für PLM-Lösungen in Europa.

Bechtle will mit der Neugründung seine Kräfte vor allem in Deutschland unter einem gemeinsamem Markenauftritt bündeln. Wir wollen die in den zurückliegenden Jahren herausragende Geschäftsentwicklung im Bereich PLM nutzen, um weiter deutlich zu wachsen, und zwar in unseren klassischen und in neuen Geschäftsfeldern, betonte der Bechtle-Vorstand, verantwortlich für die Bereiche PLM/Engineering & Manufacturing. Mit dem Zusammenschluss plant Bechtle künftig zahlreiche Synergien, insbesondere bei der Vermarktung gemeinsamer Lösungen, der Kundenansprache und in der Zusammenarbeit mit den Herstellerpartnern. Durch die bisherigen Einzelgesellschaften verfügt Bechtle PLM letztlich über langjährige Verbindungen zu wichtigsten Herstellern der Branche, darunter Dassault Systèmes, 3D Systems oder auch HP.

 

Wenn Sie den QIX nachbilden wollen, bietet sich ein Index-Tracker der UBS an.

Hinweis: Da der QIX Deutschland von finanzen.net und der TraderFox GmbH, einer Tochtergesellschaft der finanzen.net GmbH, entwickelt wurde, partizipieren die finanzen.net GmbH und die TraderFox GmbH indirekt oder direkt an der Vermarktung des QIX Deutschland. Dies betrifft u. a. Lizenzeinnahmen von Emissionsbanken und KVGs.

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