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Von Christina Rothfuß
05. Dezember 2023

Am Dienstag drücken die schwachen Vorgaben aus Asien beim QIX Deutschland auf die Stimmung. Dennoch liegt der Index am Nachmittag mit 0,3 % im Plus bei 15.990 Punkten. Gastronomie-Zulieferer RATIONAL will im Frühjahr ein neues Speisezubereitungs-Gerät vorstellen, das vor allem auf Fast Food-Ketten wie McDonalds und Subway zugeschnitten sein dürfte. Chemikalienhändler Brenntag will seine beiden Sparten “Essentials“ und “Specialties“ bis 2026 eigenständig aufstellen und danach verschiedene Optionen prüfen.



Einen guten Lauf hat derzeit im Qualitäts-Index die Aktie von RATIONAL, die am Dienstag auch erneut um 1,5 % auf 604,50 Euro zulegen kann. Dabei profitierte der innovative Küchenausrüster zuletzt auch von einer Kaufempfehlung durch die Analysten von Hauck Aufhäuser Investment Banking. So lobten die Experten vor allem den jüngst von RATIONAL abgehaltenen Kapitalmarkttag. Es sei einmal mehr gelungen zu zeigen, welchen Mehrwert die branchenbeste Technologie für die Kunden bedeutet. Eine Neuentwicklung, die im Frühjahr vorgestellt werden solle, könne ein "Gamechanger" werden, so die Hauck-Aufhäuser-Analysten. Das Gerät nutze einen Mix aus Dampf, heißer Luft und Mikrowellentechnik, um Essen in großen Mengen schneller denn je zuzubereiten. Den Bank-Experten zufolge kommen damit bei RATIONAL mit McDonalds, Subway, Starbucks oder KFC mögliche Kunden ins Spiel, die weltweit rund 140.000 Läden betreiben und für einen zusätzlichen Jahresumsatz von rund 140,0 Mio. Euro sorgen könnten. Die globale Nachfrage nach den von dem Unternehmen angebotenen Geräten wie iCombi“ und “iVario“ für die Speisezubereitung in Profiküchen bleibt zugleich ungebrochen hoch. Im 3. Quartal gelang es RATIONAL folglich erneut das dicke und durch Lieferengpässe angeschwollene Auftragsbuch abzuarbeiten, der Effekt flacht sich aber ab. Schon im letzten Jahr hatten dem Gastronomie-Zulieferer die Beschaffungsschwierigkeiten von Bauteilen im Zuge des Ukraine-Kriegs sowie die immer neuen Corona-Lockdowns in China zu schaffen gemacht.



Aber ausgerechnet die Probleme bei der Personalgewinnung könnte in diesem Jahr RATIONAL`s Profitabilität etwas ausbremsen. 2022 lag die EBIT-Marge jedenfalls bei starken 23,2 %, nach 9 Monaten des laufenden Jahres sogar bei 24,2 %. Dank des Geschäftswachstums rund um Dampfgarer sowie kombinierte Koch-, Brat- und Frittier-Anlagen erhöhte sich bereits in Q2 bei RATIONAL die Anzahl der weltweiten Angestellten um 6,0 %. Mittlerweile sind für den Restaurant- und Kantinenausrüster sogar mehr als 2.500 Mitarbeiter tätig. Bei der Personalsuche kommt das Unternehmen allerdings nicht so schnell voran wie gewünscht. Und um das Wachstum anzutreiben, wird auch weiter Geld in den Geschäftsausbau gesteckt. Allerdings hat RATIONAL gegenwärtig auch Qualitätsprobleme, die zu Projektverzögerungen führen. Im Sommer wurden aber besonders in Nordamerika die Vertriebsaktivitäten sowie das Servicenetz deutlich ausgebaut, was den Vorteil hat, dass immer mehr Großküchenbetreiber im Flächengeschäft erreicht werden. Und trotz Normalisierung des Bestellverhaltens in Q3 dürften die 2023er-Erlöse bei RATIONAL um einen hohen einstelligen Prozentbereich zulegen. Die Umsatz-Marge soll indes leicht unter dem Vorjahrwert liegen, was aber immer noch ein Spitzenwert wäre.



Der QIX Deutschland ist ein Aktien-Index, der aus den besten 25 deutschen Aktien gebildet wird. Die 25 Aktien werden nach einem festgelegten und erfolgsbewährtem Regelwerk ausgewählt. Die im Index enthaltenen Unternehmen zeichnen sich durch hohe Gewinnspannen und Kapitalrenditen sowie stabile Wachstumsraten und solide Bilanzen aus. Auch Value-Kriterien wie Dividendenrendite, niedrige Kurs-Gewinn- und Kurs-Umsatz-Verhältnisse werden einbezogen.



Leichte Kursabschläge zeigt im Qualitäts-Index heute dagegen die Brenntag-Aktie, die mit aktuell 77,30 Euro aber fast noch immer auf Jahreshoch notiert. Dabei will der Chemikalien-Vertriebsspezialist die Entflechtung seiner beiden Sparten vorantreiben. Die Geschäfte mit Prozesschemikalien (Essentials) sowie mit Spezialitäten für bestimmte Branchen (Specialties) sollen bis 2026 eigenständig aufgestellt werden. Dies gab der Vorstand heute auf dem in London stattfindenden Kapitalmarkttag bekannt. Danach sollen bei Brenntag verschiedene strategische Optionen geprüft werden. Ob es letztlich zu einer Aufspaltung kommen wird, ist folglich noch offen. Die beiden Bereiche seien noch stark miteinander verbunden, sowohl rechtlich als auch operativ, sagte der Brenntag-Chef heute in einer Telefonkonferenz. Daher benötige die Entflechtung Zeit. 2026 wolle die Unternehmensgruppe dann die nächsten strategischen Schritte gehen. Brenntag war zuletzt ins Visier aktivistischer Investoren geraten. Dabei machte vor allem der britische Finanzinvestor Primestone auf sich aufmerksam, der allerdings nur gut 2,0 % der Aktien hält. Primestone wie auch dem US-Hedgefonds Engine Capital geht es letztlich darum, dass sich Brenntag in die beiden Sparten für Spezial- und Basischemikalien aufspaltet und die Töchter danach separat an die Börse gebracht werden. Ab Anfang 2024 sollen für beide Bereiche aber zunächst eigene gesellschaftsrechtliche Strukturen geschaffen werden. Hierbei kommt es auch zu einer Umschichtung im Brenntag-Portfolio.



So sollen die Pharmaaktivitäten von Essentials auf Specialties übertragen werden. Im Gegenzug wandern einige Geschäfte vom Spezialitätenbereich zur Prozesschemiekalien-Sparte auf die dann künftig 70,0 % des Rohertrags entfallen soll. Brenntag erhofft sich durch die Verschiebungen eine Schärfung der Profile beider Segmente, insbesondere mit Blick auf die spezifischen Kunden- und Lieferantenbedürfnisse. Zudem erwartet der Chemikalienhändler hierdurch deutliche Effizienzsteigerungen und Einsparungen bei den Verwaltungskosten, den Ausgaben sowie in der Lieferkette. Zum 3. Quartal hatte das Management bei Brenntag weitere Sparmaßnahmen eingeleitet und angekündigt, 25 Standorte schließen und die Zahl der Mitarbeiter um 300 reduzieren zu wollen. Bis 2027 will das Unternehmen auf Jahressicht damit bis zu 300,0 Mio. Euro einsparen. Inklusive der Aufwendungen für die Entflechtung der beiden Geschäftsbereiche rechnet Brenntag mit Gesamtkosten von 450,0 bis 650,0 Mio. Euro, die bis dahin anfallen dürften. Fundamental gesehen sind die Anteilsscheine demnach mit dem 17-er KGV auch noch nicht unbedingt teuer.

Wenn Sie den QIX nachbilden wollen, bietet sich ein Index-Tracker der UBS an.

Hinweis: Da der QIX Deutschland von finanzen.net und der TraderFox GmbH, einer Tochtergesellschaft der finanzen.net GmbH, entwickelt wurde, partizipieren die finanzen.net GmbH und die TraderFox GmbH indirekt oder direkt an der Vermarktung des QIX Deutschland. Dies betrifft u. a. Lizenzeinnahmen von Emissionsbanken und KVGs.

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