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Von Christina Rothfuß
16. Januar 2023

Die Hoffnung auf ein baldiges Ende des Zinserhöhungszyklus durch die Notenbanken hellt die Stimmung beim QIX Deutschland am Montag erneut auf. Folglich liegt der Index am Nachmittag leicht im Plus bei 14.775 Punkten. Küchenausrüster RATIONAL erreicht nach vorläufigen Zahlen für 2022 dank entspannter Lieferketten über 30 % Wachstum und übertrifft die Margenziele. Kunststoff-Produzent Covestro kommt im letzten Jahr auf einen Umsatzrekordwert von 18 Mrd. Euro, Abschreibungen und hohe Kosten führen aber zu einem Verlust.

 

Einer der Top-Werte im Qualitäts-Index war mit starken Zugewinnen von zeitweise über 4 % am vergangenen Donnerstag die Aktie von RATIONAL. Am Montag gibt sie aber erst mal um 1,7 % auf 622,00 Euro nach. Die Papiere des Küchenausrüsters profitierten dabei in erster Linie von der Meldung, dass gute Geschäfte vor Jahresende geholfen haben, die ambitionierten 2022er-Ziele des Unternehmens zu erreichen. Die vorläufigen Jahreszahlen überträfen die Prognose des Managements bei Umsatz und Gewinn, teilte RATIONAL am Donnerstag überraschend mit. Darüber hinaus konnte der Gerätehersteller mit seinen Combi-Dämpfern und multi-funktionalen Kochsystemen zum Jahresende auch seine hohen Auftragsbestände abbauen. Dabei halfen vor allem die zuletzt nachlassenden Lieferengpässe bei Elektronikbauteilen. Neben den sukzessiv abgebauten Bestellungen erhielt das Unternehmen im vergangenen Jahr zudem auch Rückenwind von Währungseffekten und Preiserhöhungen. Dadurch zeichnete sich bei RATIONAL schon für das 3. Quartal ein Umsatz auf Rekordniveau ab. Vorläufigen Daten zufolge setzte der Großküchenzulieferer im Gesamtjahr mit einer Steigerung von mehr als 30 % im Vergleich zu 2021 erstmals über 1,0 Mrd. Euro um, was einem neuen Höchstwert entsprechen würde. Das Management hatte hier bis zuletzt nur mit einem Wachstum von maximal 28 % gerechnet. Dabei stand RATIONAL in den vergangenen Monaten vor einem Dilemma.

Nach der Pandemie bestellten die Kunden wie Schnellrestaurants oder auch Großküchen zwar wieder mehr, doch konnten die Aufträge wegen fehlender Teile nicht zügig abgearbeitet werden. Die globale Nachfrage nach den von dem Unternehmen angebotenen Geräten für die thermische Speisezubereitung in Profiküchen war also weiterhin hoch. Zwischenzeitlich kletterte das Orderbuch sogar auf ein Rekordniveau. Seit Beginn des Jahres 2022 machten RATIONAL aber die Versorgungsengpässe im Zuge des Ukraine-Kriegs und immer neuer Corona-Lockdowns in China zu schaffen. Die Verkäufe in Nordamerika dagegen brummten im Jahr 2022 nach wie vor. Die amerikanischen Märkte hätten sich mit überproportionalen Wachstumsraten von fast 60 % besonders positiv entwickelt, hieß es. In Asien erreichte der Gastronomie-Dienstleister der Mitteilung zufolge lediglich das Vorjahresniveau, wegen der schwierigen Corona-Politik in China. Vom Gesamtumsatz blieb laut RATIONAL vor Zinsen und Steuern (EBIT) ebenfalls ein Rekordwert von 235 Mio. Euro und damit fast die Hälfte mehr als ein Jahr zuvor. Die entsprechende Marge betrug dabei rund 23 %, und lag damit auch leicht über der avisierten 22,5 %-Marke. Endgültige Zahlen will das Unternehmen dann am 28. März vorlegen.

Der QIX Deutschland ist ein Aktien-Index, der aus den besten 25 deutschen Aktien gebildet wird. Die 25 Aktien werden nach einem festgelegten und erfolgsbewährtem Regelwerk ausgewählt. Die im Index enthaltenen Unternehmen zeichnen sich durch hohe Gewinnspannen und Kapitalrenditen sowie stabile Wachstumsraten und solide Bilanzen aus. Auch Value-Kriterien wie Dividendenrendite, niedrige Kurs-Gewinn- und Kurs-Umsatz-Verhältnisse werden einbezogen.

Sehr robust zeigt sich am Montag im Qualitäts-Index dagegen die Covestro-Aktie, die dabei um 2,0 % auf gegenwärtig 41,20 Euro anzieht und damit ihr bisheriges Jahreshoch im Blickfeld hat. Die aktuelle Stärke wird gestützt von dem am Freitag vorgelegten 2022er-Zahlenwerk. Zwar haben hohe Abschreibungen den Kunststoffproduzenten im letzten Jahr dabei überraschend in die roten Zahlen gerissen. Im Tagesgeschäft hingegen konnte Covestro ungeachtet zahlreicher Herausforderungen aber den höchsten Umsatz der bisherigen Unternehmensgeschichte erzielen. Unter dem Strich steht nach vorläufigen Zahlen aber ein Verlust von etwa 300 Mio. Euro in den Büchern, da das Management Abschreibungen auf Anlagevermögen in Höhe von 470 Mio. und Wertberichtigungen von Steuerforderungen von 250 Mio. Euro vornahm. Die Geschäftsentwicklung von Covestro im vergangenen Jahr wurde deutlich von den drastisch gestiegenen Energie- und Rohstoffkosten, der hohen Inflation und einer sich abschwächenden Weltwirtschaft beeinflusst, sagte der Vorstand laut Mitteilung. Neben hohen Energie- und Rohstoffpreisen bekam der Hersteller von Hightech-Polymerwerkstoffen zuletzt aber auch eine schwächere Nachfrage aus der Automobilbranche zu spüren, für die Covestro unter anderem Hartschaumstoffe produziert. Aber trotz aller Probleme steigerte das Unternehmen seine Einnahmen im Vergleich zum Vorjahr den Angaben zufolge um rund 13 % auf den Rekordwert von knapp 18 Mrd. Euro. Dennoch wurden damit aber die durchschnittlichen Analystenprognosen knapp verfehlt.

Und auch der für 2022 vorgelegte operative Gewinn (EBITDA) von gut 1,6 Mrd. Euro fiel bei Covestro nur halb so hoch aus wie im außergewöhnlich guten Vorjahr. Die Leverkusener übertrafen allerdings mit etwa 130 Mio. Euro beim freien Barmittelzufluss den Angaben zufolge sowohl das Ziel des Vorstands als auch die Erwartungen von Experten. Letztlich wertete der Finanzchef von Covestro diese Entwicklung und den Rekordumsatz aber als positives Zeichen. Die Bilanz des Konzerns sei sehr solide aufgestellt und der Konzern damit auch für eine längere Konjunkturschwäche gewappnet, betonte der Manager. Die Covestro-Aktie bleibt jedenfalls trotz jüngster Erholung mit einem KGV von 9 auf dem aktuellen Niveau weiterhin deutlich unterbewertet. Insgesamt aber hoffen Anleger darauf, dass der Kunststoff-Spezialist nun das Schlimmste erst einmal hinter sich hat. Der vollständige Geschäftsbericht von Covestro soll dann am 2. März veröffentlicht werden.  

 

Wenn Sie den QIX nachbilden wollen, bietet sich ein Index-Tracker der UBS an.

Hinweis: Da der QIX Deutschland von finanzen.net und der Traderfox GmbH, einer Tochtergesellschaft der finanzen.net GmbH, entwickelt wurde, partizipieren die finanzen.net GmbH und die TraderFox GmbH indirekt oder direkt an der Vermarktung des QIX Deutschland. Dies betrifft u.a. Lizenzeinnahmen von Emissionsbanken und KVGs.

 

 

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