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Von TraderFox
20. September 2021

Überraschend schwache Vorgaben von den Überseebörsen drücken den QIX Deutschland am Montag kräftig ins Minus. Am Nachmittag gibt der Index folglich um 1,9% nach auf 17.200 Punkte. Baudienstleister Nemetschek erwartet nach starken Q2-Zahlen für 2021 ein besseres Marktumfeld und sogar eine auf 30 bis 32% steigende Umsatzmarge. Störungen der derzeit weltweiten Lieferketten will Adidas mit genügend operativen Hebeln zügig abfedern.

Angesichts vielversprechender Perspektiven zählte die Nemetschek-Aktie seit Mitte März zu den absoluten Higflyern im Qualitäts-Index. Auch am Montag zeigt sie sich robust und notiert nur leicht im Minus bei 85,40 Euro. Letztlich ist der Bausoftware-Anbieter ein Nutznießer des anhaltenden Baubooms, der zuletzt angefacht von niedrigen Zinsen und Konjunkturhilfen vieler Regierungen nochmal an Dynamik gewonnen hat. Das Unternehmen entwickelt und vertreibt dabei vor allem Software-Produkte für den kompletten Lebenszyklus von Bau- und Infrastrukturprojekten. Die digitalen Anwendungen helfen somit Architekten oder Bauingenieuren beim Entwerfen, Planen, Bauen und Betreiben von Gebäuden. Und das beständige Wachstum der Vergangenheit hat bei der Aktie sogar zu einer Verzehnfachung innerhalb der letzten Jahre geführt. Nemetschek arbeitet derzeit auch daran, die verschiedenen Marken und Tochterunternehmen in den 4 Sparten stärker zu bündeln. Damit soll insbesondere die Komplexität der einzelnen Produktreihen vereinfacht und Kosten eingespart werden. Im 2.Quartal schafften die Münchner mit ihren CAD-Software- und Lizenzanwendungen getrieben von Abo-Erlösen und weitreichenden Cloud-Angeboten immerhin ein Umsatzplus von 17% auf 165,9 Mio. Euro. Bei rund der Hälfte handelte es sich sogar um wiederkehrende Umsätze durch neue Software-Updates und margenstarke Beratungsleistungen.

Zudem erweitert Nemetschek seine Services beständig und hatte zuletzt in mehrere Start-ups zur Steigerung der Effizienz im Bauprozess und zur KI-basierten Qualitätskontrolle auf Baustellen investiert. Auch dürfte das Unternehmen von den milliardenschweren US-Konjunkturprogrammen zur Modernisierung der maroden Infrastruktur profitieren. Immerhin werden fast 34 % der Gesamterlöse inzwischen in den USA erzielt. Fürs 2021 erwartet der Immobilien-Dienstleister jedenfalls ein Umsatzwachstum von 12 bis 14%. Die operative Marge soll sich zwischen 30 und 32% einpendeln. Mit einem 2022er-KGV von fast 70 ist die Nemetschek-Aktie aber inzwischen doch ziemlich hoch bewertet. Bei dieser Prämie erwerben Investoren aber ein Unternehmen, das in seinem Segment mit einem Marktanteil von 10% zu den weltweit führenden Firmen zählt, das dabei zuletzt sogar eine beachtliche Eigenkapitalrendite von 24% erzielte. Die Papiere entsprechen damit auch wichtigen Aufnahmekriterien für eine Notierung im deutschen Qualitätsaktien-Index (QIX). Der QIX Deutschland ist ein Aktien-Index, der aus den besten 25 deutschen Aktien gebildet wird. Die 25 Aktien werden nach einem festgelegten und erfolgsbewährtem Regelwerk ausgewählt.

Leichte Abgaben auf aktuell 278,30 Euro zeigt am Montag im Qualitäts-Index auch die Aktie von Adidas. Entscheidend für den schon zuletzt gesehenen Kursrückgang waren vor allem Sorgen der Anleger, dass der Sportartikelhersteller der an sich robusten Kundennachfrage wegen Störungen in der Lieferkette nicht gerecht werden könnte. Die weltweiten Lieferketten belastet derzeit aber nicht nur Modelabels und Textilfirmen, sondern auch die gesamte Luxusgüterbranche. Adidas konnte zuletzt aber trotz widriger Corona-Umstände und bestehender Logistikprobleme überraschend starke Erholungszahlen vermelden. Auch waren die Herzogenauracher operativ in den USA wieder besser vorangekommen als zunächst befürchtet. Das Mode- und Lifestyle-Unternehmen hat derzeit aber insbesondere mit Produktionsausfällen in Fabriken in Vietnam zu kämpfen, die wegen Virus-Infektionen vorübergehend geschlossen wurden. Analysten verweisen zudem auf die jüngst gemachten Aussagen der EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, die zusätzliche Verunsicherung mit sich bringt. Denn Von der Leyen sprach in ihrer Rede zur Lage der EU von Plänen für ein EU-weites Verbot für Produkte aus Zwangsarbeit. Dies könnte gerade Unternehmen der Modebranche treffen, deren Zulieferer in asiatischen Fabriken unter schlechten Bedingungen arbeiten.

Adidas selbst hatte zuletzt aber immer wieder betont, über genügend Hebel zu verfügen, über die die Auswirkungen der derzeitigen Lieferengpässe wegen Produktionsproblemen am wichtigen Standort Vietnam und gestiegener Frachtkosten gemildert werden könnten. Somit könnten die gegenwärtigen operativen Probleme in 1 bis 2 Quartalen durchaus wieder gelöst sein. Mittelfristig dürfte der Sportartikelproduzent dann durch die weitere Normalisierung des Kerngeschäfts neben alten Kennzahlen auch wieder die hohe Profitabilität aus Vor-Covid-19-Zeiten anpeilen. Bis Anfang 2020 lag die operative Marge bei Adidas jedenfalls bei soliden 12%, und auch die Eigenkapitalrendite von 29% war damals ein beachtlicher Spitzenwert.

 

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