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Von Christina Rothfuß
05. September 2023
Erneut enttäuschende Konjunkturdaten aus China bremsen die weitere Erholung beim QIX Deutschland am Dienstag aus. Demnach liegt er am Nachmittag bei unverändert 15.465 Punkten. Mercks solide Pharmasparte kann die jüngste Q2-Schwäche im Labor- und Halbleiterbereich nur begrenzt ausgleichen, 2023 dürfte für das Unternehmen allerdings nur ein Übergangsjahr sein. Milliardär Kühne verdoppelt seinen Anteil an Brenntag und unterstützt die Unternehmensführung bei der Neuausrichtung des Vorstands.

Am Montag gehörte im Qualitäts-Index die Aktie von Merck mit einem Plus von fast 2,0 % mit zu den besten Performern. Am Dienstag notiert sie erneut mit 1,6 % im Plus bei 169,90 Euro. Dabei erklärte die Chefin des Pharma- und Halbleiterspezialisten zuletzt, dass 2023 ein Übergangsjahr für das Unternehmen bleibe. Zudem zeigte sich die Managerin weiter zuversichtlich, das mittelfristige Wachstumsziel von 25 Mrd. Euro Umsatz bis 2025 erreichen zu können. Zwar kämpft Merck nach dem Corona-Boom noch immer mit dem Nachfragerückgang in der Laborsparte, dafür waren aber die erneuten Zuwächse im Arzneiverkauf im 2. Quartal ein wichtiger Wachstumstreiber. Dennoch sank der gruppenweite Umsatz in den letzten 3 Monaten um 5 % auf 5,3 Mrd. Euro. Zugleich belasteten zuletzt der starke US-Dollar und der schwache chinesische Renminbi. Mit dem Laborzuliefergeschäft musste Merck sogar einen Umsatzrückgang zum Vorjahr um gut 11 % verkraften. Das Management setzt bei der Sparte inzwischen auch auf eine bessere Nachfrage von pandemie-unabhängigen Kunden. Allerdings bauen viele Abnehmer momentan ihre zuvor kräftig aufgestockten Lager ab und bestellen folglich weniger. Die Merck-Chefin betonte aber jüngst, dass dies nur ein vorübergehender Effekt sei. Einzig das Pharmageschäft, das Unternehmen florierte mit den unverändert größten Umsatztreibern Mavenclad (Multiple Sklerose) und Bavencio (Krebs). Dabei hatte Merck erst zum 30. Juni die Kontrolle über die weltweite Vermarktung von Bavencio übernommen, nachdem die Vertriebsallianz mit Pfizer ausgelaufen war. Aber auch mit älteren Arzneien wurde im Quartal gutes Geld verdient.
Zudem spielten anhaltende Lieferschwierigkeiten eines Wettbewerbers im Geschäft mit Fruchtbarkeitsprodukten Merck in die Hände. Jedoch plant das Unternehmen in der F&E-Abteilung der Pharmasparte demnächst insgesamt 250 Stellen zu streichen, davon rund 200 in Darmstadt. Und trotz staatlicher Bürokratie hält das Management auch am Plan fest, bis Ende 2025 rund 1,5 Mrd. Euro am Darmstädter Stammsitz investieren zu wollen. Die Pharma-Stärke reichte bei Merck in Q2 auch nicht zum Ausgleich der Schwäche im Labor- und Halbleiterbereich, was zu einem um 13 % niedrigeren Betriebsgewinn von 1,55 Mrd. Euro führte. Merck könne die aktuellen Herausforderungen dank der breiten Aufstellung und der Orientierung an "Megatrends" meistern, betonte aber die Vorstandschefin zuletzt. Dabei hat Merck bis zu 20 Mrd. Euro für strategische Zukäufe in der Hinterhand. Das Geld soll aber vorrangig für Ergänzungen im Laborgeschäft und Einlizensierungen von Medikamenten ausgegeben werden. Noch im letzten Jahr lag jedenfalls die Nettomarge des Arzneimittelanbieters bei 15 %. Die Aktie befindet sich damit zu Recht im deutschen Qualitätsaktien-Index (QIX). Der QIX Deutschland ist ein Aktien-Index, der aus den besten 25 deutschen Aktien gebildet wird. Die 25 Aktien werden nach einem festgelegten und erfolgsbewährtem Regelwerk ausgewählt.
Leichte Kurszuwächse zeigt im Qualitäts-Index heute auch die Brenntag-Aktie, die mit aktuell 75,00 Euro fast ein neues Jahreshoch markiert. Unterstützung bekommen die Papiere dabei von der Nachricht, dass der Milliardär Klaus-Michael Kühne seinen Anteil an dem Chemikalienhändler in die Höhe geschraubt hat. Über seine Holding verfüge er nun über gut 10 % der Stimmrechte, hieß es am Freitagabend nach Börsenschluss in einer Mitteilung seitens Brenntag. Zuvor lag sein Anteil bei knapp 5,2 %. Zuletzt hatte Kühne das Brenntag-Management auf der außerordentlichen HV bei der Neuausrichtung des Vorstands unterstützt. Schließlich wurde Brenntag dabei von aktivistischen Finanzinvestoren unter Druck gesetzt, sich in die beiden Sparten für Spezial- und Basischemikalien aufzuspalten, und diese separat an die Börse zu bringen. Die Unternehmensführung will als Reaktion darauf die beiden Sparten “Essentials“ und “Specialties“ zunächst unabhängiger aufstellen. Mit der Umstrukturierung des Vorstands wertet Brenntag jedenfalls die Spitzen der beiden Sparten auf und verlagert zudem bestimmte Funktionen, Verantwortlichkeiten und Aktivitäten von der Konzernebene in die zwei Sparten.

Der Investor Kühne ist vor allem mit seinem Logistikunternehmen Kühne & Nagel vermögend geworden und wurde jüngst sogar in den Schweizer SMI-Index aufgenommen. Seit Kurzem ist er außerdem auch zum größten Aktionär der Lufthansa aufgestiegen. Brenntag selbst will mit dem ab 2024 geplanten Umbau sein Vertriebsgeschäft nicht nur unabhängiger machen, sondern auch Wachstumsinitiativen beschleunigen. Bislang konzentriert sich das Geschäftsfeld Specialties nur auf den Vertrieb von Inhaltsstoffen für ausgewählte Branchen. Im Bereich Essentials werden dagegen von Brenntag Prozesschemikalien weltweit vermarket und verkauft. Fundamental gesehen sind die Anteilsscheine jedenfalls mit dem 17-er KGV noch nicht unbedingt teuer.

Wenn Sie den QIX nachbilden wollen, bietet sich ein Index-Tracker der UBS an.
Hinweis: Da der QIX Deutschland von finanzen.net und der TraderFox GmbH, einer Tochtergesellschaft der finanzen.net GmbH, entwickelt wurde, partizipieren die finanzen.net GmbH und die TraderFox GmbH indirekt oder direkt an der Vermarktung des QIX Deutschland. Dies betrifft u. a. Lizenzeinnahmen von Emissionsbanken und KVGs.

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