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Von TraderFox
09. April 2019

Angesichts der anhaltenden Unsicherheit im Brexit-Streit und der bald wieder beginnenden nächste Runde der Quartalsberichte zeigt sich der QIX Deutschland am Dienstag erneut zurückhaltend. Dabei notiert der Index am Nachmittag ohne große Impulse leicht mit 0,4% im Minus bei 13.040 Punkten. Infineon erhält Rückenwind durch Deutsche Bank-Studie und will in diesem Jahr trotz nachlassender Chipnachfrage um über 5% wachsen. Merck stockt Übernahmeofferte für den US-Halbleiterzulieferer Versum um über 10% auf und steht damit kurz vor dem Zukauf.

Leicht mit 0,8% im Plus befindet sich am Dienstag im Qualitäts-Index die Infineon-Aktie, die dabei auf 20,30 Euro ansteigt. Die Deutsche Bank hat heute die Einstufung für die Aktie auf "Buy" mit dem Kursziel von 23 Euro erneut bestätigt. Die Papiere des Chipherstellers zählten unverändert zu den besten Ideen des Finanzinstituts für den deutschen Aktienmarkt, schrieben die Analysten in einer Studie. Das Unternehmen setzte seine Ziele weiterhin in beeindruckender Weise um.

Zuletzt hatten die Aktien von Infineon ihre Kursverluste nach der jüngsten Umsatz- und Gewinnwarnung in eindrucksvoller Weise aufgeholt. Angetrieben wurden sie dabei vor allem von neuen Hoffnungen auf ein baldiges Ende des Handelsstreits zwischen China und den USA. Schließlich hatte der Vorstand des Halbleiterproduzenten auf den deutlich sinkenden Autoabsatz in China hingewiesen. Da die Autoindustrie gegenwärtig rund 40% der Konzernerlöse beisteuert, ist die Branche mittlerweile der wichtigste Umsatzlieferant von Infineon. Aber nicht nur das Geschäft mit dem Autosektor habe sich dem Management zufolge zuletzt schwächer entwickelt, sondern auch die Nachfrage nach Chips aus dem Smartphone-Bereich. Letztlich haben die jüngsten Kursgewinne nur eine Erholung des chinesischen Automarktes und eine sich andeutende Normalisierung der Handelsbeziehungen zwischen den Amerikanern und China vorweggenommen. Derweil stellte Infineon für den 2019er Umsatz nunmehr einen Wert von 8,0 Mrd. Euro, plus oder minus 2%, in Aussicht. Gegenüber dem Vorjahreswert von 7,6 Mrd. Euro würde das trotz derzeitigem Gegenwind einem Wachstum von immerhin 5,3% entsprechen. Mit der kürzlich erfolgten Umsatzkorrektur passte der Chiphersteller zudem auch seine operative Marge an. Statt bisher 17,5% sollen es zum Ende des Geschäftsjahres nur noch 16% sein. Außerdem werden geplante Investitionen von rund 1,5 Mrd. Euro weiterhin in den Ausbau von Kapazitäten fließen.



Dessen ungeachtet wird die Infineon-Aktie nach dem jüngsten Kursanstieg mit einem 2019er KGV von gut 21 bewertet. Nach der letzten Dividendenanhebung ergibt sich zudem auch eine überschaubare Rendite von 1,6%. Die Münchner erwirtschaften obendrein eine hohe Eigenkaptalrendite von über 17% und sind mit einer Eigenkaptalquote von 59% finanziell bestens aufgestellt. Damit entspricht die Aktie wichtigen Kriterien für eine Notierung im deutschen Qualitätsaktien-Index (QIX). Der QIX Deutschland ist ein Aktien-Index, der aus den besten 25 deutschen Aktien gebildet wird. Die 25 Aktien werden nach einem festgelegten und erfolgsbewährtem Regelwerk ausgewählt.

Im Minus bei aktuell 101,60 Euro präsentiert sich heute dagegen im Qualitäts-Index die Merck-Aktie. Der Pharma- und Chemiekonzern legt erneut mehr Geld auf den Tisch, um den US-Halbleiterzulieferer Versum doch noch übernehmen zu können. Das Unternehmen habe sein Angebot von zunächst 48 USD auf nun 53 USD je Aktie in bar erhöht, teilte das Versum-Management am Montag mit. Zudem haben die Amerikaner nach Gesprächen mit Rechtsberatern entschieden, dass die Merck-Offerte dem konkurrierenden Angebot des US-Spezialchemiekonzerns Entegris überlegen sei, hieß es. Den mit Entegris ausgehandelten Fusionsvertrag wolle der Versum-Vorstand nun kündigen und sich zu einer Übernahme durch Merck verpflichten. Dabei hatte das Management des Zulieferers die Offerte des Darmstädter Konzerns erst kürzlich abgewiesen und erklärt, sie sei nicht im besten Interesse des Unternehmens. Die Chancen von Merck auf eine Übernahme sind damit aber deutlich gestiegen, wenn auch zu einem höheren Kaufpreis. Immerhin würde sich die Aufstockung des Angebots auf rund 545 Mio. USD (484 Mio. Euro) belaufen. Versum käme hierdurch letztlich auf eine Bewertung von etwa 6,5 Mrd. USD.

Am Ziel sind die Deutschen allerdings noch nicht angelangt. Denn Entegris bekommt bis zum 11.April noch einmal die Chance, seinerseits nachzubessern. Am Montag gab sich Entegris zunächst zurückhaltend. Derzeit habe man nicht die Absicht, das Gebot für Versum anzuheben, erklärte das Unternehmen. Mit der geplanten Übernahme will Merck in erster Linie sein derzeit schwächelndes Geschäft mit Spezialchemie stärken, das bei Flüssigkristallen etwa für Smartphone- und TV-Displays unter asiatischer Konkurrenz leidet. Letztlich könnte sich der Konzern damit insgesamt stärker auf die Elektronik-Industrie ausrichten. Versum stellt hauptsächlich verschiedene Spezialgase und -chemikalien für den Halbleiterbereich her.

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