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Von Liridona Preniqi
08. Mai 2024

In Anbetracht der Flut an Unternehmensbilanzen gibt der QIX Deutschland am Mittwoch trotz jüngster Erholung erst einmal wieder um 0,6 % auf 16.590 Punkte nach. Halbleiterspezialist Infineon senkt wegen der Q2-Nachfragedelle aus der Autoindustrie die Jahresprognose, lanciert aber zugleich ein Sparprogramm, das ab Mitte 2025 wirksam wird. Knorr-Bremse startet mit soliden Zuwächsen ins neue Jahr, und kann dank Preiserhöhungen und Kostensenkungen zudem seine EBIT-Marge auf 12,1 % steigern.



Der absolute High-flyer war im Qualitäts-Index am Dienstag mit über 12,0 % Kursplus angesichts vorgelegter Sparpläne die Aktie von Infineon. Am heutigen Mittwoch gibt sie allerdings erst einmal wieder um 1,3 % auf 35,90 Euro nach. Dabei musste der Chiphersteller gestern seine Prognose für das laufende Jahr (30. Sept.) zum zweiten Mal in Folge senken. Denn offenbar lässt nun auch das bislang robuste Wachstum mit Halbleitern für die Autoindustrie wegen einer Nachfragedelle in der E-Mobilität in den westlichen Märkten nach. Dieser Entwicklung will Infineon jedenfalls mit einem Sparprogramm entgegentreten. Anleger setzten gestern mit ihren Aktienkäufen zudem darauf, dass operativ das Schlimmste bald vorbei sein sollte. Erst vor 2 Wochen hatten die Aussagen des Infineon-Konkurrenten Texas Instruments beflügelt, da die Amerikaner trotz angespannter Endmärkte “Automotive“ und “Industrial“ mit sequenziell steigendem Umsatz für die nächsten Quartale rechnen. Auch der Wettbewerber STMicroelectronics klagte zuletzt über eine sinkende Nachfrage aus dem Automobilsektor, also genau das Geschäftsfeld, in dem Infineon stark vertreten ist. Denn Abseits des Hypes um Halbleiter für die künstliche Intelligenz (KI) sieht es demnach auf dem Chip-Markt weiterhin ziemlich mau aus. Infineon blicke "zurückhaltend" auf den Rest des Geschäftsjahres, erklärte der Chef gestern bei der Vorlage der Q2-Zahlen. Mit einem Bündel an Maßnahmen will das Management nun Kosten sparen und der Ergebniserosion entgegenwirken. Die Schwerpunkte des Programms liegen Infineon zufolge in den Bereichen Fertigungsproduktivität, Portfoliomanagement, Preisqualität und Betriebskosten.



Die Innovationskraft des Produzenten von integrierten Bauelementen soll dabei aber nicht beeinträchtigt werden. Auch hält die Unternehmensführung am geplanten Fertigungsausbau an den Standorten Dresden und Kulim fest. Mittel- und langfristig blieben Dekarbonisierung und Digitalisierung starke strukturelle Treiber für den Wachstumskurs des Unternehmens, betonte der Vorstand. Erste finanzielle Vorteile erwartet Infineon durch das Sparprogramm, das auch Stellenstreichungen vorsieht, aber erst im Laufe des Jahres 2025. Insgesamt soll es sich auf das Betriebsergebnis mit einem hohen dreistelligen Millionen-Euro-Betrag pro Jahr positiv auswirken. Der volle Effekt soll in der 1. Hälfte des Geschäftsjahres 2027 wirksam werden. Im 2. Quartal (31. März) verzeichnete Infineon jedenfalls weitere Rückgänge bei Umsatz (-2,0 %) und Ergebnis (-15,0 %) im Vergleich zum Vorquartal. Gestern wurden zwar auch die Jahresaussichten für die Automotive-Sparte und den Bereich “Green Industrial Power“ etwas reduziert. Der Halbleitermarkt dürfte von einer Erholung aber nicht mehr allzu weit entfernt sein. Zudem wird die Aktie von Infineon derzeit weiter nur mit einem KGV von 14 gehandelt, was günstig erscheint.



Der QIX Deutschland ist ein Aktien-Index, der aus den besten 25 deutschen Aktien gebildet wird. Die 25 Aktien werden nach einem festgelegten und erfolgsbewährtem Regelwerk ausgewählt. Die im Index enthaltenen Unternehmen zeichnen sich durch hohe Gewinnspannen und Kapitalrenditen sowie stabile Wachstumsraten und solide Bilanzen aus. Auch Value-Kriterien wie Dividendenrendite, niedrige Kurs-Gewinn- und Kurs-Umsatz-Verhältnisse werden einbezogen.



Der größte Gewinner im Qualitäts-Index ist am Mittwoch aber mit fast 5,0 % die Aktie von Knorr-Bremse. Aktuell notiert sie dabei bei 73,00 Euro. Für Kauflaune sorgt vor allem die heutige Meldung, dass der Lkw- und Zugbremsenhersteller auch dank des weiterhin hohen Auftragsbestands mit mehr Geschäft ins neue Jahr gestartet ist. Knorr-Bremse konnte demnach den Umsatz in Q1 im Jahresvergleich um 3,5 % auf 1,97 Mrd. Euro steigern. Das Plus war auf die Geschäfte mit Zügen zurückzuführen, in der Nutzfahrzeugsparte wurde hingegen ein Minus verzeichnet. Investoren feiern heute aber in erster Linie, dass Preiserhöhungen und Kostensenkungen für ein deutliches Plus bei der Profitabilität sorgten. Die entsprechende EBIT-Marge zog bei Knorr-Bremse in den ersten 3 Monaten letztlich um 2,1 % auf 12,1 % an. Und unter dem Strich stieg der Quartalsgewinn des Brems- und Türsystemspezialisten sogar um ein Fünftel auf 159,1 Mio. Euro. Darüber hinaus bestätigte der Knorr-Bremse-Vorstand erneut die 2024er-Prognosen. Der Manager verwies heute zudem auf den mit 2,11 Mrd. Euro weithin sehr guten Auftragseingang, trotz herausfordernder wirtschaftlicher Bedingungen. Ein Jahr zuvor waren es allerdings noch 2,18 Mrd. gewesen. Dazu war Knorr-Bremse Ende April mit der Übernahme von Alstom Signaling Nordamerika in das amerikanische Geschäft mit Signaltechnik für den Zugverkehr eingestiegen.



Das Unternehmen verspricht sich von dem Zukauf vor allem Perspektiven für profitable Geschäftszuwächse, aber auch technisches Wissen sowie den Einstieg in künftige digitale Geschäftsmodelle. Mit der Akquisition steigt Knorr-Bremse aber immerhin zu einem der dortigen Marktführer im Bereich der Technik für Zugsteuerung, Zugsicherung und Signaltechnik auf. Allerdings legte der Zulieferer für die ehemalige Alstom-Tochter gut 630,0 Mio. Euro auf den Tisch, was Analysten für zu teuer hielten. Durch den Einstieg in den globalen Markt für Bahn-Signaltechnik steige das für Knorr-Bremse adressierbare Marktvolumen im Bahnbereich mittelfristig um bis zu 20,0 Mrd. Euro, erläuterte zudem ein Vorstandsmitglied den Zukauf. Und an der Börse werden die Anteilsscheine trotz jüngster Erholung noch immer mit einem KGV von nur 13 bewertet.



Wenn Sie den QIX nachbilden wollen, bietet sich ein Index-Tracker der UBS an.

Hinweis: Da der QIX Deutschland von finanzen.net und der TraderFox GmbH, einer Tochtergesellschaft der finanzen.net GmbH, entwickelt wurde, partizipieren die finanzen.net GmbH und die TraderFox GmbH indirekt oder direkt an der Vermarktung des QIX Deutschland. Dies betrifft u. a. Lizenzeinnahmen von Emissionsbanken und KVGs.

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