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Von TraderFox
01. Juli 2021

Ungeachtet der anhaltenden Industriestimmung in der Eurozone auf Rekordniveau kommt es am Donnerstag beim QIX Deutschland kaum zu neuen Kursgewinnen. Dabei liegt der Index am Nachmittag leicht um 0,2% im Minus bei 16.510 Punkten. Medizin- und Krankenhausgeschäfte von Fresenius Medical Care werden sich nach dem Krisenjahr erst Mitte 2022 von den Pandemieauswirkungen erholen. SAP setzt trotz hartem Wettbewerb und höheren Investitionen bis 2025 auf schnelleres Wachstum durch Abo-Programme und flexible Cloudangebote.

Deutliche Erholungstendenzen zeigte schon in den letzten Wochen im Qualitäts-Index die Aktie von Fresenius Medical Care. Am heutigen Donnerstag steht das Papier erneut leicht im Plus bei 70,40 Euro. Dabei läuft es bei dem Dialyse-Spezialisten nach dem durchaus schwierigen Corona-Jahr operativ wieder besser. Zudem scheinen auch die zuletzt aufgekommenen Spekulationen über eine mögliche Abspaltung vom Mutterkonzern vom Tisch zu sein. Dennoch geht der Vorstand derzeit davon aus, noch bis Mitte 2022 von den globalen Virus-Umständen ausgebremst zu werden. Die Pandemie kostet uns ein Jahr Wachstum, sagte der Manager jüngst in einem Gespräch mit dem "Handelsblatt“. Denn viele der schwer kranken Patienten, die Fresenius Medical Care mit Blutwäsche behandelt, seien an den Folgen einer Corona-Infektion während der Virus-Ausbreitung gestorben. Letztlich gab es seit Ausbruch der Pandemie bis Ende Mai dieses Jahres in Europa und den USA rund 14.200 mehr Todesfälle unter Dialysepatienten als sonst. Ganzjährig behandelt das Gesundheitsunternehmen weltweit aber bis zu 347.000 Patienten. Eine klare Meinung hat der Chef von Fresenius Medical Care auch zu den an den Märkten viel diskutierten, und zuletzt in den Medien kolportierten Abspaltungserwägungen von der Muttergesellschaft Fresenius. Wir haben eine sehr vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Management von Fresenius, betonte er. Wir brauchen und wir wollen aber keine radikale Veränderung.

Am Kapitalmarkt war Fresenius Medical Care mit seinem international ausgerichteten Dialysegeschäft zeitweise sogar als möglicher Verkaufskandidat gehandelt worden. Und das, obwohl der Fresenius-Chef auf der HV im Mai noch erklärte, der Konzern plane derzeit nicht, seinen Anteil zu reduzieren, die Dialysetochter gehöre zum Kerngeschäft. Allerdings kommen die Spekulationen nicht von ungefähr. Denn nach der bei Fresenius Medical Care in 2018 geplatzten Akquisition des US-Generikaherstellers Akorn und mehreren Gewinnwarnungen in den Folgejahren gab es schon länger Forderungen nach einem Umbau. Die Aktie des Medizin- und Krankenhausdienstleisters wird jedenfalls weiterhin nur mit einem KGV von 17 bewertet, und ist damit so günstig wie lange nicht mehr. Darüber hinaus erzielte das Dialysegeschäft in den zurückliegenden 5 Jahren eine Eigenkaptalrendite von durchschnittlich 13%. Damit entspricht das Papier auch den Kriterien für eine Notierung im deutschen Qualitätsaktien-Index (QIX).

Der QIX Deutschland ist ein Aktien-Index, der aus den besten 25 deutschen Aktien gebildet wird. Die 25 Aktien werden nach einem festgelegten und erfolgsbewährtem Regelwerk ausgewählt. Die im Index enthaltenen Unternehmen zeichnen sich durch hohe Gewinnspannen und Kapitalrenditen sowie stabile Wachstumsraten und solide Bilanzen aus. Auch Value-Kriterien wie Dividendenrendite, niedrige Kurs-Gewinn- und Kurs-Umsatz-Verhältnisse werden mit einbezogen.

Leichte Abgaben auf aktuell 118,10 Euro muss am Donnerstag im Qualitäts-Index auch die SAP-Aktie hinnehmen. Was den Kurs des Software- und IT-Dienstleisters aber zuletzt antrieb waren vor allem die jüngst beschleunigten Wachstumsprognosen, die dem Unternehmen dabei helfen sollen, trotz kurzfristigem Gegenwind, den schnelleren Umbau zum Cloudanbieter voranzutreiben. Zwar haben sich für SAP die Wechselkurse im Mai noch einmal verschlechtert, und der Vorstand geht für 2021 inzwischen sogar davon aus, dass die unerwartete Währungsbelastung zusätzlich 2 bis 4% beim operativen Ergebnisses (EBIT) kosten könnte. Die Mittelfristprognose bis ins Jahr 2025 behält der Software- und Datenbankspezialist aber dennoch bei, auch weil sich die jüngst noch einmal verstärkte Fokussierung auf den Ausbau der stark wachsenden Cloudsparte mit der Zeit auszahlen soll. Schon im Januar hatte das Management hierfür ein neues Programmbündel initiiert, mit dem Unternehmenskunden letztlich schneller und einfacher auf die Cloudangebote von SAP umsteigen können. Das erfordert allerdings zunächst höhere Investitionen in Technik und Marketing, weshalb vom Vorstand bereits im Herbst 2020 die mittelfristigen Prognosen zur Margenentwicklung reduzierte und dies auch Investoren mitteilte. Die daraufhin allerdings auch die Aktie teilweise abstießen. Auf der kürzlich abgehaltenen Kundenmesse "Sapphire Now" hatte SAP zudem auch die Gründung eines großen Geschäftsnetzwerkes bekannt gegeben, das für Kunden unter anderem die Beschaffung untereinander erleichtern sowie die Flexibilität erhöhen soll.

Die Walldorfer setzen inzwischen auch darauf, bei den Kunden stärker einen Fuß in die Tür zu bekommen, damit diese bei neuen Technologien nicht zu ERP-Konkurrenten wie Salesforce oder dem Datenbanken- und Cloudanbieter Oracle abwandern. Folglich will SAP an bestehende Kunden vor allem mehr und mehr der eigenen Produkte vermarkten. Dabei verwies der Vertriebsvorstand zuletzt auf die Faustformel, dass aus jedem Dollar, den das Unternehmen zunächst mit dem Kern-Softwarepaket S4 Hana bei einem Kunden verdiene, mit der Zeit rund vier Dollar werden würden, indem weitere Software verkauft werde. Für 2021 wird aber zunächst erwartet, dass die Einnahmen aus dem herkömmlichen Lizenzgeschäft zugunsten der Abo-Programme weiter zurückgehen werden. Mittelfristig soll sich das Cloud-Geschäft von SAP dann sogar mehr als verdoppeln. Allein bis 2025 könnten die Erlöse der Sparte auf mehr als 22 Mrd. Euro ansteigen, und weit über 50% der Gesamtumsätze ausmachen.

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