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Von Christina Rothfuß
31. August 2023

Trotz wieder höherer EU-Inflationszahlen zieht der QIX Deutschland am Donnerstag um 0,6 % auf 15.570 Punkte an. Biotech-Dienstleister Evotec bekräftigt trotz teurem Hackerangriff für 2023 die gesenkte Jahresprognose, die einen Gewinnanstieg von bis zu 28 % vorsieht. Wafer-Spezialist Siltronic rechnet zwar bis Anfang 2024 mit weiterer Marktschwäche, positive Signale kommen aber derzeit von den Megatrends wie KI, Digitalisierung und E-Mobilität.

Kurszuwächse von über 4,0 % konnte am Dienstag im Qualitäts-Index die Aktie von Evotec verbuchen. Heute notiert sie auch wieder leicht im Plus bei 21,65 Euro. Ausschlaggebend für den jüngsten Höhenflug waren die verspäteten Halbjahreszahlen des Pharmadienstleisters, der durch eine Cyberattacke allerdings deutliche Blessuren hinnehmen musste. Folglich sackte der operative Gewinn von Januar bis Juni wegen direkter Folgekosten und einer schwachen Auslastung spürbar ab. Dabei konnte sich der von Evotec für die ersten 6 Monate vorgelegte Umsatzanstieg von 14 % auf 383,8 Mio. Euro sehen lassen, auch weil der Einnahmen über den zuvor anvisierten 370 Mio. Euro lagen. Der von dem Arzneimittelforscher erzielte EBITDA-Gewinn brach jedoch im Jahresvergleich um gut 22 % auf 26,1 Milo. Euro ein. Allein der im April entdeckte Hackerangriff sorgte bei Evotec in Q2 für Kosten von über 39,0 Milo. Euro. Die Finanzchefin wies aber auf die beim Unternehmen sofort eingeleiteten Sparmaßnahmen hin, die 2023 rund 25 Mio. Euro einspielen sollen und teils auch über das laufende Jahr hinaus angelegt sind. Zudem gelang es Evotec den Halbjahresverlust von 101,2 Mio. Euro ein Jahr zuvor auf nur noch 28,8 Mio. zu reduzierten. Vor einem Jahr hatten Bewertungseffekte von Anlagen in Eigenkapitalinstrumente zu hohen Sonderbelastungen geführt. Sehr positiv war außerdem die Nachricht, dass die für die Novartis-Tochter Sandoz erbrachten Leistungen sowie die Kooperation mit Bristol Myers Squibb die infolge der Attacke geringe Kapazitätsauslastung teilweise kompensieren konnten.

Im Mai konnte Evotec die lukrative Forschungspartnerschaft für die Entwicklung und Produktion mehrerer Nachahmer-Medikamente mit Sandoz vermelden. Die Hamburger hatten diesbezüglich auch schon eine Vorabzahlung in zweistelliger Millionenhöhe erhalten. Zudem konnte der F&E-Plattformanbieter die seit 2016 bestehende Neurologie-basierte Zusammenarbeit mit dem US-Pharmariesen Bristol Myers Squibb im Juli erneut ausbauen. Für 2023 erwartet Evotec diesbezüglich sogar noch weitere Neuverträge und Vertragsverlängerungen mit anderen Gesellschaften der globalen Pharma- und Biotechnologiebranche. Was Investoren in dieser Woche ebenfalls lobten, war die im letzten Halbjahr gestiegene Bruttomarge, also der Anteil des Verkaufspreises, nach Abzug der Herstellungskosten. Hier konnte Evotec mit seinem Wirkstoffforschungsgeschäft eine Verbesserung von 18,8 % auf fast 26,0 % vorlegen. In diesem Jahr soll jedenfalls auch der Betriebsgewinn wieder zulegen, nachdem im Vorjahr noch hohe Kosten das Unternehmen belastet hatten. Die im Juli wegen des Hackerangriffs gesenkte Jahresprognose wurde von Evotec ebenfalls am Dienstag bestätigt. Dabei wird für 2023 bei einem Erlöszuwachs auf 820 bis 840 Mio. Euro auch mit einem operativen Ergebnisplus von bis zu 28 % auf 115 bis 130 Mio. Euro gerechnet.

Der QIX Deutschland ist ein Aktien-Index, der aus den besten 25 deutschen Aktien gebildet wird. Die 25 Aktien werden nach einem festgelegten und erfolgsbewährtem Regelwerk ausgewählt. Die im Index enthaltenen Unternehmen zeichnen sich durch hohe Gewinnspannen und Kapitalrenditen sowie stabile Wachstumsraten und solide Bilanzen aus. Auch Value-Kriterien wie Dividendenrendite, niedrige Kurs-Gewinn- und Kurs-Umsatz-Verhältnisse werden mit einbezogen.

Am Donnerstag liegt im Qualitäts-Index auch die Aktie von Siltronic leicht im Plus bei 73,75 Euro. Dabei beweist der Wafer-Produzent derzeit einmal mehr, dass er auch durch ein schwieriges Marktumfeld navigieren kann. Zwar hat Siltronic als Halbleiter-Zulieferer noch immer mit einer Nachfrageschwäche zu kämpfen, die wohl auch 2024 noch nachwirken dürfte, dennoch wird von Unternehmensseite weiter investiert. Und trotz jüngstem Q2-Absatzrückgang geht das Management davon aus, dass sich die Verkaufspreise in den kommenden Monaten stabil halten werden. Die Geschäftsentwicklung ist mittlerweile auch besser prognostizierbar, sodass sich der Vorstand zuletzt für Siltronic sogar einen konkreteren Jahresausblick zutraute. Demnach rechnet der Manager für 2023 mit einem Umsatzwert, der 14 bis 19 % unter dem Vorjahreswert von 1,8 Mrd. Euro liegen dürfte. Der Grund für den Einbruch liegt laut Siltronic unter anderem beim Kundenkreis rund um die Hersteller von Speicherchips, die teils recht spät mit dem Abbau hoher Lagerbestände begonnen haben. Dieser Prozess könnte sich wohl noch bis ins Jahr 2024 ziehen. Deutlich positiver ist dagegen die Entwicklung bei den Produzenten von Logikchips, die zudem vom Künstliche-Intelligenz-Trend (KI) profitierten. Mit den von Siltronic hergestellten siliziumbasierten Wafern produzieren die Halbleiterkunden jedenfalls die gefragten Chips, die angesichts des laufenden KI-Booms unter anderem in Server- und Datenzentren weltweit eingesetzt werden.

Aber auch bei Leistungshalbleitern, die etwa in E-Autos und der Industrie hohe Stromstärken und Spannungen steuern müssen, ist die Lage global gesehenen Unternehmensangaben zufolge insgesamt robust. Schon in Q1 musste Siltronic einen Umsatzrückgang gegenüber dem Vorjahr von 3 % hinnehmen, der sich im 2. Quartal mit -9 % sogar beschleunigte. Im Vergleich zum 1. Jahresviertel blieb der Umsatz des Waferspezialisten aber nahezu stabil. Und ungeachtet der aktuellen Absatzflaute, die im Umfeld hoher Inflation auch eine Folge der Kaufzurückhaltung bei Smartphones, Computern und anderer Elektronik ist, bleibt Siltronic auf längere Sicht zuversichtlich. Die steigende Zahl an Endanwendungen, die auf Megatrends wie KI, Digitalisierung und Elektromobilität beruhen, bedeute einen mittel- und langfristigen Wachstumstrend für Siliziumwafer, hieß es zuletzt von Managementseite. Daher steckt der Zulieferer auch weiterhin viel Geld in ein neues Werk in Singapur. Darüber hinaus wurde von Siltronic der Produktionsstandort im sächsischen Freiberg zuletzt um eine weitere Ziehhalle für Siliziumkristalle erweitert.

 

Wenn Sie den QIX nachbilden wollen, bietet sich ein Index-Tracker der UBS an.

Hinweis: Da der QIX Deutschland von finanzen.net und der Traderfox GmbH, einer Tochtergesellschaft der finanzen.net GmbH, entwickelt wurde, partizipieren die finanzen.net GmbH und die TraderFox GmbH indirekt oder direkt an der Vermarktung des QIX Deutschland. Dies betrifft u.a. Lizenzeinnahmen von Emissionsbanken und KVGs.

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