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Von Christina Rothfuß
30. Mai 2024
Der QIX Deutschland notiert am Donnerstag ungeachtet der gestrigen Wall Street-Vorgaben mit 0,3 % im Plus bei 16.680 Punkten. Deutsche Telekom will mit T-Mobile US-Tochter die Mobilfunksparte und Frequenzen für 4,4 Mrd. USD von U.S. Cellular kaufen. Porsche arbeitet wegen der aktuellen E-Auto-Schwäche in China mit dortigen Vertriebshändlern an einer möglichen Neuausrichtung, um wieder mehr Kunden für die aktuellen E-Modelle zu begeistern.


Am Donnerstag gehört mit Zugewinnen von 1,2 % auf 21,90 Euro im Qualitäts-Index angesichts spannender Übernahmenachrichten die Aktie der Deutschen Telekom mit zu den Tagesfavoriten. Schließlich hatte der Telekommunikations- und Mobilfunkspezialist bereits am Dienstag angekündigt, dass die Tochter T-Mobile US sich im nächsten Milliardengeschäft Teile des Wettbewerbers U.S. Cellular einverleiben will. Für die Deutsche Telekom, für die mittlerweile die US-Sparte zur Haupteinnahmequelle geworden ist, würde dies neben dem Ausbau des Mobilfunkgeschäfts und neuen Frequenzen auch Zugang zu den Funktürmen der Konkurrenten bedeuten. Vor allem im ländlichen Raum Amerikas sollen demnach Kunden von einer verbesserten Netzabdeckung profitieren. Für den Erwerb von Mobilfunksparte und einem bestimmtem Frequenzspektrum will T-Mobile US offenbar rund 4,4 Mrd. USD (4,05 Mrd. Euro) auf den Tisch legen. Die Tochter der Deutschen Telekom plant dabei einen Teil bar und bis zu 2,0 Mrd. USD durch Schulden zu begleichen. Bis Mitte 2025 soll die Übernahme demnach abgeschlossen sein. Neben Synergieeffekten in Milliardenhöhe hofft der Chef von T-Mobile US darauf, Zugang zu Tausenden Funktürmen von U.S. Cellular zu erhalten und damit das eigene US-Netz erweitern zu können. Immerhin haben sich die Deutsche Telekom-Tochter und U.S. Cellular darauf geeinigt, dass langfristig mindestens 2.100 zusätzliche Türme in den USA von T-Mobile US angemietet werden können. Allerdings dürften damit zunächst auch hohe Integrationskosten auf die Deutsche Telekom zukommen. Schließlich wird seitens T-Mobile US derzeit damit gerechnet, dass durch den Erwerb des U.S.-Cellular-Geschäfts zwischen 2,2 und 2,6 Mrd. USD an Kosten diesbezüglich entstehen könnten. Mittelfristig aber sollte dies überschaubar sein, denn die Synergieeffekte werden von der Deutschen Telekom-Tochter auf rund 1,0 Mrd. USD pro Jahr geschätzt.

Nach einem Zeitungsbericht des "Wall Street Journal" von Mitte Mai verhandelt auch der US-Telekomkonzern Verizon über die Übernahme anderer Cellular-Geschäftsteile. Die Verhandlungen mit Verizon dürften allerdings mehr Zeit in Anspruch nehmen und könnten auch scheitern. Derweil geht die Deutsche Telekom mit ihrer T-Mobile US-Sparte in den USA zurzeit aggressiv vor. So wurde am 1. Mai die 1,35-Mrd.-USD-Übernahme des Billigfunkers Mint Mobile vollzogen. Kurz zuvor hatte T-Mobile US angekündigt, gemeinsam mit dem Finanzinvestor EQT den Glasfaser-Anbieter Lumos übernehmen zu wollen. Den 50-Prozent-Anteil ließen sich die US-Tochter circa 950,0 Mio. Euro kosten. Der Vorstand der Deutschen Telekom sagte zuletzt zudem, dass er die Markenbekanntheit von T-Mobile bei Glasfaserprodukten in den USA nutzen möchte. Glasfaser helfe, den "Wachstumsmotor" am Laufen zu halten. Erste Übernahmeziele seien bereits identifiziert, so der Manager. Die Deutsche Telekom ist auch trotz anhaltendem Expansionskurs noch immer ein beliebter Dividendenwert, der aktuell gut 3,5 % an Kapitalrendite abwirft. Damit notiert die Aktie auch Recht im Qualitäts-Index.
Der QIX Deutschland ist ein Aktien-Index, der aus den besten 25 deutschen Aktien gebildet wird. Die 25 Aktien werden nach einem festgelegten und erfolgsbewährtem Regelwerk ausgewählt. Die im Index enthaltenen Unternehmen zeichnen sich durch hohe Gewinnspannen und Kapitalrenditen sowie stabile Wachstumsraten und solide Bilanzen aus. Auch Value-Kriterien wie Dividendenrendite, niedrige Kurs-Gewinn- und Kurs-Umsatz-Verhältnisse werden einbezogen.
Mit über 2,0 % Plus bei 75,00 Euro befindet sich am Donnerstag im Qualitäts-Index die Aktie von Porsche an der Spitze des Index. Dabei hatte der Sportwagenanbieter in dieser Woche nicht nur die neue Generation des Kult-Modells “911“ eingeführt. Porsche führt derzeit auch Gespräche mit seinen chinesischen Händlern, um die Beziehungen, die unter der dortigen E-Auto-Schwäche leiden, zu verbessern. Der Autobauer diskutiere mit seinen chinesischen Händlern, wie sie ihre Geschäftsstrategien und ihren Kundenservice an die Marktveränderungen anpassen können, hieß es diesbezüglich in einer Mitteilung des Unternehmens. Zwar nannte das Management von Porsche noch keine Details zu einer möglichen Neuausrichtung, sagte aber, beide Seiten wollen enger zusammenarbeiten. Dabei muss der Premiumhersteller wie auch andere westliche Autobauer mit ansehen, wie sein Marktanteil in China bei E-Autos immer weiter schrumpft. Der Grund hierfür liegt in der lokalen Konkurrenz wie BYD oder XPeng, die ihr Angebot immer mehr ausweiten und damit sehr erfolgreich sind. Zwar bedient Porsche mit seinen E-Modellen wie dem “Taycan“ oder auch dem “Macan“ eine Nische, da aber seit 2022 die Wirtschaft der Volksrepublik durch die Immobilienkrise ins Stocken geraten ist, hat sich die generelle Nachfrage auch nach E-Fahrzeugen teils deutlich abgeschwächt. Dies hat wiederum auch bei der Volkswagen-Tochter zu spürbaren Preissenkungen geführt, die sich jedoch auf die dortigen Gewinne des Autobauers und die chinesischen Händler ausgewirkt haben.

Porsche steckt deshalb in Stück weit in der Zwickmühle. Denn wie chinesische Medien jüngst berichteten, fordern offenbar nun einige Porsche-Partnerhändler in China eine Entschädigung für den teils verlustreichen Verkauf ihrer E-Autos. 2023 entfielen etwa ein Viertel der gesamten Auslieferungen von Porsche auf den chinesischen Automarkt, dessen Modellverkäufe im Gesamtjahr zugleich um gut 15,0 % rückläufig waren. Und der Abwärtstrend scheint sich noch nicht umzukehren, allein im 1. Quartal musste der Sportwagenproduzent mit seinen Marken dort erneut ein Minus von 24,0 % hinnehmen. Porsche China sucht nun gemeinsam mit Händlern nach “effektiven Wegen“, um auf die jüngsten Marktveränderungen im Automobilsegment zu reagieren. Dabei soll künftig neben Kundenservice auch die Elektrifizierung eine noch wichtigere Rolle spielen. Allerdings betreibt Porsche in China aktuell kein eigenes Werk, sondern importiert jedes einzelne Fahrzeug, was es damit besonders anfällig für potenzielle Einfuhrzölle der chinesischen Regierung macht.

Wenn Sie den QIX nachbilden wollen, bietet sich ein Index-Tracker der UBS an.
Hinweis: Da der QIX Deutschland von finanzen.net und der TraderFox GmbH, einer Tochtergesellschaft der finanzen.net GmbH, entwickelt wurde, partizipieren die finanzen.net GmbH und die TraderFox GmbH indirekt oder direkt an der Vermarktung des QIX Deutschland. Dies betrifft u.a. Lizenzeinnahmen von Emissionsbanken und KVGs.

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