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Von Christina Rothfuß
19. Mai 2022

Neuerliche Zins- und Rezessionsängste sorgen am Donnerstag beim QIX Deutschland wieder für deutliche Abgaben. Folglich liegt der Index am Nachmittag mit 1,8 % im Minus bei 13.800 Punkten. Deutsche Börse will 2022 nach starken Q1-Finanzgeschäften jetzt mehr als die bislang prognostizierten Erlöse von 3,8 Mrd. Euro erzielen. Zug- und LKW-Zulieferer Knorr-Bremse treibt mit Tochter-Verkauf den Portfolioumbau voran und vermeldet per Ende März einen um 17 % gestiegenen Auftragseingang.

 

Im heutigen schwachen Marktumfeld zeigt auch die Aktie der Deutschen Börse im Qualitäts-Index deutliche Abgaben auf aktuell 156,40 Euro, darin ist aber auch der heutige Dividendenabschlag enthalten. Allerdings hatte der Börsenplatz- und Finanzdatendienstleister seinen Aktionären bereits am Mittwoch auf der Hauptversammlung ein noch höheres Wachstum in Aussicht gestellt. Aufgrund des ausgezeichneten 1. Quartals rechnen wir damit, die ursprünglichen Prognosen für 2022 zu übertreffen, sagte dabei der Vorstand gegenüber seinen Anteilseignern. Wir erwarten, dass die Erlöse dieses Jahr wohl auf mehr als 3,8 Mrd. Euro steigen werden. Und unser Gewinn auf mehr als 2,2 Mrd. Euro, so der Manager. Mehr als die Hälfte der angestrebten Zuwächse sollen bei der Deutschen Börse hierbei aus eigener Kraft erzielt werden. Schon 2021 hatte sich der Unternehmenschef zum Ziel gesetzt, in den Jahren bis 2023 auch mithilfe von Übernahmen im Durchschnitt 10 % Wachstum erzielen zu wollen. Sowohl bei den Nettoerlösen als auch beim operativen Ergebnis. Schon im vergangenen Jahr hatte der Frankfurter Börsenbetreiber trotz eines rückläufigen Aktien- und Derivategeschäfts seinen Umsatz und Gewinn deutlich gesteigert. Insgesamt musste die Deutsche Börse dabei zwar sinkende Erlöse bei den beiden größten Sparten, der Derivatebörse Eurex und Clearstream verkraften. Durch Zuwächse in den durch Zukäufe gestärkten Bereichen wie das Geschäft rund um den Fondsvertrieb oder dem Währungshandel konnte das Unternehmen aber um 18 % zulegen. Und der im letzten Jahr übernommene Stimmrechtsberater ISS, der inzwischen bei der Deutschen Börse als eigene Einheit geführt wird, steuerte bereits anteilig zum Umsatz und operativen Gewinn bei.

Mit den zuletzt getätigten Akquisitionen möchte sich der Börsen- und Analysedatenanbieter letztlich breiter aufstellen, um unabhängiger von den Volatilitäten der Aktien- und Derivatemärkte sowie den niedrigen Zinsen zu werden. Bei der Deutschen Börse floriert aber derzeit vor allem das Geschäft mit Finanzderivaten und Rohstoffen wie Gas und Strom. Im Zuge des Ukraine-Konflikts waren die Kursschwankungen an den Finanzmärkten stark gestiegen, und hatten unter anderem zu höheren Öl- und Gaspreisen geführt. Folglich konnte das Unternehmen für das 1. Quartal einen Umsatzsprung von fast 25 % auf 1,06 Mrd. Euro vermelden. Wegen des Kriegs in der Ukraine, steigender Rohstoffpreise und globaler Lieferengpässe habe die Verunsicherung am Markt zugenommen, teilte die Deutsche Börse im April mit. Das habe zu mehr Handelsvolumen in nahezu allen Anlageklassen geführt. Dabei belief sich auch die Gewinnmarge auf überragende 28 %. Die Aktie wird gegenwärtig auch nur mit einem KGV von gut 22 bewertet, und ist damit nicht zu teuer. Mit diesen Kennzahlen entspricht sie auch wichtigen Kriterien für eine Notierung im deutschen Qualitätsaktien-Index (QIX). Der QIX Deutschland ist ein Aktien-Index, der aus den besten 25 deutschen Aktien gebildet wird. Die 25 Aktien werden nach einem festgelegten und erfolgsbewährtem Regelwerk ausgewählt.

Einen teils deutlichen Kursrückgang musste in den vergangenen Wochen im Qualitäts-Index die Aktie von Knorr-Bremse hinnehmen. Am Donnerstag steht sie auch erneut deutlich im Minus bei 65,10 Euro. Unter Druck geraten war der Hersteller von Bremssystemen und anderen sicherheitsrelevanten Lösungen für Schienen- und Nutzfahrzeuge zuletzt, weil steigende Rohstoff- und Energiekosten sowie Lieferengpässe den Jahresstart belasteten. Das Unternehmen spürte dabei neben den Russland-Sanktionen auch die Folgen der strengen Coronamaßnahmen Chinas. Dennoch konnte Knorr-Bremse den Umsatz mit 1,67 Mrd. Euro im 1. Quartal fast auf Vorjahresniveau halten. Zudem bestätigte das Management den bisherigen Jahresausblick für 2022. Hierbei wird weiterhin eine Umsatzgröße zwischen 6,8 und 7,2 Mrd. Euro sowie eine operative Gewinnmarge zwischen 12,5 und 14,0 % anpeilt. Erreichen will der Weltmarktführer im Bereich Lkw- und Zugbremsen, zu dessen Produktpalette auch Klimaanlagen, Steuerungs-Komponenten und Bahnsteigtüren gehören, die Prognose durch Preiserhöhungen und Einsparungen. Immerhin kann sich das Unternehmen auch auf eine zuletzt robuste Nachfrage stützen.

Der Auftragseingang bei Knorr-Bremse wuchs in den ersten 3 Monaten im Jahresvergleich um immerhin gut 17 %. Damit standen per Ende März Rekordaufträge im Volumen von fast 6 Mrd. Euro in den Büchern. Außerdem soll demnächst die Firmentochter Kiepe Electric verkauft werden, vor allem um die Profitabilität mittelfristig weiter zu steigern. Durch die Veräußerung soll sich die EBIT-Marge der Sparte Schienenfahrzeuge bis 2025 um 60 bis 90 Basispunkte verbessern. Die Knorr-Bremse-Tochter bietet derzeit Lösungen und Konzepte für einen emissionsreduzierten öffentlichen Verkehr für Straßen- und Regionalbahnen sowie Busse an, und erzielte 2021 einen Umsatz von rund 100 Mio. Euro. Damit treibt die Unternehmensführung letztlich den bisherigen Portfolioumbau weiter voran.

 

Wenn Sie den QIX nachbilden wollen, bietet sich ein Index-Tracker der UBS an.

Hinweis: Da der QIX Deutschland von finanzen.net und der Traderfox GmbH, einer Tochtergesellschaft der finanzen.net GmbH, entwickelt wurde, partizipieren die finanzen.net GmbH und die TraderFox GmbH indirekt oder direkt an der Vermarktung des QIX Deutschland. Dies betrifft u.a. Lizenzeinnahmen von Emissionsbanken und KVGs.

 

 

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