fb-qix
59
Von TraderFox
27. Mai 2021

Nach dem jüngsten Rekordlauf kommt es am Donnerstag beim QIX Deutschland erstmal zu Gewinnmitnahmen. Dabei gibt der Index am Nachmittag leicht um 0,5% auf 15.900 Punkte nach. Medizintechnik-Geschäfte von Carl Zeiss Meditec sollen nach abgeschlossenem Krisenjahr in 2020/21 letztlich wieder um gut 20% zulegen. Großaktionärin von Mutterkonzern Fresenius stellt sich bei möglicher Abspaltung von Dialysetochter Fresenius Medical Care quer.

Einen deutlichen Kurssprung verbunden mit einem frischen Mehrjahreshoch konnte am Mittwoch im Qualitäts-Index die Aktie von Carl Zeiss Meditec hinlegen. Heute kommt es jedoch erstmal zu leichten Gewinnmitnahmen auf 148,40 Euro. Dabei läuft es bei dem Medizintechnik-Spezialisten nach dem durchaus schwierigen Corona-Jahr operativ wieder besser. Zudem adressiert das Unternehmen mit seinem Portfolio rund um Augenheilkunde und Mikrochirurgie einen interessanten Zukunftsmarkt, der entsprechend den demographischen Entwicklungen laut Analysten bis 2028 ein jährliches Umsatzwachstum von bis zu 9% verspricht. Carl Zeiss Meditec geht zunächst auch davon aus, dass sich im weiteren Verlauf des Geschäftsjahres 2020/21 die Geschäfte weiter normalisieren werden. Diese Erwartung basiert auf der Annahme, dass es nicht zu einer erneuten globalen Verschlechterung der Pandemielage kommen wird. In den letzten 6 Monaten erholten sich die Erlöse jedenfalls kräftig vom Einbruch des letzten Jahres um 7,3% auf 767,4 Mio. Euro, was in Summe wieder ungefähr dem Wachstumstempo entsprach, das der Medizintechnik-Hersteller auch vor dem Ausbruch der Pandemie hingelegt hatte. Carl Zeiss Meditec profitierte zuletzt mit seinen auf wichtige Märkte wie Medical and Research Solutions, Industrial Solutions, Eye Care und Lifestyle Products ausgerichteten Anwendungen, unter anderem von weiterhin niedrigen Vertriebs- und Marketingkosten im Vergleich zum Vorjahr. Vor allem die Sparte “Ophthalmic Devices“ legte diesbezüglich um 14% auf 590,1 Mio. Euro zu. Aber auch wiederkehrende Umsätze aus Verbrauchsmaterialien, Implantaten und Serviceleistungen lieferten wesentliche Wachstumsbeiträge.

Für Carl Zeiss Meditec entwickelten sich dabei neben Amerika und dem mittleren Osten insbesondere die Märkte Deutschlands, Frankreichs und Südeuropas sowie Großbritanniens wieder positiv. Folglich stellte das Management für das laufende Gesamtjahr eine weitere Umsatzerholung auf ungefähr 1,6 Mrd. Euro in Aussicht, was einem Plus von knapp 20% entsprechen würde. Zumal nach dem abflauen von Corona auch verschobene Operationen, etwa in der Augenheilkunde, zusätzlich durchgeführt werden dürften. Und auch bei der operativen Marge will Carl Zeiss Meditec wieder auf gut 20% zulegen, nach nur 13% im Krisenjahr. In Anbracht aber der jüngsten Kursrally wird die Aktie mittlerweile deutlich überbewertet, wovon das aktuelle KGV von gut 50 zeugt. Dennoch erzielte das Jenaer Unternehmen in den zurückliegenden 5 Jahren eine Eigenkaptalrendite von durchschnittlich 12%. Damit entspricht das Papier auch weiterhin den Kriterien für eine Notierung im deutschen Qualitätsaktien-Index (QIX).

Der QIX Deutschland ist ein Aktien-Index, der aus den besten 25 deutschen Aktien gebildet wird. Die 25 Aktien werden nach einem festgelegten und erfolgsbewährtem Regelwerk ausgewählt. Die im Index enthaltenen Unternehmen zeichnen sich durch hohe Gewinnspannen und Kapitalrenditen sowie stabile Wachstumsraten und solide Bilanzen aus. Auch Value-Kriterien wie Dividendenrendite, niedrige Kurs-Gewinn- und Kurs-Umsatz-Verhältnisse werden mit einbezogen.

Starke Erholungstendenzen zeigte in den letzten Tagen im Qualitäts-Index auch die Aktie von Fresenius Medical Care. Aktuell steht das Papier erneut leicht im Plus bei 66,30 Euro. Was den Kurs zuletzt antrieb waren aufgekommene Spekulationen über eine mögliche Aufspaltung des Mutterkonzerns und Krankenhaus-Dienstleisters Fresenius. Mittlerweile stellt sich aber die größte Aktionärin hinter das Management. So teile die Else Kröner-Fresenius-Stiftung in dieser Woche mit, die Stiftung teile die Sichtweise des Fresenius-Vorstands, dass die derzeitige Konzernstruktur viele Vorteile bietet. Das Unternehmen sei in dieser Struktur für die vor ihm liegenden Aufgaben gut aufgestellt. Daher bestehe kein Anlass für kurzfristige grundlegende Veränderungen, hieß es weiter. Zuvor hatten Pressespekulationen die Runde gemacht, wonach Fresenius auf Druck der Großaktionärin eine Umstrukturierung auslote. Fresenius Medical Care mit seinem weltweiten Dialysegeschäft wurde dabei als möglicher Verkaufskandidat genannt. Und das, obwohl der Fresenius-Chef auf der Hauptversammlung Ende letzter Woche noch erklärte, der Konzern plane derzeit nicht, seinen Anteil zu reduzieren, die Dialysetochter gehöre zum Kerngeschäft. Aktuell hält der Mutterkonzern rund 32% an dem Dialyseanbieter, kann das Unternehmen auch aufgrund der Rechtsform AG & Co. KGaA vollständig kontrollieren und konsolidieren.



Allerdings sieht sich der Vorstand nach der bei Fresenius Medical Care in 2018 geplatzten Übernahme des US-Generikaherstellers Akorn, mehreren Gewinnwarnungen in den Folgejahren und auch angesichts des schwachen Kursverlaufs der Aktie schon länger Forderungen nach einer Aufspaltung des Medizin- und Krankenhauskonzerns gegenüber. Der Fresenius-Vorstand hat sich bislang aber offiziell strikt hinter die gegenwärtige Konzernstruktur gestellt, aber auch deren Umbau nicht ausgeschlossen. Die Aktie von Fresenius Medical Care wird jedenfalls nur mit einem KGV von derzeit 16 bewertet, und ist damit so günstig wie lange nicht mehr.

Teilen

TraderFox
TraderFox
Realtime Stock Screening

Die TraderFox GmbH ist eine Tochterfirma von finanzen.net und Axel Springer. Wir erforschen Börsenerfolg und erstellen regelbasierte Portfoliokonzepte zu den besten Anlagestrategien der Börsengeschichte mit dem Ziel den Markt langfristig deutlich zu schlagen.

Unsere Redakteure berichten in den Kategorien Marktberichte Deutschland und Marktberichte International über das aktuelle Börsengeschehen