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Von Christina Rothfuß
14. Juni 2022

Vor der morgigen FED-Zinsentscheidung bleiben die Anleger auch am Dienstag zurückhaltend. Der QIX Deutschland liegt dementsprechend am Nachmittag gut 0,8 % im Minus bei 13.250 Punkten. Chemikalien-Händler Brenntag erhöht angesichts robuster Geschäfte seine Prognose für 2022 zum Betriebsgewinn auf nunmehr 1,75 bis 1,85 Mrd. Euro. Gase-Zulieferer Linde erzielte im letzten Jahr bereits 2 Mrd. USD an Erlösen mit Wasserstoff und investiert kräftig in diesen Wachstumsmarkt.

 

Am Dienstag ist im Qualitäts-Index, wie schon am Vortag, die Brenntag-Aktie erneut einer der Tagesgewinner. Aktuell legt sie dabei leicht auf 71,30 Euro zu. Die gestrige Robustheit kam nicht von ungefähr, schließlich hat der Chemikalien-Vertriebshändler dank anhaltend hoher Nachfrage am Montag überraschend seine Gewinnprognose angehoben. Bereits für das 1. Quartal hatte das Unternehmen ungeachtet der herausfordernden Marktbedingungen Rekordergebnisse präsentiert. Und nun soll der operative Betriebsgewinn am Jahresende noch etwas höher ausfallen als bislang erwartet. Dies ist umso erstaunlicher, machten Brenntag doch zuletzt vorwiegend die Herausforderungen in Bezug auf die weiterhin zu spürenden Unterbrechungen der globalen Lieferketten ebenfalls zu schaffen. Nach dem starken 1. Vierteljahr und dank der bis dato anhaltenden positiven Entwicklung erwartet das Management im Gesamtjahr jetzt ein bereinigtes Ergebnis von 1,75 bis 1,85 Mrd. Euro, wie das Unternehmen am Montag unerwartet mitteilte. Bisher wurden nur 1,45 bis 1,55 Mrd. Euro in Aussicht gestellt. In der Prognose seien erwartete Effizienzsteigerungen aus dem laufenden Sparprogramm und die Effekte bereits abgeschlossener Zukäufe enthalten, betonte zudem der Vorstand. Konkrete Zahlen zum aktuellen Geschäftsverlauf nannte Brenntag gestern allerdings nicht, der Halbjahresbericht wird auch erst am 10. August erwartet. Aber bereits in den ersten 3 Monaten war der Umsatz um 45 % nach oben gesprungen, der Betriebsgewinn gar um mehr als die Hälfte.

In den vergangenen Jahren ist der Händler von Industrie- und Spezialchemikalien vor allem über kleinere Übernahmen beständig gewachsen. Konjunkturabschwünge treffen Brenntag von daher weniger stark als große Chemiekonzerne, weil Kunden dann geringere Mengen an Chemikalien benötigen und diese vermehrt beim Vertriebshändler statt beim Produzenten kaufen. Die Unternehmensführung hatte der Gruppe im Jahr 2020 aber einen Umbau vorgeschrieben, der Prozesse, Abläufe und Strukturen und damit in erster Linie die Profitabilität verbessern sollte. Bis Ende 2022 sollten dabei auch rund 1.300 Stellen gestrichen und zudem weltweit gut 100 von zuletzt 700 Standorten geschlossen werden. Brenntag teilte hierzu im Mai mit, dass bereits 960 weggefallen seien, und von den geplanten rund 100 Standortschließungen waren gut drei Viertel vollzogen. Zuletzt erzielte der Chemikalien-Spezialist jedenfalls auch eine starke Eigenkapitalrendite von 12 %. Und fundamental bleibt die Aktie auch weiterhin moderat bewertet. Derzeit notiert sie nur mit dem 18-fachen KGV. Damit notiert sie letztlich auch zu Recht im deutschen Qualitätsaktien-Index (QIX). Der QIX Deutschland ist ein Aktien-Index, der aus den besten 25 deutschen Aktien gebildet. Die 25 Aktien werden nach einem festgelegten und erfolgsbewährtem Regelwerk ausgewählt.

Ebenfalls sehr stabil in Verbindung mit einem neuen Jahreshoch zeigte sich im Qualitäts-Index zuletzt auch die Linde-Aktie, die heute aber kaum verändert bei 287,00 Euro steht. Der Industriegase-Hersteller profitiert derzeit zwar auch von steigenden Energie- bzw. Gaspreisen. Das Unternehmen ist aber äußerst breit aufgestellt, und beliefert weltweit Kunden aus der Gesundheits- und Elektronikbranche, aber auch die Auto-, Öl-, Chemie- und Metallindustrie. Den Großanteil der Umsätze und Gewinne erwirtschaftet das Unternehmen aber in erster Linie in Nordamerika. Rund 25 % der Erlöse kommen aus Europa und knapp 20 % werden in Asien erzielt. Und da Linde operativ globale aufgestellt ist, steht der Gase-Zulieferer schließlich auch vor robusten Wachstumszeiten. Neben der Sauerstoff-Nachfrage im Gesundheitsbereich profitiert das Unternehmen auch vom Trend zu effizienterer Verbrenner-Technik. Außerdem wird Stickstoff industrieweit verstärkt für Kühlprozesse sowie bei der Halbleiterfertigung benötigt. Dazu kommt die derzeit boomende Entwicklung rund um die Wasserstoff-Trends. Für Linde ist hier vor allem die CO₂-neutrale Herstellung von Stahl und Glas, aber auch die Produktion von Gas für elektronische und weltraumbezogene Anwendungen ein interessantes Wachstumsfeld, in das derzeit kräftig investiert wird.

Analysten schätzen, dass allein dieser Bereich ein Umsatzwachstum bis 2050 von jährlich 4 bis 6 % für das Unternehmen bringen könnte. Im Jahr 2021 erzielte der Gase-Spezialist bereits 2 Mrd. USD an Erlösen mit Wasserstoff und will das vervierfachen in den nächsten Jahren. Vor allem aber beim „grünen“ Wasserstoff, der bisher stark unterrepräsentiert im Wasserstoff -Umsatz ist, will das Management künftige Wachstumspotenziale nutzen. Denn langfristig könnte Linde mit seinen Industrieanlagen und dem Spezialwissen seiner Ingenieure ganze Branchen “Emisssionsfrei“ machen, und daraus in Zukunft auch ein durchaus lukratives Multimilliarden-Geschäft entwickeln. Zunächst will man aber trotz aller operativen Schwierigkeiten in diesem Jahr gruppenweit um 4 bis 5 % wachsen.

 

Wenn Sie den QIX nachbilden wollen, bietet sich ein Index-Tracker der UBS an.

Hinweis: Da der QIX Deutschland von finanzen.net und der Traderfox GmbH, einer Tochtergesellschaft der finanzen.net GmbH, entwickelt wurde, partizipieren die finanzen.net GmbH und die TraderFox GmbH indirekt oder direkt an der Vermarktung des QIX Deutschland. Dies betrifft u.a. Lizenzeinnahmen von Emissionsbanken und KVGs.

 

 

 

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