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Von TraderFox
28. Oktober 2020

Der drohende Lockdown in Deutschland belastet am Mittwoch den QIX Deutschland zeitweise stark. Folglich liegt der Index am Nachmittag deutlich im Minus bei 12.945 Punkten. Chemievertriebshändler Brenntag will mit Stellenabbau und Standortschließungen sein Vertriebsgeschäft ab 2021 profitabler machen. Bechtle will mit IT-Infrastruktur und -Dienstleistungen ungeachtet aller Virus-Auswirkungen seinen Umsatz und Gewinn auch in diesem Jahr solide steigern.

Einer der größten Gewinner auf der Liste im Qualitäts-Index war am Dienstag die Brenntag-Aktie. Dabei legte sie zeitweise um über 4% auf ein Mehrjahreshoch bei 56,00 Euro zu. Heute kommt es allerdings zu Gewinnmitnahmen und die Papiere stehen gegenwärtig bei 55,50 Euro. Der entscheidende Impulsgeber für die jüngste Performance war die gestrige Nachricht, dass der Chemikalien-Vertriebshändler im Zuge seines Umbaus weltweit etwa 1.300 seiner 17.500 Arbeitsplätze abbauen will. Dies solle innerhalb der nächsten 2 Jahre auf sozialverträgliche Weise geschehen, teilte das Unternehmen dazu mit. Global sollen zudem etwa 100 Standorte geschlossen werden. Dabei gehörte Brenntag zu den wenigen Firmen, die im 2.Quartal trotz erheblicher Auswirkungen der Covid-19-Pandemie einen Gewinnanstieg aus eigener Kraft erzielen konnten. Um zukünftigen Anforderungen gerecht zu werden und an der Spitze unserer Branche zu bleiben, war die Einführung unserer neuen operativen Geschäftsstruktur ein erster wichtiger Meilenstein, betonte zugleich der Vorstand. Und um das Potenzial voll auszuschöpfen, müsse Brenntag schlanker und effizienter werden. Der Chemikalienhändler, der als dauerhaftes Bindeglied zwischen Produzenten sowie der abnehmenden und weiterverarbeitenden Industrie operiert, will dafür auch richtig Geld in die Hand nehmen. Der jetzige Sparkurs dürfte zunächst 370 Mio. Euro kosten, soll aber ab 2023 den operativen Betriebsgewinn (EBITDA) um jährlich 220 Mio. Euro verbessern.

Derweil zeigen sich auch Analysten zuversichtlich, dass Brenntag die angekündigten Ziele mittelfristig erreichen kann. Die laufenden Kostenkürzungen erscheinen deutlich höher als erwartet, so die einhellige Meinung der Experten. Zugleich führt das Vertriebsunternehmen für sein Industrie- und Spezialchemikaliengeschäft bereits Anfang 2021 nur noch zwei Bereiche ein. Über die Sparte “Brenntag Essentials“ sollen künftig Prozesschemikalien für ein breites Spektrum an Branchen wie die nordamerikanischen Öl- und Gasindustrie vermarktet werden. Der zweite Bereich “Brenntag Specialties“ soll sich in Zukunft auf den Vertrieb von Inhaltsstoffen für ausgewählte Unternehmenskunden konzentrieren. Und die Brenntag-Aktie bleibt nach der jüngsten Kurserholung auch fundamental weiter attraktiv bewertet. Derzeit notiert sie mit dem 17-fachen KGV des geschätzten Gewinns für 2021. Die derzeitige Dividendenrendite von 2,2% kann sich ebenfalls sehen lassen. Das Unternehmen erzielt zudem operativ eine doch recht starke Eigenkapitalrendite von 13%. Damit notiert die Aktie auch zu Recht im deutschen Qualitätsaktien-Index (QIX). Der QIX Deutschland ist ein Aktien-Index, der aus den besten 25 deutschen Aktien gebildet. Die 25 Aktien werden nach einem festgelegten und erfolgsbewährtem Regelwerk ausgewählt.

Trotz zuletzt guter Zahlen gibt im Qualitäts-Index am Mittwoch auch die Bechtle-Aktie nach. Aktuell hält sie sich aber mit einem Minus von nur 2,7% noch robust bei 145,30 Euro. Das Technologieunternehmen profitiert mit seinem Geschäft ungeachtet aller gegenwärtigen Corona-Umstände weiterhin von der Nachfrage nach IT-Infrastruktur und entsprechenden Dienstleistungen. Der Umsatz wuchs dabei allein im 3.Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um rund 7% auf gut 1,37 Mrd. Euro. Zwar spürt das Management gerade im Onlinegeschäft mit Produkten wie Netzwerkgeräten, Laptops und anderem IT-Bedarf die Kaufzurückhaltung von Kunden zuletzt deutlich. Beim Management von IT-Systemen in Firmen und Behörden vor allem in Österreich und der Schweiz konnte Bechtle aber weiter punkten. Wobei der Onlinevertrieb des Unternehmens schon im vergangenen Jahr um 20 % wachsen konnte, und die Zuwächse des Bereichs E-Commerce (IT-Consulting, IT-Projektmanagement, Systemintegration) bei fast 35% lagen, wodurch der Bereich inzwischen gut ein Drittel der Gesamterlöse erwirtschaftet. Und auch in 2020 soll das Geschäft dementsprechend bei Umsatz und Vorsteuerergebnis weiterhin um mehr als 5% zulegen.



Vor allem aber die mittel- bis langfristigen Wachstumsaussichten sind für Bechtle, angesichts der stetigen Nachfrage nach dem Hard- und Softwaresortiment der unternehmenseigenen E-Commerce Plattformen, mit dem Kunden ihre Digitalisierung vorantreiben, nach wie vor intakt. Nur die Bewertung des Unternehmens hat von diesen Aussichten schon einiges vorweggenommen. So weist die Aktie ein KGV von knapp 40 auf, jedoch lediglich ein KUV von knapp 1,3. Auch sollte Bechtle in den nächsten Jahren Wert darauf liegen, deutlich profitabler zu werden. Zwar ist die Eigenkapitalrendite des IT-Geschäfts mit gut 17 % bereits stark, die Umsatzrendite (Nettomarge) dagegen liegt aber derzeit nur bei 3,2 %, ist damit durchaus ausbaufähig.

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