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Von TraderFox
09. April 2019

Nachdem es im Handelskonflikt zwischen den USA und China zuletzt keine Neuigkeiten gegeben hatte, holte die Wall Street am Montag nach zwei starken Börsenwochen erst einmal Luft. Der TraderFox Joels Zauberformel-Index kletterte dabei um 0,3% auf 13.675 Punkte, während der S&P 500 so gut wie unverändert aus dem Handel ging. US-Autozulieferer Lear kündigt Übernahme von Softwareanbieter Xevo an, Aktie bleibt dennoch deutlich unterbewertet. Walgreens enttäuscht aufgrund von Preisdruck bei Medikamenten mit letztem Quartalsbericht und will bis Ende 2019 einzelne Konzernbereiche umbauen.

In dem positiven Marktumfeld hatte sich am Montag im TraderFox-Index die Aktie der Lear Corporation zu einem der Tagesgewinner entwickelt. Bis zum Schluss zog sie schließlich um 1,7% auf 152,70 USD an. Der Grund für den Anstieg war die jüngste Ankündigung des US-Automobilzulieferers, den Softwareanbieter Xevo Inc., der auf die Bereiche Automobilvernetzung, Cloud-Infrastruktur und mobile Endgeräte spezialisiert ist, übernehmen zu wollen. Dabei will Lear alle ausgegebenen Aktien des Unternehmens für gut 320 Mio. USD erwerben, und dies aber mit Krediten finanzieren. Der Zukauf erlaubt es uns, unsere Fähigkeiten im Softwarebereich, bei Dienstleistungen und Datenanalysen zu erweitern, und dadurch unsere Marktstellung in der Netzwerksparte insgesamt zu stärken, so der Vorstand. Der Meldung zufolge ist die Software von Xevo mittlerweile in mehr als 25 Mio. US-Fahrzeugen installiert worden, zudem will das Management der künftigen Tochter die Expansion nach Asien und Europa vorantreiben. Da Lear als Zulieferer vor allem auf Innenaussttattungssysteme für Autos spezialisiert ist, dürfte letztlich das eigene Portfolio durch Xevos führende Technologie-Plattform grundlegend profitieren.

Dies ist auch notwendig, denn der jüngsten Absatzschwäche auf den amerikanischen und chinesischen Automärkten konnte sich auch das Unternehmen nicht entziehen. Dabei gingen allein im letzten Quartal die Umsätze gegenüber dem Vorjahr um immerhin 8% auf 21,1 Mrd. USD zurück. Angesichts des damit verbundenen Kursrückgangs der Aktie beträgt das KGV inzwischen aber nur noch 7. Die Eigenkapitalrendite von Lear gilt zwar mit 25% im Autogeschäft als grundsolide, die derzeitige EBIT-Marge hingegen ist mit knapp 8% noch ausbaufähig.

Der TraderFox Joels Zauberformel-Index ist ein Aktien-Index, der sich bei der Aktienauswahl an „Joel Greenblatt`s Zauberformel“ orientiert und sich dabei auf zwei Kriterien bei der Suche nach Value-Unternehmen konzentriert: Die Gewinnrendite und die Kapitalrendite. Die Gewinnrendite ist eine klassische Bewertungskennzahl, bei der der operative Gewinn (EBIT) eines Unternehmens ins Verhältnis zum Gesamtunternehmenswert („Enterprise Value“) gesetzt wird. Die Kapitalrendite ist eine Qualitätskennzahl und wird als Verhältnis aus EBIT zu den materiellen Nettovermögenswerten definiert. Ausgewählte Aktien werden nach beiden Kriterien sortiert und die höchstplatzierten Unternehmen stellen anschließend die Auswahl für die Umsetzung der Strategie dar.

Zu Wochenbeginn zeigte auch die Aktie von Walgreens Boots Alliance aus dem Index leichte Zugewinne von 0,7% und notierte am Ende bei 55,06 USD. Die Papiere der US-Apothekenkette sind Anfang April deutlich unter die Räder gekommen. Verantwortlich dafür waren enttäuschende Q2-Zahlen sowie eine drastisch heruntergesetzte Jahresprognose. Dabei litt Walgreens im zurückliegenden Quartal (28.02) einmal mehr unter niedrigeren Arzneimittelerstattungen und rückläufigen Apotheken- und Einzelhandelsverkäufen. Dank der kürzlich zugekauften Drogeriegeschäfte des Konkurrenten Rite Aid kletterte dennoch der Umsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 4,5% auf 34,5 Mrd. USD. Der Quartalsgewinn ging aber um knapp 5% zurück. Damit lag das Unternehmen auch leicht unter den Erwartungen der Analysten, die letztlich mit Erlösen von 34,6 Mrd. gerechnet hatten. Was aber tatsächlich für den jüngsten Kursrückgang sorgte, war der von Walgreens gesenkte Ausblick. Statt einem Wachstum von bisher 7 bis 12% dürfte in diesem Jahr der Umsatz mit Gesundheits- und Pharmaprodukten weitgehend stagnieren.

Laut Management habe sich der Gegenwind vor allem über das makroökonomische Umfeld im Quartal insgesamt verstärkt, auf die der Apothekenbetreiber aber nicht schnell genug reagiert hätte. Auch habe sich der Druck bei den Preisverhandlungen für Medikamente erneut erhöht, was letztlich die Gewinnentwicklung maßgeblich belastete. Die Umsätze in Walgreens amerikanischen Geschäften jedenfalls gingen daraufhin um fast 4% zurück, während sie bei den britischen Töchtern nur um 2,3% nachgaben. Um dem anhaltenden Umsatzschwund entgegenzutreten, will der Vorstand nun weitere Partnerschaften forcieren und das gesamte Einzelhandelsgeschäft neustrukturieren. Aber auch umfassende Kostensenken wurden angekündigt. Ob die Dividendenausschüttungen darunter leiden werden, ist allerdings offen. Die Aktie jedenfalls notiert mit ihrem KGV von 9 so niedrig, wie schon seit Jahren nicht mehr. Dazu kommt auch noch eine Dividendenrendite von über 3%.

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