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Von Christina Rothfuß
06. Februar 2024

Die schwindenden Hoffnungen auf rasche US-Leitzinssenkungen bremsen am Dienstag den QIX Deutschland aus. Am Nachmittag liegt er folglich leicht im Minus bei 16.130 Punkten. Aurubis muss zwar in Q1 Ertragseinbußen hinnehmen, will im Gesamtjahr 2023/34 (Ende Sept.) dank hoher Metallnachfrage aber einen Gewinn von 380,0 bis 480,0 Mio. Euro einfahren. Hautpflegespezialist Beiersdorf plant nach jahrelang stabiler Dividende die 2023er-Ausschüttung von zuvor 0,70 auf 1,00 Euro kräftig anzuheben.

Einer der heutigen Top-Performer im Qualitäts-Index ist mit 0,9 % Kursplus auf  64,90 Euro dank des bestätigten Jahresausblicks die Aktie von Aurubis. Zwar ist das Multimetallunternehmen mitten im Wirbel um die Folgen von Betrugsschäden und Vorstandsumbau mit Gewinneinbußen ins neue Geschäftsjahr gestartet. Zudem standen zuletzt auch höheren Schmelz- und Raffinierlöhnen niedrigere Preise für Metalle und Schwefelsäure gegenüber. Aurubis dürfte aber dennoch im gesamten Bilanzjahr 2023/34 (Ende Sept.) einen operativen Gewinn von 380,0 bis 480,0 Mio. Euro einfahren. Dies wäre sogar mehr als die in 2022/23 erzielten 349,0 Mio. Euro, jedoch hatten die Betrugs- und Diebstahlfälle im letzten Jahr den Kupferproduzenten mit 139,0 Mio. Euro belastet. Der aufgedeckte Millionenschaden hatte zuletzt auch zur Kritik am Risikomanagement der Unternehmensführung geführt. Dabei war bei Aurubis Mitte vergangenen Jahres ein großer Fehlbestand an Edelmetallen bekannt geworden. Zudem waren interne Proben zur Verifizierung der Metallgehalte von Lieferungen von Recyclingmaterialien im Werk Hamburg manipuliert worden, woraufhin überhöhte Rechnungen bezahlt wurden. Wie seit Januar bekannt, muss in der Folge bei Aurubis fast der komplette Vorstand gehen. Heute legte die Multimetall-Gruppe aber erst mal Zahlen für das 1. Geschäftsquartal (Ende Dez.) vor, und verbuchte dabei einen Umsatzrückgang um 5,0 % auf 3,9 Mrd. Euro. Auch der Überschuss fiel zum Vorjahr um gut 10,0 %. Vor allem die gestiegenen Schmelz- und Raffinierlöhne etwa für Kupferkonzentrat und Schrott zehrten bei Aurubis am Gewinn.

Dazu kamen noch die gesunkenen Preise für Metalle und Schwefelsäure, einem Nebenprodukt der Kupferherstellung. Insgesamt verfehlten die Hamburger damit zwar teilweise die Erwartungen. Die Anleger schauen bei dem Recycling- und Kupferdienstleister aber auf die künftige Entwicklung, und die ist angesichts der anhaltend hohen Nachfrage nach Kupferprodukten ziemlich gut. Zumal Aurubis derzeit auch weiterhin viel Geld in den Geschäftsausbau steckt. Aktuell sind vom Aufsichtsrat rund 1,7 Mrd. Euro an Investitionen für strategische Projekte genehmigt worden. Und das künftige Management will die Strategie mit unveränderter Geschwindigkeit umsetzen, wie es am Dienstag hieß. Zum Jahresstart haben sich bei Aurubis die Ausgaben dafür im Vergleich zum Vorjahr auf über 150,0 Mio. Euro sogar verdoppelt. In der 2. Jahreshälfte sollen dann Recycling-Projekte in Belgien sowie die erste Produktionsstufe im neuen Recycling-Werk in Richmond in den USA in Betrieb gehen. Mit dem US-Werk will der Kupferspezialist vom dortigen Recycling-Boom profitieren. Geht man bei Aurubis von den bestätigten Gewinnschätzungen aus, dann notiert die Aktie derzeit nur mit einem KGV von 9. Dazu verfügt das Unternehmen mit einer Eigenkapitalquote von 52,0 % noch immer über eine solide Bilanz. Mit der niedrigen Bewertung befindet sich das Papier auch zu Recht im deutschen Qualitätsaktien-Index (QIX).

Der QIX Deutschland ist ein Aktien-Index, der aus den besten 25 deutschen Aktien gebildet wird. Die 25 Aktien werden nach einem festgelegten und erfolgsbewährtem Regelwerk ausgewählt. Die im Index enthaltenen Unternehmen zeichnen sich durch hohe Gewinnspannen und Kapitalrenditen sowie stabile Wachstumsraten und solide Bilanzen aus. Auch Value-Kriterien wie Dividendenrendite, niedrige Kurs-Gewinn- und Kurs-Umsatz-Verhältnisse werden einbezogen.

Ein großer Gewinner war am Montag im Qualitäts-Index vor allem die Beiersdorf-Aktie, die am Dienstag auch erneut leicht auf ein Rekordhoch bei 141,00 Euro anzieht. Beflügelt werden die Papiere der Konsumgüterproduzenten dabei in erster Linie von der Nachricht, nach jahrelang stabiler Dividende die Ausschüttung an die Aktionäre kräftig erhöhen zu wollen. Für das Geschäftsjahr 2023 werde eine Dividende von 1,00 Euro je Aktie vorgeschlagen, teilte das Unternehmen am Montag mit. Dies kam für viele Investoren überraschend, da Beiersdorf trotz zahlreicher Rekordumsatzjahre seit 2012 ununterbrochen nur 0,70 Euro gezahlt hat. Darüber hinaus hatte der Hautpflegespezialist gestern auch einen erneuten Rückkauf eigener Aktien angekündigt. Es sei ein Umfang von bis zu 500,0 Mio. Euro geplant. Das Aktienrückkaufprogramm solle voraussichtlich im Mai beginnen und bis Ende 2024 abgeschlossen werden, hieß es weiter. Beiersdorf will die zurückgekauften Wertpapiere den Angaben zufolge auch in vollem Umfang einziehen, was helfen dürfte, in die hohe Bewertung “hineinzuwachsen“. Denn bei der Aktie des Klebstoff- und Kosmetikherstellers sehen mittlerweile viele Anleger die zukünftige Entwicklung bereits in den Kursen als weitgehend “eingepreist“. Zumal das aktuelle 2024er-KGV bei 31 liegt.

Mit den Marken Nivea und Labello oder auch tesa bleibt Beiersdorf aber ein absolutes Qualitätsunternehmen, dem an der Börse meist auch eine Premiumbewertung zugesprochen wird. Den Hamburgern dürfte langfristig jedenfalls vor allem das starke Markenportfolio im Zuge des weltweit steigenden Bedarfs an Hautpflegeprodukten operativ in die Hände spielen. Dazu verfügt die künftige Pipeline von Beiersdorf in neuen Märkten und Bereichen wie der Akne-Behandlungen über solides Wachstumspotenzial. Für die Aktie spricht auch der jüngste Preisrückgang bei einigen wichtigen Rohstoffen. Dies dürfte 2024 und 2025 zu höheren Margen führen, und wird von Investoren bei ihren derzeitigen Kaufentscheidungen einkalkuliert.

 

Wenn Sie den QIX nachbilden wollen, bietet sich ein Index-Tracker der UBS an.

Hinweis: Da der QIX Deutschland von finanzen.net und der TraderFox GmbH, einer Tochtergesellschaft der finanzen.net GmbH, entwickelt wurde, partizipieren die finanzen.net GmbH und die TraderFox GmbH indirekt oder direkt an der Vermarktung des QIX Deutschland. Dies betrifft u. a. Lizenzeinnahmen von Emissionsbanken und KVGs.

 

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