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Von Liridona Preniqi
06. Juni 2024

Die heutige Zinssenkung der EZB schiebt den QIX Deutschland am Donnerstag nur leicht ins Plus auf aktuell 16.915 Punkte. SAP will mit dem 1,5-Mrd-USD-Zukauf der israelischen Softwarefirma WalkMe seinen Geschäftsanalyse-Bereich stärken. CAD- und Videosoftwareanbieter Nemetschek plant mit dem Erwerb des US-Softwareentwicklers GoCanvas sein internationales Geschäft auszubauen, und sieht dadurch auf dem US-Markt enorme Wettbewerbsvorteile.

Am Donnerstag ist im Qualitäts-Index nach der jüngsten Korrektur die Aktie von SAP mit gut 4,0 % auf 178,20 Euro einer der heutigen High-Flyer im Index. Den Anteilscheinen helfen dabei vor allem die gestrigen Nachrichten, dass sich der Software-Entwickler mit der milliardenschweren Übernahme von WalkMe stärken will. Zudem hatte das Management von SAP auf der Kundenmesse Sapphire in Florida Sorgen um eine nachlassende Kundennachfrage zerstreut. Dies war auch deshalb wichtig, nachdem der US-Rivale Salesforce zuletzt mit einem unerwartet schwachen Ausblick enttäuschte. SAP hatte am Mittwoch aber den Kauf des israelischen Software-Anbieters WalkMe angekündigt, der das Angebot der Walldorfer zur Analyse von Geschäftsprozessen ausbauen soll. Europas größter Software- und IT-Dienstleister will dafür aber 1,5 Mrd. USD in bar (1,38 Mrd. Euro) auf den Tisch legen. Der Vorstand von WalkMe hat dem Deal wohl auch deshalb schon zugestimmt. Konkret bietet SAP aber seit gestern 14,00 USD je Aktie. Der Angebotspreis liegt sogar gut 45,0 % über dem Schlusskurs der WalkMe-Aktie vom Vorabend in New York. Investoren feiern aber den Zukauf, auch wenn die Israelis im vergangenen Jahr nur eine Umsatzgröße von 267,0 Mio. USD erzielen konnten. Mit der WalkMe-Software sollen Nutzer aber laut SAP-Chef künftig Arbeitsabläufe nahtlos über beliebig viele Anwendungen hinweg ausführen können. Durch die neue Software-Tochter erweitert SAP aber vor allem die eigenen Angebote Signavio und LeanIX, die Kunden beim Umbau ihrer IT unterstützen. Mit der Übernahme von WalkMe verstärken wir die Unterstützung für unsere Endanwender deutlich, und helfen ihnen, neue Lösungen und Funktionen schnell zu übernehmen, erklärte der Vorstand.

Den Abschluss des Deals peilt SAP jedenfalls für das 3. Quartal an. Wesentliche Auswirkungen auf den bereinigten Gewinn je Aktie erwartet das Unternehmen in diesem Jahr allerdings nicht. Der bei dem Datenbank- und Cloud-Spezialisten für die Geschäftsanalyse-Software zuständige Manager wollte in einer Konferenz mit Journalisten am Mittwoch zwar keine konkreten Zahlen zu den WalkMe-Aussichten der kommenden Jahre geben. Mit dem Zugang zum großen Kundenbestand von SAP habe WalkMe aber nun die Chance, sein Wachstum in den kommenden Jahren zu beschleunigen, betonte er. Zudem hat gestern in den USA auch der Vertriebschef von SAP Bedenken wegen der aktuellen Flaute in der Branche zu dämpfen versucht. Derzeit gebe es in einigen Bereichen ein etwas schwächeres Umfeld, sagte der Manager in einer Fragerunde mit Analysten auf der Sapphire-Messe in Orlando. Trotz dieser vereinzelten Schwäche stiegen die Ausgabebudgets der Kunden für IT jedoch weiter, betonte er. Und der Finanzchef von SAP ergänzte zugleich, dass derzeit das Geschäft mit den Kernprodukten des Unternehmens ziemlich stabil laufe. Mit der soliden Nettomarge von 17,0 % erfüllt SAP zudem auch weiterhin wichtige Kriterien für eine Notierung im deutschen Qualitätsaktien-Index (QIX). Der QIX Deutschland ist ein Aktien-Index, der aus den besten 25 deutschen Aktien gebildet wird. Die 25 Aktien werden nach einem festgelegten und erfolgsbewährtem Regelwerk ausgewählt.

Einer der heutigen Tagesgewinner im Qualitäts-Index ist mit zeitweise über 5,0 % auch die Nemetschek-Aktie, die damit bei aktuell 96,00 Euro steht. Für die gute Stimmung sorgt dabei die Meldung, dass der Bau- und Videosoftwarespezialist mit dem Erwerb des US-Softwareunternehmens GoCanvas sein internationales Geschäft ausbauen will. Der Anbieter von Bausoftware für Facharbeiter mit einem zuletzt jährlich wiederkehrenden Umsatz von 67,0 Mio. USD soll ab Sommer 2024 zur Unternehmensgruppe gehören, teilte Nemetschek heute hierzu mit. Zum Kaufpreis wurde von den Münchnern nur das 11,5-fachen des wiederkehrenden Umsatzes aus dem Vorjahr genannt, was in etwa rund 770,0 Mio. USD (708,0 Mio. Euro) entsprechen würde. Anleger quittieren die Ankündigung jedenfalls mit einem Kursfeuerwerk, auch wenn die künftige Nemetschek-Tochter noch ziemlich klein erscheint. Analysten lobten aber dennoch das Wachstumsprofil von GoCanvas, allerdings sehen sie den Kaufpreis als vergleichsweise hoch an. Nemetschek selbst kam 2023 auf einen wiederkehrenden Umsatz von knapp 719,0 Mio. Euro. Wobei als wiederkehrende Einnahmen diejenigen Erlöse bezeichnet werden, die über Abonnements oder laufende Wartungsverträge hereinkommen. Diese werden vor allem in konjunkturell schwierigen Lagen als stabiler angesehen. Mit dem Zukauf wird die Region Amerika jedenfalls für Nemetschek noch wichtiger. Dort hatte der CAD- und Videosoftwareanbieter zuletzt nur gut 38,0 % seiner Jahreseinnahmen von knapp 852,0 Mio. Euro erzielt. Die Finanzierung der Transaktion werde mit Barmitteln und Kreditfazilitäten sichergestellt, hieß es heute zudem von Unternehmensseite.

Für Nemetschek ist GoCanvas aber vor allem deshalb so interessant, da das Unternehmen Software für die Zusammenarbeit von Facharbeitern auf der Baustelle anbietet. Mit der wichtigsten Software-Marke “Bluebeam“ hat der Bau- und Immobiliendienstleister in diesem Bereich bereits ein starkes Standbein im US-Markt. Die bereits bestehenden GoCanvas-Kunden sollen der Gruppe also künftig zusätzliche Umsatzchancen bringen. Und GoCanvas wiederum soll vom Marktzugang Nemetscheks in Europa und dem asiatisch-pazifischen Raum profitieren. Für den Unternehmenschef ist der Zukauf jedenfalls sehr bedeutsam. GoCanvas verschaffe Nemetschek einen Wettbewerbsvorteil und eröffne gleichzeitig den Zugang zum schnell wachsenden Markt für Baustellenteams im Bauwesen sowie weiteren angrenzenden Branchen, kommentiert der Vorstand die Übernahmepläne. Die zugekaufte Nemetschek-Tochter soll in den kommenden Jahren demnach weiter Wachstumsraten von um die 20,0 % erreichen, bei zugleich steigender Marge.

Wenn Sie den QIX nachbilden wollen, bietet sich ein Index-Tracker der UBS an.

Hinweis: Da der QIX Deutschland von finanzen.net und der Traderfox GmbH, einer Tochtergesellschaft der finanzen.net GmbH, entwickelt wurde, partizipieren die finanzen.net GmbH und die TraderFox GmbH indirekt oder direkt an der Vermarktung des QIX Deutschland. Dies betrifft u.a. Lizenzeinnahmen von Emissionsbanken und KVGs.

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