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Von Liridona Preniqi
22. Mai 2024

Vor dem heutigen Fed-Protokoll und den Nvidia-Zahlen gibt der TraderFox High-Quality-Stocks Europe-Index am Mittwoch erstmal wieder leicht auf 120,88 Punkte nach. Roche vermeldet bei einer Studie mit dem Wirkstoff “CT-388“ das Gewicht innerhalb von 6 Wochen um gut 19,0 % reduziert zu haben, und will nun in den boomenden Markt rund um Fettleibigkeit vorstoßen. British American Tobacco gelingt es immer mehr das Tabakportfolio zu erneuern, weshalb auch die bisherigen Cashflow-Ziele für die nächsten 5 Jahre bestätigt wurden.

Eine starke Kurserholung verbunden mit einem Monatshoch konnte im Qualitäts-Index zuletzt die Aktie von Roche hinlegen. Am Mittwoch gibt sie allerdings erstmal wieder um 1,5 % auf aktuell 257,70 Euro nach. Was die Anteilscheine des Schweizer Pharmaproduzenten derzeit so beflügelt, sind spannende Studiendaten zu einem potenziellen Wirkstoff zur Behandlung von Fettleibigkeit (Adipositas). Unter Investoren wächst damit die Hoffnung, dass Roche nun ebenfalls in den boomenden Markt rund um Medikamente zur Gewichtsreduktion vorstößt, in dem bis jetzt vor allem die Pharmaunternehmen Eli Lilly und Novo Nordisk marktführend sind. Insbesondere die vom dänischen Pharmaanbieter Novo Nordisk unter dem Namen Ozempic und Wegovy verkauften sogenannten GLP-1-Therapien erleben jedenfalls seit der Einführung in 2023 einen unglaublichen Boom. Ende letzten Jahres hatte zudem der Roche-Rivale Eli Lilly die FDA-Zulassung für sein gewichtsreduzierendes Mittel Zepbound erhalten. Wie nun Roche jüngst mitteilte, hätten Daten aus einer Phase-1b-Studie gezeigt, dass der Wirkstoff CT-388 das Gewicht reduziere. Dabei habe die einmal wöchentliche Behandlung mit der Substanz innerhalb von nur 6 Wochen zu einem durchschnittlichen Gewichtsverlust von fast 19,0 % geführt. Laut Unternehmensangaben hätte CT-388 auch auf den Blutzuckerspiegel eine normalisierende Wirkung gehabt. Für Roche sind die jüngsten Daten letztlich hochgradig wichtig, auch wenn noch ein weiter Weg vor einer möglichen Zulassung steht und das Umsatzpotenzial in dem umkämpften Markt derzeit noch schwer abzuschätzen ist.

Zunächst dürften Anleger auch abwarten, ob sich die enormen Kosten der Wirkstoffentwicklung für den Pharma- und Diagnostikspezialisten auch wirklich rechnen werden. Roche steht dabei wie viele Arzneimittelhersteller unter Druck, zügig Ersatz für Blockbuster-Medikamente zu finden, deren Patentschutz abgelaufen ist oder demnächst ablaufen wird. So gingen die Einnahmen bei den Schweizern im letzten Jahr mit den einstigen Kassenschlagern Mabthera und Herceptin teils deutlich zurück. Den Zugriff auf den “CT-388“-Wirkstoff hatte sich Roche allerdings nur durch den milliardenschweren Zukauf von Carmot Therapeutics Ende des Jahres 2023 gesichert. Das Management ließ sich die neue Biotech-Tochter sogar rund 2,7 Mrd. USD kosten, plus künftige Meilensteinzahlungen. Mit der Akquisition hat sich das Unternehmen aber wichtige F&E-Zeit bei einem Wirkstoffkandidaten zur Gewichtsreduktion gespart. Zumal Roche in der jüngeren Vergangenheit schon eine Reihe von Fehlschlägen bei der Entwicklung neuer Therapien zu verkraften hatte. Erst Ende 2022 musste der Pharmaanbieter beispielsweise einräumen, dass das Alzheimer-Mittel Gantenerumab bei einer Phase-3-Studie nicht die erhoffte Wirksamkeit zeigte. Die Entwicklung hatte viele Jahre gedauert und Milliarden verschlungen.

Der TraderFox High-Quality-Stocks Europe ist ein europäischer Index, der in sogenannte Burggraben-Unternehmen investiert. Diese Gesellschaften zeichnen sich durch hohe Markteintrittsbarrieren oder Wettbewerbsvorteile aus. Das kann eine starke Marke, ein hervorragendes Kostenmanagement oder Unternehmensgröße sein, die potenzielle Wettbewerber daran hindert, einen lukrativen Markt zu betreten. Europäische Unternehmen dieses Typs zeichnen sich durch gute operative Kennzahlen aus, wozu etwa hohe Gewinnspannen und Kapitalrenditen sowie eine hohe Umsatz- und Gewinnstabilität gehören. Damit sind die zukünftigen Gewinn- und Zahlungsreihen relativ sicher und gut prognostizierbar.

Deutlich über ihrem Jahrestief befindet sich im Qualitäts-Index inzwischen auch die Aktie von British American Tobacco, die am Mittwoch aber kaum verändert bei 29,00 Euro steht. Dabei müssten die Papiere des britischen Tabak- und E-Zigarettenherstellers eigentlich höher stehen, zumal das Unternehmen jüngst mit seinem E-Sortiment erstmals Gewinne einfahren konnte. Zwar wird British American Tobacco weiterhin von weltweit sinkenden Raucherquoten, veränderten Verbraucherpräferenzen sowie dem anhaltenden regulatorischen Druck ausgebremst. Aufgrund der zu erwartenden doppelten Rendite durch voraussichtlichen Kapitalzuwachs und Dividendenerträge bleibt die Aktie aber langfristig ein Kaufkandidat. Dies wird zusätzlich auch durch die erstmals positiven Margen im Unternehmensbereich “New Categories“ gestützt, was neben dem weiter wachsenden freien Cashflow auch zu einer gesunden Bilanz führt. Für British American Tobacco spricht derzeit vor allem, dass es dem Management immer mehr gelingt, dass bisherige Tabakportfolio zu erneuern. Deshalb konnte auch die New Categories-Sparte mit gut 18,0 % zuletzt ein beschleunigtes Umsatzwachstum aufweisen, das den Absatzrückgang bei herkömmlichen Zigaretten ausgleichen konnte. So veröffentlichten die Briten für 2023 steigende Verkaufsmengen gegenüber dem Vorjahr vor allem bei Vapour- Produkten (+7,0 %) und beim Sortiment rund um Tabak zum Erhitzen mit 11,6 %.

British American Tobacco fokussiert sich folglich auch immer stärker auf diesen Bereich, da weltweit mehr Raucher weiterhin auf rauchfreie Alternativen umsteigen. Daher dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis die noch immer viel zu niedrige Bewertung der Aktie (KGV 7) nach oben korrigiert wird. Aber British American Tobacco ist nicht nur ein überzeugender Tabakwert, der den operativen Übergang vom herkömmlichen Zigarettenverkauf zum Segment der nicht brennbaren Zigaretten erfolgreich zu meistern versteht. Die durchweg positiven Ergebnisse für das Geschäftsjahr 2023 spiegeln sich jedenfalls noch nicht im Aktienkurs wider. Zumal der Tabakspezialist in den nächsten 5 Jahren weiterhin einen freien Cashflow von rund 40,0 Mrd. GBP vor Dividenden anstrebt, und dadurch das immense Aufwärtspotenzial angesichts der aktuellen Unterbewertung von British American Tobacco offensichtlich wird.

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