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Von Christina Rothfuß
10. Juni 2024

Angesichts der Europawahl bedingten Neuwahlen in Frankreich liegt der TraderFox High-Quality-Stocks Europe-Index am Montag leicht im Minus bei 120,90 Punkten. Erste Zinssenkungen europäischer Notenbanken dürfte das für Geberit derzeit so schwierige Bauumfeld in Europa aufhellen, zudem erwartet der Sanitärtechnik-Anbieter für 2024 stabile Margen. Private-Equity-Investor EQT will digitale Consultingfirma Perficient für 76,00 USD je Aktie kaufen, die damit mit 3,0 Mrd. USD bewertet wird.



Einer der wenigen Gewinner ist am Montag im Qualitäts-Index die Aktie von Geberit, die dabei nur knapp unter ihrem Jahreshoch bei aktuell 570,00 Euro steht. Was bei den Papieren des Sanitärtechnikproduzenten zu einem wichtigen Kurstreiber geworden ist, sind die jüngsten Zinssenkungen einiger europäischer Notenbanken. So hatte neben der Schweizer Notenbank in der letzten Woche auch die EZB erstmals seit 2022 die Leitzinsen um 0,25 % auf nunmehr 4,25 % gesenkt. Für Geberit hat dieser erste Zinsschritt aber Signalwirkung, schließlich war die gesamte Bau- und Immobilienbranche in der EU während der schnellen 2-jährigen Zinsanhebungen fast zum Stillstand. Die zugleich gestiegenen Baukosten haben in der Zeit dabei die Nachfrage und hier insbesondere im Neubausektor das Geschäft der Schweizer erheblich gedämpft. Und der stärkste Rückgang für 2024 wird vom Management diesbezüglich erneut in Nordeuropa und Deutschland erwartet, also für zwei wichtige Absatzmärkte des Unternehmens. Die Zinssenkungen dürften für Geberit als führenden Anbieter von Sanitärkomponenten für Wohngebäude und Gewerbeeinrichtungen damit zunächst operativ über mehr Produktnachfrage spürbar sein. Auch wenn die jüngsten Rohstoffkursentwicklungen wie bei Kupfer möglicherweise auf eine erneut anziehende Preissteigerung hindeuten. Mittlerweile ist die Gruppe aber mit ihrem Sortiment rund um Spülkästen und Wasserarmaturen aber ein großer Player im Sanitärbereich und fast überall auf der Welt zu finden. Zudem konnte Geberit nach den beiden Pandemie-getriebenen Boom-Jahren 2021/22 mehrerer Preiserhöhungen fast immer an seine Kunden weitergeben, was bis zuletzt sogar zu einer anhaltend hohen operativen Marge von weit über 30,0 % geführt hat.

Dieser Spitzenwert bei der Profitabilität und die beeindruckende Marktstellung machen den Sanitärtechnik-Spezialisten zu einem Qualitätsunternehmen. Die Anteilscheine von Geberit litten durch den Einbruch in der europäischen Baubranche während der letzten Monate auch nicht ganz so stark wie teilweise reine Immobilienwerte. Dennoch dürften sie von den ersten kleinen Zinssenkungen profitieren. Zwar musste der Sanitär- und Rohrleitungshersteller in den ersten 3 Monaten noch einmal einen Umsatzrückgang von 6,0 % auf 837,0 Mio. CHF hinnehmen, die vorherige Abwärtsdynamik hatte sich aber deutlich abgeschwächt. Regional betrachtet gingen bei Geberit die Q1-Erlöse in Europa auch nur noch um 2,0 % zurück. Für das Unternehmen spricht zudem auch die geringe Verschuldung, was beständige Aktienrückkäufe möglich macht. Im globalen Renovationsgeschäft, dessen Anteil rund 60,0 % am Umsatz der Sanitärgruppe beträgt, wird in diesem Jahr sogar ein robuster Verlauf erwartet. Auch wollen die Schweizer unabhängig vom herausfordernden Marktumfeld in 2024 erneut Marktanteile hinzugewinnen. Geberit will dies unter anderem durch mehr operative Flexibilität erreichen. Derzeit werden die Papiere zwar bereits wieder mit einem 29er-KGV bewertet, Unternehmensqualität hat an der Börse aber weiterhin seinen Preis.



Der TraderFox High-Quality-Stocks Europe ist ein europäischer Index, der in sogenannte Burggraben-Unternehmen investiert. Diese Gesellschaften zeichnen sich durch hohe Markteintrittsbarrieren oder Wettbewerbsvorteile aus. Das kann eine starke Marke, ein hervorragendes Kostenmanagement oder Unternehmensgröße sein, die potenzielle Wettbewerber daran hindert, einen lukrativen Markt zu betreten. Europäische Unternehmen dieses Typs zeichnen sich durch gute operative Kennzahlen aus, wozu etwa hohe Gewinnspannen und Kapitalrenditen sowie eine hohe Umsatz- und Gewinnstabilität gehören. Damit sind die zukünftigen Gewinn- und Zahlungsreihen relativ sicher und gut prognostizierbar.



Nach der zuletzt starken Performance liegt am Montag im Qualitäts-Index die Aktie von EQT Partners leicht im Minus bei 27,40 Euro. Die Papiere der Schwedischen Private-Equity- und Investmentgesellschaft werden derzeit ebenfalls von Zinssenkungshoffnungen beflügelt. Dabei besitzt EQT zahlreiche Portfoliounternehmen und -anlagen in Europa, im asiatisch-pazifischen Raum sowie in Nord- und Südamerika. Das Management hat bei seinen Firmen vor allem das Ziel im Visier, nachhaltiges Wachstum, operative Exzellenz und die Marktführerschaft zu erreichen. Zuletzt gab der Private-Equity-Investor zudem bekannt, die weltweit führende digitale US-Beratungsgesellschaft Perficient kaufen zu wollen. Der Erwerb soll dabei durch den von EQT gemanagten Fonds “BPEA Private Equity Fund VIII“ in bar erfolgen, bei der Perficient mit rund 3,0 Mrd. USD bewertet wird. Die Perficient-Aktionäre sollen zugleich 76,00 USD pro Aktie erhalten, was einem Aufschlag von 75,0 % auf den Schlusskurs der Aktie vom 29. April entsprechen würde. Der Zukauf dürfte jedenfalls perfekt ins Portfolio von EQT passen. Perficient ist bekannt für seine erstklassigen digitalen End-to-End-Beratungskompetenzen und seine unübertroffene globale Präsenz, betonte Anfang Mai der Vorstand vom Beratungsteam von EQT Private Capital Asia.

Wir haben bereits viel Erfahrung mit Investitionen im Bereich digitaler Technologien und ich bin zuversichtlich, dass diese spannende Partnerschaft dazu beitragen wird, die einzigartige Position von Perficient am Markt zu stärken, so der EQT-Manager. Und auch der Perficient-Chef sieht die Übernahmepläne der Schweden positiv. EQTs Vision für Perficient stimmt mit unserer überein, und ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit dem Unternehmen, während wir unsere globale Wachstumsreise fortsetzen. EQT plant die Transaktion bis Ende 2024 abzuschließen, danach soll die Aktie von der NASDAQ-Börse genommen werden. Derzeit verwaltet die Investmentfirma weltweit ein Gesamtvermögen von rund 242,0 Mrd. Euro, aber nur für knapp 132,0 Mrd. davon werden Managementgebühren erhoben.

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