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Von Liridona Preniqi
13. Juni 2024

Die US-Börsen haben nach rückläufigen Inflationszahlen am Mittwoch neue Höchststände erreicht. In diesem Umfeld lag der TraderFox Dividenden-Champions Defensive-Index allerdings kaum verändert bei 24.818 Punkten. Industriezulieferer Honeywell dürfte für 2024 dank wieder starker Geschäfte einen Cashflow von mindestens 5,6 Mrd. USD erzielen, und könnte damit seine Ausschüttungspolitik fortführen. Lebensmittelhersteller Kraft Heinz treibt seine Portfolio-Umstrukturierungen voran, und erwägt offenbar den Kauf der US-Kultmarke “Oscar Mayer“.



Nach ihrem gestrigen Jahreshoch verzeichnete am Mittwoch im TraderFox-Index die Aktie von Honeywell leichte Abgaben, und schloss bei 208,50 USD. Zwar ist das US-Unternehmen nicht unbedingt als reiner Verteidigung- und Rüstungstitel zu sehen, schließlich verfügt es über weitere diversifizierte Geschäfte mit starken zuverlässigen Cashflows. Der größte Bereich bei Honeywell ist dabei die Luft- und Raumfahrt, auf den jedoch nur 37,2 % des Gesamtumsatzes entfallen. Die anderen Sparten umfassen zudem noch Gebäude-bezogene Technologien, Hochleistungsmaterialien und -technologien sowie Sicherheits- und Produktivitätslösungen. Für Investoren war aber zuletzt die in Q1 auf 20,4 % verbesserte operative Marge hochinteressant, was vor allem der starken Entwicklung in der zivilen Luftfahrt sowie bei Verteidigungs- und Raumfahrtprodukten zu verdanken war. Honeywell`s Auftragsbestand wuchs darüber hinaus in den ersten 3 Monaten um 6,0 % auf 32,0 Mrd. USD. Damit zeigte sich einmal mehr die größte Stärke des Industriekonzerns, da er breitgestreute Geschäfte mit hohen Margen betreibt, bei dem kein einzelnes Segment einen zu großen Anteil am Umsatz oder Gewinn hat. Für das eigentliche Highlight sorgte aber jüngst der Vorstand, der die 2024er-Prognose für den Gewinn je Aktie auf 9,80 bis 10,10 USD anhob, was einem Ertragsplus von 7,0 bis 10,0 % entsprechen würde. Honeywell will jedenfalls mit seinem Industrie-, Luft- und Raumfahrt- sowie Automatisierungssortiment in diesem Jahr organisch um 4,0 bis 6,0 % wachsen. Und dies bei einem freien Cashflow zwischen 5,6 bis 6,0 Mrd. USD, was am Ende auch mehr als genug wäre, um die Dividende des Konglomerat für 2024 aus Barmitteln zu begleichen.

Die 2023er-Ausschüttung kostete die Amerikaner sogar nur rund 2,72 Mrd. USD. Dies bedeutet, dass die erwartete Cashflow-Entwicklung in diesem Jahr mehr als doppelt so hoch sein dürfte, wie die eigentliche Dividendenzahlung. Und trotz des zuletzt so starken Kursverlaufs, die Aktie von Honeywell hat sich in den letzten Jahren meist schlechter entwickelt als der Gesamtmarkt. Auch weil Anleger lange darauf warteten, dass sowohl die lang- als auch die kurzzyklischen Sparten des Geschäfts bei Honeywell anspringen. Inzwischen ist dies geschehen, was folglich auch wieder mehr Käufer anzog, und zu einem aktuellen KGV von 19 geführt hat. Der Industriezulieferer setzt aber schon seit Jahren freie Barmittel neben Gewinnausschüttungen auch für Ergänzungsakquisitionen sowie beständige Aktienrückkäufe ein. Gegenwärtig bietet Honeywell zwar nur eine Dividendenrendite von 2,1 %, dafür erhält man aber die Vorteile eines diversifiziert aufgestellten Mischkonzerns mit solider Ausschüttungsqualität.

Der TraderFox Dividenden-Champions Defensive-Index ist ein Aktien-Index, der bei der Auswahl der Indexkomponenten neben ausgeschütteten Dividenden auch Aktienrückkäufe und Kapitalerhöhungen berücksichtigt. Die 20 im Index enthaltenen Unternehmen zeichnen sich durch eine hohe adjustierte Dividendenrendite für den Aktionär und eine hohe adjustierte Dividendenrendite für das Gesamtunternehmen sowie eine Steigerung der Dividende in den vergangenen fünf und drei Jahren aus. Zudem wird auch eine niedrige Volatilität der Aktienrenditen bei der Indexauswahl einbezogen.

Deutliche Abgaben von über 2,0 % auf 32,95 USD zeigte dagegen gestern im TraderFox-Index die Aktie der Kraft Heinz Company. Die Anteilsscheine des amerikanischen Herstellers abgepackter Nahrungsmittel befinden sich zwar derzeit nicht mehr auf Erholungskurs. Das Unternehmen wird aber an der Börse gegenwärtig mal wieder nur mit einem KGV von 10 bewertet. Dabei besitzt Kraft Heinz einige der bekanntesten Marken wie “Philadelphia“ und “Heinz Tomato Ketchup“, die man in zahlreichen Lebensmittelgeschäften finden kann, und zwar auf der ganzen Welt. Und die Qualität des Ketchup- und Käseproduzenten weiß seit Jahren auch der amerikanische Investor Warren Buffett zu schätzen, der noch immer eine Beteiligung von 26,5 % hält. Operativ hat Kraft Heinz seit 2023 sogar einen Richtungswechsel vollzogen und ist, auch bedrängt von Aktionären, von anhaltenden Kostensenkungen zu Wachstumsinvestitionen inklusive höherer Werbebudgets übergegangen. Mittlerweile will sich das Management auch von weniger begehrten Produktlinien trennen, um sich nur noch auf margenstärkere Angebote zu konzentrieren. Zu diesem Zweck unterteilt das Unternehmen sein Markenportfolio derzeit in nur noch 3 Bereiche, vor allem um das organische Wachstum einzelner Marken zu fördern.

Kraft Heinz wird allerdings dafür kritisiert, dass nur Fortschritte in den Portfoliobereichen erzielt werden, denen das Management die größte Aufmerksamkeit schenkt. Zudem gibt es derzeit Gerüchte, dass der Lebensmittelhersteller offenbar die US-Kultmarke rund um den Fleisch/Aufschnitt-Produzenten “Oscar Mayer“ erwerben will. Die Dinge können bei Kraft Heinz nach dem erneuten Umsatzrückgang im 1. Quartal von fast 2,0 % also nur noch besser werden. Aktuell liegt die Dividendenrendite der Aktie mit 4,8 % sogar wieder deutlich über dem Durchschnitt der gesamten Konsumgüterbranche von etwa 2,8 %. Gerade für langfristige und geduldige Anleger dürfte das Kraft Heinz-Papier damit ein Schnäppchen sein.

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