articles-marktberichte-international
65
Von Liridona Preniqi
19. Juni 2024

Nach der jüngsten Rekordjagd haben die US-Aktienmärkte trotz anhaltender Chipaktien-Rallye am Dienstag eine Auszeit genommen. Der TraderFox Dividenden-Champions Defensive-Index legte am Ende dennoch um 0,5 % auf 24.994 Punkte zu. Pharmavertriebs-Spezialist Cardinal Health profitiert von starker Q3-Nachfrage nach teuren Spezial-Arzneien und erwartet nun einen Jahresgewinn je Aktie zwischen 7,30 und 7,40 USD. Cisco will zu einem größeren Akteur im KI-Technologiebereich werden, und stellt hierfür Startup-Investitionskapital von gut 1,0 Mrd. USD bereit.



Mit kräftigen Zugewinnen von über 3,0 % auf 104,10 USD war im TraderFox-Index am Dienstag die Aktie von Cardinal Health der absolute Tagesfavorit. Zwar sind die Anteilscheine des US-Krankenhaus- und Pharmadienstleisters von ihren Höchstständen im März ein Stück weit zurückgekommen. Operativ läuft es bei dem Unternehmen aber weiterhin gut. Vor allem der boomende Absatz bei gewichtsreduzierenden und Spezial-Arzneien bleiben anhaltende Wachstumstreiber. Cardinal Health hatte jedenfalls Anfang Mai erneut starke Q3-Ergebnisse (31. März.) vorgelegt. Zugleich hob das Management die Jahresgewinnprognose an und setzt dabei auf die Stärke des Pharmabereichs, der teure Spezialmedikamente zur Behandlung komplexer Erkrankungen wie Krebs verkauft. Schließlich hatte der Arzneimittelhändler, wie auch die Konkurrenten, von zuletzt steigenden Umsätzen mit Spezial-Arzneien profitiert, während die Preise für Generika aufgrund des intensiven Wettbewerbs gefallen waren. Cardinal Health beliefert dabei mit seinem Pharmavertrieb und medizinischem Sortiment in den USA fast 90,0 % aller Krankenhäuser. Dazu kommen landesweit noch 60.000 Apotheken und über 10.000 Spezialpraxen und Kliniken. Inzwischen kommt auch ein Großteil der Einnahmen von zuletzt 220,6 Mrd. USD über die Pharmasparte herein, über die das Unternehmen Marken- und Generika-Arzneimittel, Spezialmedikamente sowie rezeptfreie Gesundheits- und Verbraucherprodukte vertreibt. Allein im 3. Quartal erwirtschaftete der Bereich von Cardinal Health einen Umsatz von 50,7 Mrd. USD, und damit gut 9,0 % mehr als im Vorjahr.

Dementsprechend wurden vom Vorstand auch die gruppenweiten Ausschichten etwas angehoben. So dürfte der Gesundheitsdienstleister für das Jahr 2023/24 (30. Juni) einen Gewinn je Aktie zwischen 7,30 und 7,40 USD erzielen, nach zuvor erwarteten 7,20 bis 7,35 USD. Cardinal Health teilte zuletzt außerdem mit, dass die OptumRx-Verträge mit dem US-Krankenversicherer UnitedHealth, einem der größten Kunden, nach ihrem Auslaufen Ende Juni nicht verlängert werden. Die OptumRx-Vereinbarungen, die 2015 unterzeichnet wurden, trugen bei Cardinal Health immerhin 16,0 % zum Gesamtumsatz im Geschäftsjahr 2022/23 bei. Allerdings umfasste nach Angaben des Unternehmens der Großteil der Lieferungen so gut wie keine Spezialmedikamente. Bei den Arzneimittel-Geschäften hat Cardinal Health aber meist langlaufende Verträge abgeschlossen, was für anhaltend sichere Cashflows sorgt. Aktuell bietet die Aktie jedenfalls wieder eine Dividendenrendite von 2,0 %. Zudem ergibt sich für die letzten 5 Jahre aufgrund jahrelanger Aktienrückkäufe eine hohe adjustierte Rendite von im Schnitt 5,8 %.

Der TraderFox Dividenden-Champions Defensive-Index ist ein Aktien-Index, der bei der Auswahl der Indexkomponenten neben ausgeschütteten Dividenden auch Aktienrückkäufe und Kapitalerhöhungen berücksichtigt. Die 20 im Index enthaltenen Unternehmen zeichnen sich durch eine hohe adjustierte Dividendenrendite für den Aktionär und eine hohe adjustierte Dividendenrendite für das Gesamtunternehmen sowie eine Steigerung der Dividende in den vergangenen fünf und drei Jahren aus. Zudem wird auch eine niedrige Volatilität der Aktienrenditen bei der Indexauswahl einbezogen.

Eine eher unterdurchschnittliche Performance zeigte zuletzt im TraderFox-Index die Aktie von Cisco Systems, die gestern allerdings um 0,6 % auf 47,95 USD zulegte. Dabei gilt der US-Netzwerkausrüster und Security-Spezialist eigentlich als breit aufgestellt und innovativ. Das Unternehmen hat inzwischen sogar vor, zu einem größeren Akteur im Bereich der KI-Technologien zu werden. Anfang Juni hatte Cisco diesbezüglich angekündigt, gut 1,0 Mrd. USD in Start-ups investieren zu wollen, die an “sicheren und zuverlässigen“ Dienstleistungen im Bereich der künstlichen Intelligenz arbeiten. Der Hersteller von Netzwerkhardware und -software hatte hierfür zunächst nur rund 200,0 Mio. USD zugesagt. Wie das Unternehmen zudem auf seiner jüngsten Cisco-Live-Konferenz in Las Vegas mitteilte, wurde ein Teil des Geldes bereits in KI-Firmen wie Mistral AI, Scale AI und Cohere investiert. Cisco sucht wie auch andere Silicon Valley-Unternehmen offenbar dringend nach Möglichkeiten, sich das derzeit große Interesse an KI-Computern zunutze zu machen. So hat der IT-Dienstleister bereits in einige Produkte wie den bekannten Webex-Konferenzdienst KI-basierte Software integriert. Zudem wurde von Cisco erst kürzlich eine Zusammenarbeit mit dem Grafikkartenhersteller Nvidia angekündigt, um IT- und Netzwerkprodukte verkaufen zu können, die auf den Chips des Partners basieren. Laut Unternehmensvorstand plant Cisco aber nicht nur Investitionen in KI-Startups, sondern auch Kooperationen mit den jeweiligen Unternehmen. Das könnte bedeuten, dass der Netzwerk-Spezialist deren Technologie in seinem eigenen Angebot nutzt und den Verkauf von Dienstleistungen an Kunden und Regierungsbehörden unterstützt.

KI verändert jede Branche auf der ganzen Welt in einem noch nie dagewesenen Tempo, sagte der Cisco-Manager in einem Interview. Auf einige der Investitionen, die wir tätigen werden, werden Partnerschaftsvereinbarungen folgen. Cisco investiere viel in KI, auch in interne Forschungsprojekte, ergänzte er. Insgesamt habe das Unternehmen zuletzt 7 entsprechende Übernahmen und 11 Investitionen getätigt. Cisco folgt damit letztlich nur dem Softwarekonzern Microsoft, der mit seiner Unternehmensinvestition in OpenAI im Jahr 2022 und der Einführung von ChatGPT den anhaltenden KI-Hype ausgelöst hat. Dabei ist die Cisco-Beteiligung Mistral ein französisches KI-Startup, das KI-Modelle entwickelt. Scale AI wiederum konzentriert sich in erster Linie auf die Aufbereitung von Daten für das Training von KI-Software, und Cohere, bietet KI-basierte Software an, die Textinhalte verstehen und Antworten erzeugen kann. Cisco bleibt aber trotz aller KI-Investitionen auch dividendentechnisch ein Star, denn noch immer bietet die Aktie ihren Anlegern gut 3,5 % an Rendite.

Teilen