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Von Christina Rothfuß
05. Juni 2024

Angesichts der gestrigen Erholung an den US-Aktienmärkten legt der QIX Dividenden Europa Index am Mittwoch ebenfalls um 0,9 % auf 14.270 Punkte zu. Versicherer Allianz lehnt eine Pflichtpolice gegen Elementarschäden wegen enormer Kosten zwar ab, dürfte bei Einführung aber zunächst von höheren Beitragseinnahmen profitieren. Pharmaspezialist Sanofi sieht sich in den USA erneut mit 25.000 Klagen im Zusammenhang mit angeblichen Zantac-Krebsrisiken konfrontiert, hält diese aber nicht für prozesswürdig.

Kaum größere Abgaben musste in Anbetracht der jüngsten bundesweiten Flutschäden zuletzt im Dividenden-Index die Aktie der Allianz verkraften. Am Mittwoch notiert sie auch kaum verändert bei 263,10 Euro. Zwar erwartet die Versicherungsgruppe wegen des Hochwassers in Süddeutschland überdurchschnittlich hohe Schäden. Die von den Bundesländern geforderte Pflichtversicherung gegen Elementarschäden lehnt die Allianz aber weiter ab, vor allem wegen der befürchteten enormen Kosten. Auch wenn eine mögliche Pflichtversicherung wie ein kostenloses Konjunkturprogramm für die Branche wirken dürfte. Die Münchner fordern stattdessen bessere Präventionsmaßnahmen. Hierzu würden etwa Bauverbote in Überflutungsgebieten, eine Pflicht zu wasser-resilienten Baumaterialien oder auch bessere Hochwasserschutzanlagen gehören. Für die Allianz dürfte nur so die Spirale aus steigenden Schäden und steigenden Prämien durchbrochen werden. Dabei geht es dem Erstversicherer nach dem herausfordernden Jahr 2023 eigentlich gut. Zwar sind im vergangenen Jahr durch Sturm, Hagel und Starkregen in Deutschland versicherte Schäden von 5,7 Mrd. Euro entstanden, wovon mehr als 2,0 Mrd. Euro in Bayern registriert wurden. Der deutsche Versicherungsmarkt konnte aber ungeachtet dessen auf den Wachstumspfad zurückkehren.

Im Heimatmarkt der Allianz stiegen die gesamten Beitragseinnahmen sogar um 1,4 % auf 223,0 Mrd. Euro. Die Sachversicherung legte dabei um 5,6 % zu, während die gesamten Krankenversicherungsprämien nur um 2,3 % anzogen.

Und die globale Versicherungsbranche, in der die Münchner stark vertreten sind, ist zuletzt sogar um beachtliche 7,5 % gewachsen. Zu der starken Zuwachsrate trug aber in erster Linie die hohe Inflation bei. Für die Allianz spricht zudem, dass in 2023 im gesamten Bundesgebiet die Versicherungsdichte um 2,0 % gestiegen ist. Laut Versicherungsverband sind im Bundesdurchschnitt bereits 54,0 % aller Wohnhäuser gegen alle Naturgefahren versichert, und zwar nicht nur gegen einzelne Wetterphänomene wie Sturm und Hagel. Viele der Hausbesitzer dürften Kunden der Allianz sein, auch wenn der Wettbewerb auf dem deutschen Markt durchaus als hoch eingestuft werden kann. Aber der Versicherer ist noch immer einer der vertrauenswürdigsten und kapitalstärksten Anbieter, und dies europaweit. Und der generelle Bedarf an der Absicherung von Risiken dürfte in Zukunft eher noch zu- als abnehmen. Zudem ist die Allianz mit ihrer Allianz Global Investors-Verwaltungssparte auch viel breiter aufgestellt als zahlreiche Konkurrenten. An der Börse wird die Aktie auch weiterhin nur mit einem KGV von 10 bewertet, und bietet dazu aktuell eine sportliche Dividendenrendite von über 5,0 %.

Der QIX Dividenden Europa ist ein Aktien-Index, der gezielt auf stabile und zuverlässige Dividendenzahler in Europa setzt. In den Index werden 25 europäische Aktien aufgenommen, die sich nach einem festgelegten und erfolgsbewährtem Regelwerk dafür qualifizieren. Neben einer hohen Dividendenrendite berücksichtigt das Regelwerk dabei fundamentale Kriterien wie Dividendenkontinuität, Dividendenwachstum oder Gewinnwachstum. Auch technische Aspekte wie stabile Kursverläufe mit niedriger Volatilität fließen in das Ranking mit ein.

Eine leichte Kurserholung von gut 1,0 % zeigt am Mittwoch im Dividenden-Index auch die Sanofi-Aktie, die damit bei aktuell 91,20 Euro steht. Dabei muss sich der Arzneimittelproduzent in den USA wohl erneut “Zantac“-Klagen stellen. Und dies, nachdem das Unternehmen erst im April tausende Klagen im Zusammenhang mit dem Vorwurf angeblicher Krebsrisiken des Zantac-Medikaments beilegen konnte. Für Sanofi dürften aber die neuen Klage-Nachrichten überschaubar bleiben. Am Montag wurde jedenfalls bekannt, dass sich mehrere große Pharmakonzerne wegen möglicher Krebsrisiken der Arznei in Amerika vor Gericht verantworten müssen. Etwa 75.000 Verbraucher haben dort Klage gegen die Unternehmen erhoben, die Zantac einst gegen Sodbrennen herstellten und verkauften. Betroffen sind neben Sanofi auch Pfizer aus den USA, GlaxoSmithKline aus Großbritannien und der deutsche Pharmaproduzent Boehringer Ingelheim. GlaxoSmithKline und Pfizer wollen gegen die Entscheidung des Gerichts im US-Bundesstaat Delaware zunächst in Berufung gehen. Dagegen sieht sich Sanofi nur mit etwa 25.000 Klagen in Delaware konfrontiert, und hält diese nach eigenen Angaben aber nicht für prozesswürdig. Die Aktien des französischen Pharmaherstellers zeigten dementsprechend eine nur moderate Kursreaktion, während die Papiere von GlaxoSmithKline am Montag um gut 10,0 % absackten. Auch weil die Experten von der US-Investmentbank JPMorgan nach der Gerichtsentscheidung es für möglich halten, dass die Klagen die Briten deutlich teurer zu stehen kommen könnten als bisher gedacht.

Denn während Sanofi nur etwa 25.000 Klagen auf sich zukommen sieht, könnte das Risiko laut Analysten bei GlaxoSmithKline aufgrund von gut 72.000 Klagen mit einer 50-prozentigen Wahrscheinlichkeit bei 5,0 Mrd. USD liegen. Am Freitag nach US-Börsenschluss hatte jedenfalls die Richterin des Berufungsgerichts in Delaware entschieden, dass sich die US-Kläger im Streit mit den Pharmaunternehmen auf ihre wissenschaftlichen Erkenntnisse berufen dürfen. Sie will, dass die wissenschaftlichen Argumente beider Seiten vor Gericht besprochen und von einer Jury verhandelt werden. Für die früheren Hersteller und Vertriebsgesellschaften von Zantac wie Sanofi gilt diese Entscheidung jedenfalls als schwerer Schlag. Denn die Anwälte der betroffenen Unternehmen wollten die Richterin in Delaware davon überzeugen, dass sie dem Beispiel eines Bundesrichters aus Florida folgt, der die Krebsnachweise im Jahr 2022 als unzuverlässig zurückgewiesen hatte. Für die Aktionäre von Sanofi bleibt damit auch zunächst eine gewisse Verunsicherung. Schließlich hatten im Sommer 2022 die ersten aufkommenden Sorgen vor Zantac-Klagen branchenweit schon rund 45,0 Mrd. USD an Börsenwerten vernichtet. Die Sanofi-Aktie notiert aber weiterhin auf niedrigem Niveau, und bringt aktuell eine robuste Dividendenrendite von 3,3 %.

Wenn Sie den QIX Dividenden Europa Index nachbilden wollen, bietet sich ein Index-Tracker der UBS an.

Hinweis: Da der QIX Dividenden Europa Index von finanzen.net und der TraderFox GmbH, einer Tochtergesellschaft der finanzen.net GmbH, entwickelt wurde, partizipieren die finanzen.net GmbH und die TraderFox GmbH indirekt oder direkt an der Vermarktung des QIX Dividenden Europa. Dies betrifft u. a. Lizenzeinnahmen von Emissionsbanken und KVGs.

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