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Von TraderFox
04. Januar 2019

Die überraschende Umsatzwarnung des iPhone-Herstellers Apple und schwache Industriedaten aus den USA drückten am Donnerstag an der Wall Street auf die Stimmung. Während der S&P 500-Index dabei aber knapp 2,5% nachgab, befand sich der TraderFox Joels Zauberformel-Index zum Schluss nur mit 0,9% im Minus bei 11.797 Punkten. Kaufangebot des Pharmaherstellers Bristol-Myers Squibb für Celgene lässt Übernahmefantasie bei Gilead Sciences aufleben. US-Apothekenkette CVS Health schließt den 69 Mrd. schweren Aetna-Zukauf ab und ist an der Börse deutlich unterbewertet.

Eine regelrechte Kursexplosion machte gestern im TraderFox-Index die Aktie von Gilead Sciences zum Tagesgewinner. Dabei schoss sie zeitweise um fast 5% nach oben und lag am Ende bei 65,25 USD. Der wesentliche Impuls für den Anstieg kam indessen von der Ankündigung des US-Pharmakonzerns Bristol-Myers Squibb, die Biotechnologiefirma Celgene für gut 74 Mrd. USD erwerben zu wollen. Zwar ist Gilead mit einer Marktkapitalisierung von derzeit knapp 85 Mrd. USD fast doppelt so groß wie Celgene, und damit auch für einen Pharmariesen nicht so ohne weiteres übernehmbar. Aber die Nachricht von Bristol-Myers`s Plänen und der erhebliche Aufschlag, den der Konzern bereit ist zu zahlen, bringen die anhaltend günstigen Bewertungen im gesamten Biotechnologie-Sektor wieder zurück in den Fokus der Investoren. Dabei hat Gilead wie auch Celgene im letzten Jahr bei ehemals wichtigen Blockbustern weitere rückläufige Umsatzzahlen vermelden müssen.

Die nun angekündigte Übernahme ist damit auch als Erinnerung zu sehen, dass inzwischen bei vielen US-Biotechaktien zum Teil deutliche Unterbewertungen vorherrschen. Auch wenn zuletzt die Gewinnmarge bei Gilead gelitten hat und auf 7% gedrückt wurde, so notiert die Aktie trotz wachsendem Portfolio und damit weiterhin positiver Aussichten nur mit einem KGV von unter 10. Und selbst wenn das für seine HIV- und Hepatitis C-Therapien bekannte Biotechnologieunternehmen kaum ein ähnliches Übernahmeangebot wie Celgene erhalten dürfte. So lassen doch die derzeitigen M&A-Aktivitäten (Mergers&Acquisitions) mit satten Premium-Aufschlägen, die viel zu niedrigen Aktienkurse des gesamten Sektors wieder aufleuchten.

Der TraderFox Joels Zauberformel-Index ist ein Aktien-Index, der sich bei der Aktienauswahl an „Joel Greenblatt`s Zauberformel“ orientiert und sich dabei auf zwei Kriterien bei der Suche nach Value-Unternehmen konzentriert: Die Gewinnrendite und die Kapitalrendite. Die Gewinnrendite ist eine klassische Bewertungskennzahl, bei der der operative Gewinn (EBIT) eines Unternehmens ins Verhältnis zum Gesamtunternehmenswert („Enterprise Value“) gesetzt wird. Die Kapitalrendite ist eine Qualitätskennzahl und wird als Verhältnis aus EBIT zu den materiellen Nettovermögenswerten definiert. Ausgewählte Aktien werden nach beiden Kriterien sortiert und die höchstplatzierten Unternehmen stellen anschließend die Auswahl für die Umsetzung der Strategie dar.

Einen relativ robusten Handelstag zeigte im Index auch die CVS Health-Aktie, die dabei nur leicht auf 65,30 USD nachgab. Die amerikanische Drogerie- und Apothekenkette, zu deren Portfolio die Tochterunternehmen CVS Caremark und CVS Pharmacy gehören, bietet inzwischen auch verschiedene medizinische Dienstleistungen an. Neben dem reinen Apotheken-Geschäft, das für viele Amerikaner eine bedeutende Anlaufstelle ist, um ärztliche Rezepte einzulösen, ist das sogenannte Pharmacy Benefits Management (PBM) ein weiterer wichtiger Geschäftsbereich von CVS Health. Dabei handelt das Unternehmen mit US-Krankenversicherungen und großen Pharmaherstellern weitreichende Preisnachlässe für verschreibungspflichtige Medikamente heraus. Die dadurch erzielten Preisvorteile werden an die Kunden weitergereicht und dafür ein Verhandlungshonorar einbehalten.

Erst kürzlich kündigte CVS Health jedenfalls an, die bisherigen Preismodelle der PBM-Sparte neu gestalten und so für mehr Transparenz sorgen zu wollen. Dem Unternehmen zufolge würden mit dem neuen Modell die ausgehandelten Rabatte zu 100% an Patienten weitergegeben. Zuletzt war das Pharmacy Benefits Management und die von der Pharmaindustrie gewährten Nachlässe vor allem von der US-Politik angesichts fehlender Transparenz zu finanziellen Vereinbarungen stark kritisiert worden. Im November konnte CVS Health zudem die 69 Mrd. USD schwere Übernahme des US-Krankenversicherers Aetna Inc. abschließen. Die Gewinnaussichten für die kommenden Jahre haben sich damit insgesamt verbessert, rechnen doch Analysten bis 2024 mit einem Zuwachs von im Schnitt 12%. Gelingt es dem Unternehmen diese Schätzungen zu erfüllen, dann ist die Aktie mit einem aktuellen KGV von 9 durchaus ein Schnäppchen.

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