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Von Christina Rothfuß
13. Mai 2022

Nach einer schwachen Börsenwoche kommt es am Freitag trotz zahlreicher Belastungsfaktoren beim TraderFox High-Quality-Stocks Europe-Index zur Erholung. Folglich liegt der Index am Nachmittag mit 1,0 % im Plus bei 124,10 Punkten. Swisscom profitiert von der Risiko-Aversion der Kapitalanleger und gilt als defensiver Wert und mit fast 4 % Dividende. Zahlungsdienstleister Adyen soll künftig auch Zahlungen für „Amazon Japan“ abwickeln und kam schon im Jahr 2021 auf ein 70 % höheres Transaktionsvolumen.

 

Am Freitag verbucht im Qualitäts-Index die Swisscom-Aktie wieder leichte Zugewinne auf aktuell 560,50 Euro und notiert damit nur leicht unter ihrem Rekordhoch der Vorwoche. Die Gründe für den höchsten Stand seit 22 Jahren sind bei dem Schweizer Telekommunikations- und Mobilfunkunternehmen dabei vielschichtig. Vor allem aber profitieren die Papiere, die als ausgesprochen defensiv, dividendenstark und binnenorientiert gelten, seit Monaten von der Risiko-Aversion der Kapitalanleger. Seit Ausbruch des Ukraine-Krieges haben sie fast 10 % zugelegt, in den letzten 6 Monaten beträgt die Performance sogar gut 18 %. Doch auch vom operativen Geschäft erhält die Aktie Schub. Swisscom hatte zum Jahresstart überraschend gute Zahlen vorgelegt. In den ersten 3 Monaten wurde mehr Gewinn eingefahren als erwartet. Seinen Kunden bietet das Unternehmen dabei umfangreiche Dienstleistungen und Produkte in den Bereichen Mobilfunk, Festnetz, Internet und Digital-TV. Und im Heimatmarkt kommt es in der Mobilfunk- und Breitbandsparte auf einen außerordentlich hohen Marktanteil von über 50 %. In der Schweiz aber erodiert das Geschäft der Gruppe aufgrund des zunehmenden Wettbewerbes schleichend, während es in Italien wächst. Seit 2017 ist der Heimatumsatz von Swisscom um 900 Mio. CHF (867 Mio. Euro) eingebrochen. Dank eines Sparprogramms, das auch einen Abbau von 1.800 Vollzeitstellen vorsah, konnte der Betriebsgewinn aber bei 3,5 Mrd. CHF (3,37 Mrd. Euro) seitdem stabilisiert werden. Für einen Kommunikations-Dienstleister, der in einem gesättigten Markt seine hohen Marktanteile verteidigt, ist das durchaus passabel.

Die Schweizer lassen aber zuverlässig 1,14 Mrd. CHF (1.07 Mrd. Euro) an Dividenden pro Jahr ihren Aktionären zukommen. Das ermöglicht auch die florierende Italien-Breitbandtochter Fastweb. Die Aktie der Swisscom bietet daher auch eine beachtliche Dividendenrendite von 3,7 %. Irgendwann sind im Nachbarland mit einem der größten Breitbandmärkte Europas aber die niedrig hängenden Früchte möglicherweise gepflückt. Deshalb treibt auch der Vorstand den Umbau der Swisscom in der Schweiz zum führenden Anbieter von Informationstechnologien und Kommunikations-Infrastrukturen voran. Was bei der Unternehmensgröße und der starken Konkurrenz sicherlich keine einfache Aufgabe ist. Die Nachfrage der Geschäftskunden nach Cloud- und Sicherheitslösungen nimmt dem Management zufolge auch jedes Quartal beständig zu. Was den Umsatz betrifft, so tritt Swisscom im Lösungsgeschäft allerdings seit Jahren mehr oder weniger auf der Stelle.

Der TraderFox High-Quality-Stocks Europe ist ein europäischer Index, der in sogenannte Burggraben-Unternehmen investiert. Diese Gesellschaften zeichnen sich durch hohe Markteintrittsbarrieren oder Wettbewerbsvorteile aus. Das kann eine starke Marke, ein hervorragendes Kostenmanagement oder Unternehmensgröße sein, die potenzielle Wettbewerber daran hindert, einen lukrativen Markt zu betreten. Europäische Unternehmen dieses Typs zeichnen sich durch gute operative Kennzahlen aus, wozu etwa hohe Gewinnspannen und Kapitalrenditen sowie eine hohe Umsatz- und Gewinnstabilität gehören. Damit sind die zukünftigen Gewinn- und Zahlungsreihen relativ sicher und gut prognostizierbar.

Eine kräftige Erholung von über 6 % verzeichnet heute im Qualitäts-Index dagegen die Aktie von Adyen, die aktuell damit bei 1.442,50 Euro steht. Der niederländische Zahlungsabwickler, über dessen digitale Plattformen im vergangenen Jahr weltweite Zahlungen in Höhe von rund 516 Mrd. Euro liefen, hatte sein Geschäft zuletzt in Asien ausgeweitet. Wie das Management Ende April mitteilte, sei Ayden von Amazon Japan ausgewählt worden, um künftig digitale Bezahldienste im Land der aufgehenden Sonne bereitzustellen. Zunächst soll das Unternehmen dabei Zahlungsdaten und das Checkout-Erlebnis der Website Amazon.co.jp optimieren. Danach werden im Rahmen der Partnerschaft Zahlungen von Adyen für Amazon Japan abwickelt. Japans digitaler Sektor hat in den letzten 2 Jahren ein beschleunigtes Wachstum erlebt, sagte Adyens Country Manager Japan zur künftigen Zusammenarbeit. Die Nutzung unserer Plattform ermöglicht es Amazon Japan, mit den Tools zur Zahlungsoptimierung und den Dateneinblicken, ein noch besseres Kundenerlebnis zu bieten. Zudem wollen die Niederländer, auf deren Kundenliste sich viele bekannte Firmen wie Spotify, Netflix oder auch die Fashionkette H&M befinden, über den Zahlungsverkehr hinaus expandieren und in Zukunft auch integrierte Finanzprodukte für Plattformen und digitale Marktplätze entwickeln. Damit sollen in erster Linie neue Einnahmequellen erschlossen und auch die Nutzerbindung erhöht werden.

Indem wir unsere Bankinfrastruktur als Teil der Plattform neu aufbauen, beseitigen wir die Beschränkungen älterer Finanzsysteme und ermöglichen es Adyen, die Leistungsfähigkeit einer Bank mit der Anpassungsfähigkeit eines Fintechs zu kombinieren, betonte zuletzt ein Manager des Unternehmens. Die globale Zahlungsexpertise von Adyen ist jedenfalls weiterhin stark gefragt. Immerhin stand am Jahresende ein Umsatzplus zu 2020 von 46 % auf 1,00 Mrd. Euro in der Bilanz. Und die Nettomarge von fast 50 % zeigte, wie profitabel die digitale Abwicklung des online- und offline getätigten Zahlungsverkehrs letztlich für das Unternehmen ist.

 

 

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