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Von TraderFox
24. August 2021

Nach dem gestrigen Rekordlauf der US-Börsen setzt sich am Dienstag auch beim TraderFox High-Quality-Stocks Europe-Index die Erholung fort. Folglich liegt er am Nachmittag leicht im Plus bei 161,80 Punkten. Sanitärspezialist Geberit vermeldet dank Nachfrageboom für 2Q stärkstes Umsatzplus seit 20 Jahren. Logistiker Kühne & Nagel will mit Partners Group-Beteiligung von 400 Mio. CHF das Risiko seiner Apex-Übernahme in China abfedern.

Eine durchaus atemberaubende Kursentwicklung, die zuletzt mit 720,00 Euro sogar zu einem neuen Mehrjahreshoch führte, konnte im Qualitäts-Index in den letzten Wochen die Aktie von Geberit hinlegen. Aktuell liegt der Kurs aber leicht im Minus bei 708,00 Euro. Unterstützt wird der Schweizer Sanitärtechnik-Hersteller dabei insbesondere von starken Umsatzzahlen für die zurückliegenden 3 Monate. Immerhin war es dem Unternehmen nicht nur gelungen das Vor-Pandemie-Niveau zu übertreffen, im 2.Quartal wurde sogar das stärkste Umsatzwachstum seit dem IPO im Jahr 1999 verbucht. Was Investoren dabei einmal mehr überzeugen konnte, waren die von Geberit erzielten rekordhohen Margen. Die Gewinnmarge (EBITDA) erreichte letztlich im ersten Halbjahr gut 28%, während die Erlöse mit 1,83 Mrd. CHF (1,71 Mrd. Euro) um einen Viertel höher als im Vorjahr lagen. Das Unternehmen, das mit seinem Sanitär-Sortiment und entsprechenden Dienstleistungen vor allem in Deutschland, Österreich und der Schweiz einen Großteil seines Geldes verdient, profitierte dabei neben der konjunkturellen Erholung in erster Linie davon, dass die Leute mehr zu Hause bleiben und entsprechend dieses behaglich einrichten wollen. In allen Regionen war Geberit zuletzt im zweistelligen Prozentbereich gewachsen. Und trotz steigender Rohmaterialpreise unter anderem für Metall und Plastik verbesserte sich die Rentabilität.



Im laufenden Quartal kalkuliert das Management mit um 6% über dem Niveau des 2.Quartals liegenden Materialkosten. Wobei die außerordentliche Preiserhöhung von 3,5% in diesem Sommer für 60% des Sortiments die anhaltenden Mehrkosten nicht ganz ausgleichen können. Und auch wenn die mittelfristig angepeilten Ziele der Schweizer, die ein Umsatzplus von 4 bis 6% sowie eine operative Marge im Bereich von 28 bis 30% vorsehen, zuletzt erneut übertroffen wurden. So bleibt Geberit dennoch wachsam, denn das jüngste Wachstum scheint sich derzeit spürbar abzukühlen. Im Juli sei das Umsatzwachstum nur noch im hohen einstelligen Prozentbereich gelegen, im August habe es sich halbiert, erklärte zuletzt der Vorstand. Das zweite Semester werde daher schwach ausfallen. Trotzdem wird das Jahresergebnis von Geberit, mit beiden Geschäftsbereichen Installations- und Spülsysteme sowie Rohrleitungssysteme weiterhin über den mittelfristig angepeilten Werten liegen.

Der TraderFox High-Quality-Stocks Europe ist ein europäischer Index, der in sogenannte Burggraben-Unternehmen investiert. Diese Gesellschaften zeichnen sich durch hohe Markteintrittsbarrieren oder Wettbewerbsvorteile aus. Das kann eine starke Marke, ein hervorragendes Kostenmanagement oder Unternehmensgröße sein, die potenzielle Wettbewerber daran hindert, einen lukrativen Markt zu betreten. Europäische Unternehmen dieses Typs zeichnen sich durch gute operative Kennzahlen aus, wozu etwa hohe Gewinnspannen und Kapitalrenditen sowie eine hohe Umsatz- und Gewinnstabilität gehören. Damit sind die zukünftigen Gewinn- und Zahlungsreihen relativ sicher und gut prognostizierbar.

Im heute wieder positiven Marktumfeld verbucht dagegen die Aktie von Partners Group im Qualitäts-Index kleine Zugewinne auf 1.512,00 Euro und notiert damit ebenfalls auf Rekordhoch. Der Schweizer Private-Equity-Investor hatte sich im Juli an dem Asienzukauf des Großlogistikers Kühne & Nagel, der künftigen Logistiktochter Apex, beteiligt. Für den 24,9% -Anteil an Apex überwies Partners Group mehr als 400 Mio. CHF (372 Mio. Euro) in die Kühne & Nagel-Zentrale. Gut 62% der Anteile bleiben dort, 13% liegen weiterhin bei dem chinesischen Management um Apex-Vorstand Tony Song. Doch Kapitalbeschaffung war kaum die Motivation für das weltweit führende Schweizer Transportunternehmen, zumal die gegenwärtigen Geschäfte angesichts von Containerknappheit und boomender Weltwirtschaft nie besser liefen. Vielmehr war es der Wunsch, das Risiko der Milliardenübernahme abfedern. Gleichzeitig suchte Kühne & Nagel nach einem stärkeren Zugriff auf die Apex-Führung, die ausschließlich aus Festland-Chinesen besteht und offenbar nur über geringe Englischkenntnisse verfügt. Finanziell war der Deal für Partners Group jedenfalls attraktiv. Der Logistikspezialist hatte Apex mit dem 15-fachen des Firmengewinns bewertet, zuvor war der Wert durch die Börsenhausse bereits gestiegen. Die Kühne & Nagel-Aktie wird dagegen zum 25-fachen des operativen Gewinns an der Börse gehandelt, offerierte dem Finanzpartner den Anteil aber zu den eigenen Einstiegskonditionen.

Bei gutem operativem Verlauf befeuert die Kombination von Großlogistiker und Private-Equity-Haus durchaus Fantasie für mehr. Immerhin hat der Kühne & Nagel-Vorstand für die Apex-Akquisition das Ziel bereits klar definiert, und will weltweit die Nummer eins in der Luftfracht werden. Aber auch die Investitionsgeschäfte bei Partners Group brummen. Einer vorläufigen Prognose zufolge dürfte das Unternehmen für die ersten 6 Monate einen Gewinn im Bereich von 585 bis 645 Mio. CHF (490 bis 600 Mio. Euro) eingefahren haben, und damit mehr oder weniger eine Verdoppelung zu 2020. Angesichts der soliden Nachfrage nach hochwertigen Anlagen im 1.Halbjahr hatte der Vermögensverwalter im Auftrag seiner Kunden eine Reihe von älteren Kapitalanlagen veräußert. Einige dieser Beteiligungsverkäufe waren ursprünglich für 2020 geplant gewesen, sind aber aufgrund der Pandemie von Partners Group verschoben worden, was unter anderem zu Rekordausschüttungen im 1.Halbjahr geführt hat.

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