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Von Christina Rothfuß
03. Mai 2022

Vor der mit Spannung für Mittwoch-Abend erwarteten Fed-Zinsentscheidung fehlen dem TraderFox High-Quality-Stocks Europe-Index am Dienstag neue Impulse. Am Nachmittag liegt der Index folglich unverändert bei 131,00 Punkten. Novozymes wächst seit Jahren dank innovativer Enzymprodukte beständig und beliefert mittlerweile weit über 30 verschiedene Industrien. E.ON will die Laufzeit seines Atomkraftwerks “Isar 2“ in Bayern nicht verlängern, die Aktie bleibt angesichts von über 4 % Dividende ein defensiver Wert.

Mit einem leichten Kursabschlag auf 66,00 Euro präsentiert sich am Dienstag im Qualitäts-Index die Aktie von Novozymes. Die Papiere haben sich von ihren jüngsten Tiefs aber bereits kräftig erholen können. Dies ist auch kein Wunder, gilt doch das dänische Unternehmen angesichts seines "First Mover Advantage" und innovativer Produkte international führend bei der Entwicklung von industrieweit angewandten Enzymen und Mikroorganismen. Bei den weit über 700 Produkten reicht das Angebotsspektrum dabei von der Herstellung von Biokraftstoffen über die Produktion von Transfetten, die unter anderem beim Kochen Verwendung finden, bis hin zur Herstellung von technischen Enzymen für die Leder-, Textil- und Forstwirtschaft. Und Novozymes` Kerngeschäft war in den ersten 3 Monaten auch wieder sehr robust gelaufen. Immerhin kletterten die Erlöse trotz schwieriger Umstände um 4 % auf 4,37 Mrd. DKK (587 Mio. Euro). Einer der Wachstumstreiber war diesbezüglich das auf Nachhaltigkeit ausgelegte Produktsortiment für die Nahrungsmittel- und Getränkebranche. Darüber hinaus belieferten die Dänen verstärkt auch Hersteller von Biopharmaprodukten, sowie Unternehmen, die sich auf Bioenergie und Abwasseraufbereitung spezialisiert haben. Insgesamt zählt der Enzymhersteller gegenwärtig weltweit über 30 Industrien zu seinem Kundenkreis. Das von Novozymes betriebene und innovative Geschäft mit Mikroorganismen und Bakterien ist mit über 7.000 eigenen und auch lizensierten Patenten, obendrein auch sehr rentabel. Die Gewinnspanne lag 2021 bei gut 20 %, und auch die erzielte Eigenkapitalrendite konnte mit 26 % mehr als überzeugen.

Die Qualität des Unternehmens zeigt sich zudem auch inwieweit Preissteigerungen an Kunden weitergegeben werden können. Schon im März konnte das Management die zultzt weiter stark anziehenden Kosten für Rohmaterialen, Energie und Logistik je nach Branche und Produkteigenheit größtenteils weiterreichen. Zudem wurde von Novozymes kürzlich auch die Umsatzprognose für das laufende Jahr leicht angehoben. Immerhin wird für 2022 ein organisches Wachstum in einer Spanne von 4 bis 8 % erwartet, nach zuvor 3 bis 7 %. Und auch die EBIT-Marge soll sich zum Jahresende bei unverändert 16 bis 17 % einpendeln. Die Aktie der Biotechfirma ist allerdings mit einem bewertungstechnischen KGV (2023) von 38 weiterhin alles andere als günstig. Premiumqualität hat also weiterhin ihren Preis.

Der TraderFox High-Quality-Stocks Europe ist ein europäischer Index, der in sogenannte Burggraben-Unternehmen investiert. Diese Gesellschaften zeichnen sich durch hohe Markteintrittsbarrieren oder Wettbewerbsvorteile aus. Das kann eine starke Marke, ein hervorragendes Kostenmanagement oder Unternehmensgröße sein, die potenzielle Wettbewerber daran hindert, einen lukrativen Markt zu betreten. Europäische Unternehmen dieses Typs zeichnen sich durch gute operative Kennzahlen aus, wozu etwa hohe Gewinnspannen und Kapitalrenditen sowie eine hohe Umsatz- und Gewinnstabilität gehören. Damit sind die zukünftigen Gewinn- und Zahlungsreihen relativ sicher und gut prognostizierbar.

Relativ robust zeigt sich am Dienstag im Qualitäts-Index auch die Aktie von E.ON, die dabei nur leichte Abgaben auf aktuell 9,80 Euro verzeichnet. Der Energieversorger ist in Europa einer der großen innerhalb der Branche, befindet sich aber im strukturellen Wandel. Und ab 2023 will das Unternehmen sein Kerngeschäft immerhin atomstromfrei gestalten. E.ON selbst ist aber schon lange kein reiner Stromerzeuger mehr, sondern betreibt in vielen europäischen Ländern vor allem Vertriebsnetze für Strom und Gas und die damit verbundenen Aktivitäten. Durch den Kriegsbeginn in der Ukraine und den damit verbundenen hohen Energiepreisen kommen auf den Versorger derzeit aber einige Unsicherheiten zu. Vor allem das Vertriebsgeschäft sowie der Netzwerkbereich werden hierdurch besonders belastet. Beide Unternehmensbereiche versprechen eigentlich konstante Einnahmen, die gut planbar sind. In den vergangenen 5 Jahren konnte E.ON ohne Unterbrechung hierdurch milliardenschwere Erlöse erzielen. Dabei stieg der Umsatz von 37,96 Mrd. auf zuletzt 77.35 Mrd. Euro. Und ungeachtet der aktuellen Energiekrise will der Vorstand auch nicht die Laufzeit des Atomkraftwerks “Isar 2“ in Bayern verlängern. Die Kernenergie hat in Deutschland keine Zukunft, betonte zuletzt der Manager. Der Netzbetreiber, der in der Nähe von München eines der drei verbleibenden Atomkraftwerke des Landes betreibt, hat sich zu diesem Schritt entschlossen. Und das, obwohl sich Deutschland aktuell auf die Rationierung der Energieversorgung vorbereitet und unabhängiger von russischen Brennstoffen werden will.

E.ON bezieht seine Energie auf dem Großhandelsmarkt und hat inzwischen auch keine direkten Verträge mehr mit russischen Versorgern. Dennoch warnt das Management ebenso wie die deutsche Industrie vor einem Boykott des russischen Gases, mit dem Deutschland mehr als die Hälfte seines Jahresverbrauchs deckt. Dies würde die Lieferketten unterbrechen und die Konjunktur ausbremsen, so die Argumentation. Investoren setzten aber weiterhin auf die Aktie, vor allem weil der Strom- und Gaserzeuger mit über 4 % Rendite als defensiver Dividendentitel gilt. E.ON war aber im letzten Geschäftsjahr auch sehr profitabel und kam trotz laufender Umstrukturierung auf eine Eigenkapitalrendite von 21 %.

 

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