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Von TraderFox
30. September 2020

Der QIX Deutschland reagiert am Mittwoch auf das teils chaotisch gewertete TV-Duell im US-Präsidentschaftswahlkampf mit Kursverlusten. Dabei gibt er am Nachmittag um 0,5% auf 13.775 Punkte nach. Siemens markiert nach Trennung von Energiesparte mit erfolgreichem Börsengang kurz ein neues Mehrjahreshoch. Merck löst 365 Mio. Euro an Rückstellungen nach Ende eines Patentstreits auf und will Ergebnisprognosen deshalb für 2020 demnächst leicht anheben.



Einer der Top-Performer der letzten Wochen war im Qualitäts-Index die Siemens-Aktie, die zuletzt bei 120,00 Euro kurzzeitig sogar ein neues Jahreshoch erreichte. Aktuell steht sie aber leicht im Minus bei 108,30 Euro. Ausschlaggebend für den jüngsten Anstieg war unter anderem das vom Münchner Industriekonzern am Montag erfolgreich an die Börse gebrachte milliardenschwere Energiegeschäft, das die Bereiche Windenergieanlagenbau, Übertragungstechnik und die Gasturbinensparte für Kohlekraftwerke umfasst. Das Unternehmen löst mit der Abspaltung gleich zweierlei Probleme. Zum einen kann sich Siemens mit der Zusammenführung nunmehr komplett auf diese Geschäfte konzentrieren, und zum anderen fällt der interne Wettbewerb um Mittelzuflüsse weg. Angesichts vergleichsweise geringer Margen hatte gerade der teils defizitäre Energiebereich oft schlechte Karten. Den Aktionären des Mutterkonzerns wurden im Rahmen des Börsengangs die Papiere von Siemens Energy automatisch in ihre Depots gebucht. Dabei erhielten sie für 2 Siemens-Aktien einen Anteilschein der neuen Tochter. So wurden letztlich 55% am neuen Unternehmen verteilt. Gut 35,1% der Anteile bleiben zunächst bei Siemens, weitere 9,9% beim Pensionsfonds des Konglomerats. Auch Analysten stehen der erfolgten Abspaltung durchweg positiv gegenüber. Die Abtrennung der Energiesparte sei ein bedeutender Kurstreiber für die Papiere von Siemens, schrieben die Experten der amerikanischen Investmentbank JPMorgan.

Und auch Goldman Sachs sieht für die Aktien der Münchner deutliches Neubewertungs-Potenzial, da mit dem Börsengang ein wichtiger Schritt in Richtung Verschlankung des Portfolios erfolgt sei. Allerdings notieren sie auf dem aktuellen Kursniveau schon wieder deutlich höher, als dies noch vor knapp 5 Monaten der Fall war. Folglich ergibt sich für die Siemens-Papiere mittlerweile ein KGV von 18. Für den Mutterkonzern sprechen zudem auch die weiterhin hohe Eigenkapitalrendite von 11% sowie die operative Marge von über 10%. Die Aktie befindet sich mit diesen Kennzahlen jedenfalls zu Recht im Qualitätsaktien-Index (QIX). Der QIX Deutschland ist ein Aktien-Index, der aus den besten 25 deutschen Aktien gebildet wird. Die 25 Aktien werden nach einem festgelegten und erfolgsbewährtem Regelwerk ausgewählt.

Im Qualitäts-Index verzeichnet heute auch die Merck-Aktie leichte Abgaben und steht damit letztlich nicht nur bei 124,70 Euro sondern auch nur knapp unter ihrem Jahreshöchststand. Das Pharma- und Technologieunternehmen hatte gestern vermeldet, nach der Beendigung eines Patentstreits mit dem amerikanischen Biotechunternehmen Biogen, nunmehr mit einem Sonderertrag zu rechnen. Hintergrund der Meldung ist, dass ein US-Berufungsgericht den Darmstädtern in der Auseinandersetzung zuletzt Recht gegeben hat, wodurch nun eine diesbezügliche Rückstellung von 365 Mio. Euro aufgelöst werden kann. Davon könnte maximal ein mittlerer bis hoher zweistelliger Millionenbetrag im Finanzergebnis zu verbuchen sein, teilte Merck hierzu mit. Dementsprechend sollen auch die bisherigen Prognosen im Zuge der nächsten Quartalsberichterstattung nach oben angepasst werden. Zurzeit stellt das Unternehmen, das vor allem mit pharmazeutischen Produkten, Laborbedarf und Hochleistungswerkstoffen sein Geschäft betreibt, für 2020 einen operativen Betriebsgewinn von 4,45 bis 4,85 Mrd. Euro in Aussicht, nach rund 4,4 Mrd. Euro im Vorjahr.

Der jetzt beigelegte Patentstreit drehte sich in erster Linie um Mercks Multiple-Sklerose-Medikament Rebif mit dem Wirkstoff Interferon-Beta. Biogen hatte dabei argumentiert, dass das Unternehmen über seine Tochter EMD Serono mit dem Produkt ein Biogen-Patent verletzen würde und hatte folglich Schadenersatz verlangt. Zunächst hatte ein US-Bezirksgericht dem US-Unternehmen auch Recht gegeben, dieses Urteil hob nun aber ein Berufungsgericht nach Angaben von Merck wieder auf. Nun gelte die ursprüngliche Entscheidung einer Jury aus dem Jahr 2018, nach der das fragliche Patent von Biogen unwirksam sei, so ein Unternehmenssprecher. Rebif ist für den Darmstädter Pharmaproduzenten zwar noch immer das umsatzstärkste Medikament, verliert weltweit aber zunehmend an Bedeutung, da inzwischen modernere Konkurrenzprodukte gefragt sind. Merck selbst hat aber mit der MS-Tablette Mavenclad mittlerweile einen neuen wichtigen Hoffnungsträger am Markt platziert.

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