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Von Christina Rothfuß
28. Juni 2022

Die Lockerungen der strengen Quarantäne-Bestimmungen in China stützen am Dienstag den QIX Deutschland. Am Nachmittag liegt er dabei unverändert bei 13.140 Punkten. Steigende Energiepreise und möglicher Gasengpass drücken seit Monaten auf die Aktie von Covestro, die inzwischen mit einem KGV von 7 notiert. Aurubis möchte in den USA ab 2024 mit einem modernen Recyclingwerk die Trendwende hin zu mehr Kreislauf-Wirtschaft einleiten und investiert hierfür gut 300 Mio. Euro. 

 

Nach dem jüngsten Absturz ist am Dienstag im Qualitäts-Index die Covestro-Aktie einer der Tagesfavoriten und legt dabei um 1,0 % auf aktuell 34,60 Euro zu. Dabei profitiert der Produzent von Hightech-Polymerwerkstoffen zum einen vom freundlichen Marktumfeld, und zum anderen von der kürzlich erfolgten Kaufempfehlung durch die US-Investmentbank Goldman Sachs. Die Papiere von Covestro leiden aber derzeit vor allem unter den Sorgen vor weiter steigenden Energiepreisen und einer hierdurch erzeugten Wirtschaftskrise. Zudem verunsichert Anleger auch der mögliche Engpass bei der Gasversorgung, der ab Herbst deutschlandweit zu erwarten ist, sollte Russland seine Gaslieferungen komplett einstellen. Wie sich ein möglicher Gas-Stopp auf das operative Geschäft von Covestro auswirken könnte, ist unklar. Die Nachfrage nach Kunststoffen aus der Auto- und Baubranche sowie der Elektro- und Elektronikindustrie ist trotz Lieferketten-Probleme und strenger Lockdowns in China aber weiterhin hoch. Für zusätzlichen Rückenwind sorgt bei dem Hersteller von Vorprodukten für Hart- und Weichschäume zudem noch der hohe Bedarf an Materialien etwa für Autositze, Möbelpolster, Kühlschrank-Dämmungen sowie Handy- und Laptophüllen. Im Jahr 2021 war Covestro mit Teilen der Produktion für Kunststoffe, die speziell in der Autoindustrie für die Innenausstattung, aber auch für Batterien und Lacke verwendet werden, sogar vollständig ausverkauft. Das operative Ergebnis (EBITDA) dürfte laut Analysten im laufenden 2. Quartal auch über dem oberen Ende der Prognose liegen, im 2. Halbjahr ist aber mit schwächeren Absatzmengen zu rechnen.

Auf dem derzeitigen Kursniveau ist die Aktie von Covestro jedenfalls deutlich unterbewertet, wovon das gegenwärtige KGV von 7 zeugt. Demzufolge ist ein Kauf der Papiere derzeit auch eine Art Wette darauf, dass die Gasversorgung in Deutschland gesichert bleibt. Sollte dies gelingen, dann dürfte der Aktienkurs auch wieder deutlich höher notieren. Die Analysten von Goldman Sachs sehen den „fairen Wert“ der Covestro-Aktie sogar bei 78,00 Euro. Daraus würde sich ein Kurspotenzial von derzeit über 100 % ergeben. Zudem beließen die Experten die Papiere des Kunststoffspezialisten Mitte Juni auch auf ihrer viel beachteten „Conviction Buy List“. Angesichts gestiegener Energie- und Rohstoffkosten prüft das Management auch permanent,  ob alle Tätigkeiten und Prozesse weltweit, noch immer zur Vision und Strategie des Unternehmens passen. Ursprünglich sollten so bei Covestro die Fixkosten bis Ende 2023 auf das Niveau von 2020 gesenkt werden. Die Talsohle bei den Margen dürfte bei dem Industriezulieferer im 3. Quartal jedenfalls erreicht werden, danach könnte es operativ wieder aufwärtsgehen. Nur der im Raum stehende Gasengpass könnte hierbei in die Quere kommen.

Der QIX Deutschland ist ein Aktien-Index, der aus den besten 25 deutschen Aktien gebildet wird. Die 25 Aktien werden nach einem festgelegten und erfolgsbewährtem Regelwerk ausgewählt. Die im Index enthaltenen Unternehmen zeichnen sich durch hohe Gewinnspannen und Kapitalrenditen sowie stabile Wachstumsraten und solide Bilanzen aus. Auch Value-Kriterien wie Dividendenrendite, niedrige Kurs-Gewinn- und Kurs-Umsatz-Verhältnisse werden einbezogen.

Ungeachtet der wieder besseren Marktstimmung gibt am Dienstag im Qualitäts-Index die Aktie von Aurubis um 1,1 % auf 68,90 Euro nach. Allerdings waren auch die Papiere des Metall- und Kupferproduzenten zuletzt trotz der anhaltend starken Nachfrage nach Industriemetallen kräftig gefallen. Und auch hier waren Rezessions- und Zinsängste mit dafür verantwortlich. Dabei hatte das Unternehmen seinen Betriebsgewinn noch in den 3 Monaten um dynamische 90 % auf 194 Mio. Euro steigern können. Aurubis mit seiner Multimetall-Kompetenz spielte hierbei neben der hohen Rohstoffnachfrage, auch die Digitalisierung der Arbeitswelt und der beschleunigte Ausbau erneuerbarer Energien in die Hände. Um dieser Nachfrage auch künftig nachzukommen, hatten die Hamburger jüngst den Start für den Bau einer neuen Multimetall-Recyclinganlage in den USA bekannt gegeben. Das Management will dabei im US-Bundestaat Georgia erstmals rund 300 Mio. Euro in eine hochmoderne Anlage investieren, und damit nicht nur mehr als 120 neue Arbeitsplätze vor Ort schaffen. Aurubis bekräftigt damit einmal mehr sein klares Bekenntnis zu nachhaltigem Wachstum und Kreislaufwirtschaft. Der Rohstoffzulieferer rechnet bei der Anlage, die höchste Vorgaben der US-Regierung bei Umweltstandards übertriff, mit einer Inbetriebnahme im 1. Halbjahr 2024.

Ab diesem Zeitpunkt wird eine jährliche Verarbeitungskapazität von bis zu 90.000 t metallhaltiger komplexer Recyclingmaterialien wie Elektro- und Elektronikschrotte angestrebt. Die von Aurubis wieder aufbereiteten Metalle sind letztlich entscheidend für globale Markttrends wie erneuerbare Energien, Digitalisierung und Elektrofahrzeuge aller Art. Die Welt brauche Metalle wie Kupfer - für Autos, Mobiltelefone, Batterien, Kabel und Computer, kommentierte der Vorstand den jüngsten Spatenstich. Momentan könne aber das Angebot nicht mit der Nachfrage Schritt halten, und vor allem in den USA fehlen geeignete Recycling-Möglichkeiten. Deshalb soll die hochmoderne Anlage von Aurubis eine Trendwende einleiten, vor allem auch um Produzenten bei der Umstellung auf eine regenerative Wirtschaft zu unterstützen.

 

Wenn Sie den QIX nachbilden wollen, bietet sich ein Index-Tracker der UBS an.

Hinweis: Da der QIX Deutschland von finanzen.net und der Traderfox GmbH, einer Tochtergesellschaft der finanzen.net GmbH, entwickelt wurde, partizipieren die finanzen.net GmbH und die TraderFox GmbH indirekt oder direkt an der Vermarktung des QIX Deutschland. Dies betrifft u.a. Lizenzeinnahmen von Emissionsbanken und KVGs.

 

 

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